Seitenbereiche:



Menü des aktuellen Bereichs:

Zusatzinformationen:

News

Alles rund um den SciencePark

Alles rund um den SciencePark

Positionsanzeige:

Inhalt:

Lawinengefahr - Wer hat Angst vor weißer Pracht?

So schön Skifahren und Tourengehen sein mag – auf den Bergen lauern auch Gefahren. Wintersportler wissen das – sollte man meinen. Wie sehr die Lawinengefahr unterschätzt wird, zeigt die SafePowder-Untersuchung, die vom Institut für Angewandte Statistik der JKU (IFAS) gemeinsam mit der Boku Wien durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Knapp 40 Prozent der Skifahrer und Tourengeher verschätzen sich beim Risiko.

In zweijähriger Forschungsarbeit wurden den rund 2.500 Versuchsteilnehmern verschiedene Berghänge mit Video und Textbeschreibung präsentiert, die aufwändig durch das SafePowder-Projektteam, allen voran DDI Thomas Reichhart vom ILEN (Boku Wien), aufbereitet worden waren. Die Antworten von 1.466 Teilnehmern konnten dabei ausgewertet werden. Die Wintersportler mussten daraufhin die Gefahrenlage bewerten. „Die Ergebnisse wurden mit verschiedenen offiziellen Lawinenwarnmethoden verglichen“, erläutert DI(FH) Elisabeth Adler, die unter der Betreuung von Prof. Helga Wagner eine Auswertung vorgenommen hat. Wo die Risikomanagementsysteme längst Alarm schlugen, gingen bis zu 40 Prozent der Bewertungen immer noch von einer sicheren Situation aus.

 

Hohe Risikobereitschaft
„Wir haben die Aussagen mit drei Risikomanagement-Konzepten verglichen“, so Adler. „Lawinenscout“, „Stop or Go“ und „Reduktionsmethode“ bewerten Faktoren wie Hangneigung, Lawinenwarnstufe und anderes für ihre Empfehlung. „Die größte Übereinstimmung zwischen der Angabe der Befragten, ob sie den Hang abfahren würden, und den Ergebnissen der Konzepte, ob der Hang befahren werden kann, wurde mit dem Lawinenscout mit 72 Prozent festgestellt, bei der Reduktionsmethode lag die Übereinstimmung bei 66 Prozent, bei Stop or Go nur bei 60 Prozent. Zu beachten ist jedoch, dass der Lawinenscout weniger restriktiv beurteilt als Stop or Go oder die Reduktionsmethode“, erklärt Adler das Ergebnis. Der Umkehrschluss zeigt: Viele würden auch noch extrem gefährliche Hänge befahren. Besonders bei Hangneigungen von 40°, nassem Schnee sowie Lawinenwarnstufe 4 wichen die subjektiven Beurteilungen der Befragten sehr deutlich von den objektiven Lawinenwarnsystemen ab.

Frauen sind vorsichtiger
Zusätzlich wurde auch die Risikobereitschaft der Wintersportler untersucht. Wie erwartet, zeigten sich Frauen und ältere Personen eher risikoscheu. Überraschend: Erfahrene Wintersportler, aber auch Skilehrer und Bergführer zeigten sich überaus risikobereit. Sogar Personen, die bereits von Lawinen verschüttet worden waren, schätzten sich weiterhin risikofreudig ein. „Damit zeigt unsere Untersuchung, dass noch viel Bewusstseinsbildung nötig ist“, resümiert Adler.

 

[Christian Savoy]