Seit August studiere ich nun schon auf dem Rocky Mountain College in Billings, Montana, USA. Vielleicht kennt so mancher den Bundesstaat Montana aus Filmen wie „Der Pferdeflüsterer“ oder diversen Western. Nun, mich hätte es anfangs auch eher zu den Großstädten an der West- und Ostküste gezogen. Doch keine meiner 10 Traumunis hatte einen Studienplatz für mich frei. Dazu muss ich erwähnen, dass mehr StudentInnen über das weltweite Austauschprogramm in die USA möchten als AmerikanerInnen hinaus, was das System zwangsläufig zum Kippen bringt. Ziemlich verspätet bekam ich schließlich doch noch zwei freie Plätze angeboten. Ich konnte mich zwischen der Universitity of Alaska und dem Rocky Mountain College entscheiden. Die Wahl fiel mir nicht schwer. Tatsächlich war das Rocky Mountain College, inmitten von Montana, eine gute Wahl. Es ist der beste Ort in den USA, wo ein halbwegs sauberes Englisch gesprochen wird, ohne „ harten“ Slang.
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Study abroad: Ein JKU-ler erobert Amerika
[25.03.2011] Fast Food, Countrymusik und Cowboys. Diese Bilder kamen JKU-Student Peter Frech immer in den Sinn, wenn er an die USA gedacht hatte. Als sich im Rahmen seines Studiums (Informatik) die Möglichkeit bot ein Semester in den USA zu studieren, packte er sogleich die Gelegenheit beim Schopf, um dieses Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu entdecken. Und aus einem wurden zwei Semester.
Die Landschaft ist atemberaubend und unendlich schön und erinnert mich an meine
Heimatstadt Haag. Billings jedoch ist schon ein anderes Kaliber, ist es doch die größte Stadt im Bundesstaat Montana. Das Tor zu Nationalparks wie dem Glacier National Park oder dem
Yellowstone National Park. Eine Stadt, umgeben von Bergen und meterhohen Steinwänden, die sich entlang so mancher Straßen ziehen. Obwohl Billings über 100.000 EinwohnerInnen hat, erinnert die Umgebung mehr an eine Provinz, als z.B. an eine Stadt wie Linz.
Der Grund dafür scheint die Großräumigkeit zu sein. Alle Gebäude liegen weit auseinander.
Dies lässt einen Fußmarsch zum nächsten Geschäft zu einer langen Wanderung werden.
Öffentliche Verkehrsmittel sind so gut wie nicht vorhanden, wodurch das Auto als einziges,
zumutbares Fortbewegungsmittel fungiert. Ich bin einmal von einer "naheliegenden" Bar über
eine Stunde lang nach Hause gelaufen. In Haag, zum Vergleich, braucht es lediglich wenige
Minuten vom Zentrum zu mir nach Hause. Ein Katzensprung sozusagen.
Ich denke, diese Möglichkeit zum Ausbreiten, dieser weit ausgedehnte Freiraum, ist der Grund dafür, dass die Menschen hier gelassener sind und ein sehr lockeres Gemüt haben. Sie sind freundlich und sehr zuvorkommend.
Vor meiner Einreise in die USA hatte ich etwas Angst, wie die AmerikanerInnen mich als Ausländer wohl aufnehmen würden, da ich weiß, wie es AusländerInnen in Österreich oftmals ergeht. Zu meiner Überraschung wurde ich jedoch vom ersten Tag an herzlich aufgenommen und voll integriert. Ein Studienkollege auf dem College sagte einmal, dass AmerikanerInnen AusländerInnen und deren kulturellen Hintergrund interessant finden. Man hat hier das Gefühl etwas Besonderes zu sein und der Akzent im Englischen kommt sehr charmant an. Zu Thanksgiving, ein Festtag vergleichbar mit dem Erntedankfest, und zu Weihnachten bekam ich zahlreiche Einladungen von StudentInnen und anderen Leuten, die mich über diese Festtage bei sich zu Hause willkommen heißen wollten. Was meine Beobachtungen in Österreich betrifft, wäre es wohl unvorstellbar, dass eine Familie einen Ausländer/eine Ausländerin einfach so zu sich über die Feiertage als Gast aufnimmt. Ein dickes Plus für Amerika und ihre Gastfreundschaft.
Mein engerer Freundeskreis hier auf dem College besteht vor allem aus Mitgliedern des RMC Ski Teams. Ich wurde aus reinem Zufall als Mitglied im Ski Racing Team des Colleges
aufgenommen, denn ich hatte vorher keine Ahnung, dass Ski-Rennen hier in Montana an
Universitäten und Colleges existieren. Doch meine Herkunft aus Österreich, einer Ski Nation,
überzeugte den Coach schnell. Nie hätte ich gedacht, jemals an einem professionellen Ski
Rennen teilzunehmen, noch dazu wo mein Können als Ski- Fahrer alles andere als berauschend war. Doch siehe da, inzwischen flitze ich schon wie ein kleiner Hermann Maier über die Pisten und darf als Rocky Athlet im GS (Grand Slalom) und Slalom für das College antreten. Das RMC Ski Racing Team ist übrigens Nationaler Champion geworden und hat sich gegen die besten Ski Teams aus ganz USA durchgesetzt.
Meine schwachen Englischkenntnisse waren, neben meiner kulturellen Horizonterweiterung, ein weiterer Faktor, der mich in die USA getrieben hat. Nach wochenlangem Büffeln über die
weihnachtlichen Feiertage schaffte ich es am Ende doch, den verpflichtenden TOEFL-Test zu bestehen und damit die Mindestvoraussetzungen für ISEP zu erfüllen. Anfangs noch aufgeregt, mein aufgefrischtes Englisch während des Fluges an meinem amerikanischen Sitznachbarn zu testen, verwandelte sich meine Motivation sehr bald in ein 20 Stunden langes, deprimierendes Schweigen. Alleine das Hören meiner englischen Aussprache, die sich im Vergleich mit dem des Amerikaners so richtig abhob, brachte mich während der ganzen Anreise in anhaltende Verlegenheit. Mein Englisch war mir unendlich peinlich. Am Flughafen angekommen, wurde ich von meinem ISEP Koordinator Michael West abgeholt. Michael, durchtrainiert, trug Flip-Flops, große Shorts, ein T-Shirt und hatte eine lässige, lange Surfermähne, was mein klischeebeladenes Bild von einem typischen, beleibten Amerikaner komplett umdrehte. Während er mich zum Campus fuhr, hatten wir meinem armen Englisch entsprechend eher eine lahme Unterhaltung. Mir war unbehaglich zumute, ich schwitzte und der Druck stieg. Was mache ich jetzt hier auf dem College, wenn ich nicht mal gscheit die Sprache der Gastuniversität sprechen kann? Jedoch sagte Michael in all seiner Gelassenheit „No worries. Every international student was nervious at the beginning. Your English will be perfect after a few weeks.“. Dem kann ich heute nur zustimmen. Nach ein paar Wochen war mein Englisch besser geworden und das Sprechen viel leichter und ungezwungen. Das verdanke ich dem Umstand, dass ich in meiner Umgebung einfach Englisch sprechen musste, College StudentInnen mich korrigierten und dadurch die Aufnahmefähigkeit der Grammatik erhöht wurde. Auch braucht man sich keine Sorgen machen, ob man anfangs überhaupt verstanden wird. Wenn das Englisch noch so gebrochen ist, die Amis können zumindest den Kontext richtig verstehen. Alles weitere entwickelt sich nach einigen Wochen. Deshalb möchte ich jeden ans Herz legen,
den Selbstzweifel an die eigene Fähigkeit Englisch zu sprechen nicht als unüberwindbares
Hindernis für ein Auslandssemester betrachten soll.
Eine weitere Auffälligkeit/Entdeckung, die mich sehr begeistert und weshalb ich mich vom
ersten Tag an in das Rocky Mountain College (RMC) verliebt habe, war, dass das
Gemeinschaftsgefühl unter den College StudentInnen hier sehr gefördert wird. Anders als auf der JKU sucht man auf dem College vergebens nach politischen Fraktionen. Dafür sind viele Gruppierungen, wie „Rocktivities“ oder das „Outdoor Recreation“ Team, verantwortlich. Die StudentInnen kommen durch angebotene Aktivitäten, Wanderungen, Ausflüge in umliegende Naturgebiete und Sehenswürdigkeiten, alle möglichen Arten von (Extrem-) Sportaktivitäten, Indoor sowie Outdoor, Tanzkurse, Kletterkurse, Fitnesskurse, zusammen und werden dadurch aus den Zimmern in das soziale Umfeld gelockt. Sehr positiv kann ich die am Anfang des Studienjahres stattfindende Orientierungswoche bewerten. Neuankömmlinge des Colleges verbringen eine ganze Woche auf einem Camp. Durch Gruppenaktivitäten, gemeinschaftsfördernde Kennenlernspiele, abendliche Unterhaltung (Komödiant, Hypnotiseur) und das Beisammensitzen am Lagerfeuer, kann man sich ungezwungen kennenlernen und in eine Gemeinschaft zusammenwachsen. Eine super Sache, die vor allem das Integrieren von AusländerInnn, wie mich z.B., um Welten einfacher macht.
Bis diesen Sommer werde ich mich noch in den USA aufhalten. Meine Erlebnisse, Reisen und Erfahrungen hier in den USA lassen mich meinen kulturellen Horizont erweitern und erlauben mir, Österreich aus einer anderen Perspektive zu sehen. Neben meiner persönlichen Weiterentwicklung schätze ich vor allem die Personen, mit denen ich bis jetzt Freundschaften für's Leben knüpfen konnte. Nun freue ich mich, bald wieder in die vertraute Heimat zurückzukehren und meine Universität wiederzusehen.
Schöne Grüße aus den USA,
Peter Frech

