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Nachhaltig wirtschaften: JKU zu Gast im Stift Lambach


Das Institut für Controlling und Consulting der JKU lud zu einem Seminar ins Stift Lambach – das Thema: „Monastisches Leben und nachhaltig wirtschaften“.

„Es geht uns bei Controlling in den Orden und im Umfeld der Orden nicht um Gewinnmaximierung, sondern um Optimierung von Prozessen und Entscheidungen, um die Zukunft und Langfristigkeit der Orden und ihrer Werke zu sichern“, erklärte Univ.-Prof.in Birgit Feldbauer-Durstmüller von der Johannes Kepler Universität einleitend.

„Genießen sollst du Gott, die Welt nur gebrauchen“ – diese Aussage von Augustinus stellte Dr. Helga Penz an den Anfang ihres Vortrags „Von der Klosterzelle zur Missionsstation. Formen und Funktionen der katholischen Ordensgemeinschaften vom Mittelalter bis zur Gegenwart“. Sie ist Leiterin des Bereichs Kultur und Dokumentation der Ordensgemeinschaften Österreichs.

Anwälte von Gerechtigkeit und Solidarität

„Orden sind durch ihre gemeinschaftliche Lebensform Anwälte von Solidarität und Gerechtigkeit“, betonte der Fachbereichsleiter der Systematischen Theologie und Leiter des Zentrum Theologie Interkulturell, Univ.-Prof. Franz Gmainer-Pranzl „Orden ist ein kritisches Potenzial jener Wirtschaft gegenüber inne, die nicht das Gemeinwohl, den Gemeinnutzen in den Mittelpunkt stellt. Nachhaltigkeit ist dem Ordensleben immanent.“ Mit Blick darauf, dass Ökologie und Nachhaltigkeit heute als wichtiges Thema entdeckt werden, meinte Gmainer-Pranzl: „Orden setzen sich heute nicht auf das Thema drauf, weil es aktuell und modern ist, sondern weil dieser nachhaltige Zugang zum Leben der Orden von innen her schon längst dazugehört.“
Nachhaltigkeit wirtschaften heiße zu wissen und danach zu handeln, dass man diesen einen Planeten habe. „Es gibt keinen Planeten B“, betonte der Theologe. Es gehe darum, die Nutzung nach gemeinsamen Kriterien und zum Wohle aller auszuführen. „Der Auftrag der Ordensgemeinschaften ist, Wächter des Morgen und Übermorgen zu sein“, so Gmainer-Pranzl.

Birgit Feldbauer-Durstmüller, Helga Penz, Franz Gmainer-Pranzl und Abt Maximilian Neulinger (v.l.)

 

Jeder Besitz des Klosters ist heiliges Altargerät
Der Frage „Nachhaltiges Wirtschaften in Benediktinischen Klöstern?“ ging Valentina Aversano-Dearborn von der Arbeitsgruppe „Transdisziplinäre Systemforschung“ der Universität für Bodenkultur in Wien nach. Ihre Definition: „Nachhaltigkeit sichert eine Entwicklung, die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ „Controlling in Klöstern“ wurde von Mag. Karin Niederwimmer vom Institut für Controlling und Consulting der JKU behandelt. Aus ihrer Erfahrung sieht sie: „Gottsuche und Verherrlichung in allen Dingen sind bei den Orden zentral. Das muss bei der Einführung von Controlling berücksichtigt werden. Die soziale Verantwortung, das Kriterium Nachhaltigkeit oder die Generationenfrage sind der Rahmen.“

„Kooperationen zwischen Wirtschaftsunternehmen und Abteien“ war das Thema von Fr. Augustinus Fries vom Benediktinerstift Ettal in Bayern. Er beantwortete die Frage: Warum sind wir wirtschaftlich aktiv? „Mönche sind nur Mönche, wenn sie von ihrer Hände Arbeit leben. Da haben sich heute die Rahmenbedingungen geändert, weil die Gemeinschaften kleiner geworden sind. Deshalb: Wir sind sehr abhängig von den 175 weltlichen Angestellten. Und der hl. Benedikt gibt vor, dass wir unsere Produkte ein wenig günstiger als üblich anbieten müssen. Trotzdem sind wir den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgesetzt und dem Verbraucherverhalten ,nach immer billiger‘ ausgeliefert.“ Fries gab Einblick in den Tourismus und die Wallfahrten als wichtige Standbeine in Ettal.

 

Weniger brauchen besser viel haben wollen
Im Zuge der Exkursion in das Stift St. Florian hat der Florianer Chorherr Universitätsprofessor Ferdinand Reisinger über „Nachhaltigkeit als Anliegen im Stift“. Nachhaltigkeit ist ein Krisenbegriff und es geht um Elemente der Nachhaltigen. „Wenn wir das Maß verlieren, geraten wir in eine Krisensituation. Dann geht es um die Frage: Was können wir tun, um das Maß wieder zu finden?“. Das sieht Reisinger als die Herausforderung heute. Als Augustiner bringt Reisinger das Denken von Augustinus, dem es eher um Genügsamkeit, Anspruchslosigkeit – auch ein Stück Reduktion: „Es ist besser, wenig zu brauchen als viel haben zu wollen.“ Reisinger spricht davon, „dass wir vom Kult des Habens in eine Kultur des Habens wechseln müssen“.

„Nachhaltigkeit ist ein Gummi-Begriff. Er ist in Gespräche heute plausibel, aber es gibt einen große Kluft hin zum konkreten Handeln.“ Der Universitätsassistent von der Katholischen Privat-Universität Linz Georg Winkler führte die TeilnehmerInnen mit dem praktischen Thema: „Eine Anleitung zum nachhaltigen Leben“ auf konkrete Weg, „wie Nachhaltigkeit in die Gänge kommen kann. Es braucht konkrete Modelle.“


Der Bericht von Ferdinand Kaineder, Medienbüro der Ordensgemeinschaft Österreich, in voller Länge: www.ordensgemeinschaften.at/3469-jeder-besitz-des-klosters-ist-heiliges-altargeraet

[Tobias Prietzel]