Bestrebungen um eine höhere/hohe Schule in Oberösterreich reichen ins 16. Jahrhundert zurück. In Fortsetzung einer privaten Initiative richten die Landstände 1566 eine Landschaftsschule ("Adeliche Landt-Schuele") im Ennser Minoritenkloster ein. 1574 wird das neu erbaute Landhaus in Linz bezogen. Johannes Kepler (1571-1630) lehrt von 1612 bis 1624 an der Schule, er entdeckt das 3. Planetengesetz (1618) und vollendet in Linz mit "Harmonice mundi" (Weltharmonik) eines seiner bedeutsamsten Werke.
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Geschichte
Bis 1848
Nach Schließung der Landschaftsschule und Vertreibung der evangelischen Professoren im Zuge gegenreformatorischer Maßnahmen im Jahre 1624 übernehmen die Jesuiten 1629 die Landschaftsschule und vereinigen diese mit ihrer 1608 gegründeten Linzer Lateinschule. Die Landstände schließen 1669 mit der "Societas Jesu" einen Kontrakt über die Errichtung von "Studia altiora". Den philosophischen Studien werden Jahre später juridische und theologische Fächer/Studien hinzugefügt.
1674 gewährt Kaiser Leopold I. das Graduierungsrecht, das jedoch nicht zur Anwendung kommt.
Der päpstlichen Aufhebung des Jesuitenordens 1773 folgt die Schließung des Linzer Jesuitenkollegs. Die Studien werden in einem neuen organisatorischen Rahmen, dem "k.k. Lyceum" mit einer philosophischen, theologischen sowie juridischen Fakultät, fortgeführt. Eine um 1775 eingerichtete chirurgische Klasse (1784 zur medizinisch-chirurgischen Abteilung erweitert) wird 1808 wieder aufgelöst.
Die kaiserliche Studien-Hofkommission dekretiert 1810 die Aufhebung der "juridisch-politischen Studien". Mehrere Ersuchen aus Linz um Wiedereinrichtung bleiben erfolglos. Das Lyzeum mit der Philosophischen und der Theologischen Fakultät wird im Zuge der Thun'schen Schulreform nach Ende des Studienjahres 1848/49 aufgelöst, das theologische Studium der Diözese Linz übertragen (Theologische Diözesananstalt).
1848 - 1945
Seit dem Jahre 1848 werden immer wieder Initiativen von Linz aus ergriffen mit dem Ziel der Gründung einer
- Universität mit juridischen und medizinischen Studien (1848)
- Technischen Hochschule verbunden mit einer Handelshochschule (1869/1872)
- Hochschule für medizinische und juridische Studien (1876)
- Chirurgischen Lehranstalt oder Medizinischen Hochschule/Fakultät (1887-1901)
- Handelshochschule kombiniert mit einer juridischen Fakultät (1909)
- Technischen Hochschule (1913)
- Universität oder Hochschule (1914)
- Universität und Handelshochschule (1917/18)
- Techn. Hochschule durch Verlegung der Deutschen Techn. Hochschule Brünn nach Linz (1918/19)
In der NS-Zeit werden große Pläne zur Errichtung bzw. Neubau einer Technischen Hochschule in Linz (als "Führerstadt") ausgearbeitet, die kriegsbedingt zu einem Provisorium im Stift Wilhering führen, wo von 1943 bis Kriegsende nur mehr in Ansätzen das Architektur-Studium etabliert werden kann. Das Vorhaben, 1938 die Deutsche Technische Hochschule Brünn nach Linz zu verlegen, ist noch im selben Jahr verworfen worden.
1945 - 1965
Beginnend im Jahre 1949 wird die Einrichtung eines technischen Studiums in Linz als Expositur einer Technischen Hochschule - ab 1953 unter reger Mitwirkung eines Fördervereins - angestrebt, dies aber über Jahre ohne Erfolg. Der rechtlichen Anerkennung vorausgreifend werden seit 1951 im Rahmen der Linzer Volkshochschule Vorlesungen über den Lehrstoff des 1. Studienabschnitts für Maschinenbau und Elektrotechnik bis zum Ende des Studienjahres 1955/56 angeboten.
Die Erfolglosigkeit bei den Bemühungen um das technische Studium hat seit Herbst 1954 allmählich eine Umorientierung auf eine Hochschule "neuer Art" zur Folge, dabei geraten immer stärker die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ins Blickfeld. Positive Signale des Unterrichtsministers veranlassen Repräsentanten des Landes Oberösterreich, der Stadt Linz und anderer Institutionen dazu, am 14.3.1959 zur Hochschulerrichtung das "Kuratorium Hochschule für Sozialwissenschaften in Linz" zu gründen.
Aus dem "Kuratorium" entsteht 1962 mit Bundesgesetz (BGBl. Nr. 189/1962) der "Linzer Hochschulfonds". Dieser vom Land Oberösterreich und der Stadt Linz getragene Fonds verpflichtet sich zur Mitfinanzierung der Hochschulgründung (50 %) und des laufenden Aufwandes bis 1972. In den 1960er Jahren wirkt er auch wesentlich an der Neugestaltung sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Studien in Österreich sowie an der Hochschulverwaltung in Linz mit.
Zum Ausbau und partiell zum Betrieb der Hochschule/Universität trägt der Hochschulfonds bis in die Gegenwart finanziell beträchtlich bei.
Die "Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften" wird durch das Bundesgesetz vom 5. Juli 1962 (BGBl. Nr. 188/1962) errichtet.
Instituts-, Hörsaal- und sonstige Gebäude der Campus-Hochschule, der ersten dieser Art in Österreich, werden auf dem Areal des ehemaligen Starhembergschen Schlosses Auhof im noch ländlich geprägten Linzer Stadtteil Dornach-Auhof von 1964-1969 hochgezogen bzw. adaptiert: Instituts- und Hörsaalgebäude I (Inbetriebnahme 1966), Mensagebäude (1967), Renovierung des Schlosses Auhof als Verwaltungsgebäude (1967), Institutsgebäude II (1969).
Einer Empfehlung der Österreichischen Rektorenkonferenz zufolge beschließt der Nationalrat 1965 die Erweiterung um eine Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (BGBl. Nr. 195/1965). Die zweite Fakultät erfordert einen weiteren finanziellen Kraftakt von Bund und Hochschulfonds. Die Errichtung zusätzlicher Bauten wird geplant (Linser/Perotti-Planungsstudie 1966): Physikgebäude (Inbetriebnahme 1971) und Chemie-Turm resp. TNF-Turm (Teilinbetriebnahme 1977; 1978).
1965 - 1975
Am 19. Oktober 1965 konstituieren sich die obersten Organe der Hochschule: das Professorenkollegium, das aus seiner Mitte Hochschulprofessor Ludwig Fröhler zum Rektor und Hochschulprofessor Rudolf Strasser zum Prorektor wählt.
Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wird durch das Bundesgesetz vom 15.7.1966 (BGBl. Nr. 180/1966) in Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftliche Fakultät umbenannt und das rechtswissenschaftliche Studium aufgrund einer Linzer Initiative eingerichtet.
Die Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird am 8. Oktober 1966 feierlich eröffnet. Nach einem Festzug vom Landhaus zum Rathaus übergeben die Hochschulfonds-Präsidenten Landeshauptmann Heinrich Gleißner und Bürgermeister Edmund Aigner vor Tausenden Menschen am Linzer Hauptplatz den Schlüssel der Hochschule an Rektor Ludwig Fröhler. Im Anschluss nimmt Bundespräsident Franz Jonas im Rahmen eines Festaktes im Hörsaal 1 die Eröffnung der Hochschule vor.
Die Aufnahme des Studienbetriebs an der Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftlichen Fakultät erfolgt am 10. Oktober 1966 mit den Studienrichtungen der Soziologie, der österreichweit einzigartigen Sozialwirtschaft, der Volkswirtschaft, der Betriebswirtschaft und der Rechtswissenschaften. 1968 folgt Sozial- und Wirtschaftsstatistik, 1970 Wirtschaftspädagogik.
Im Herbst 1968 konstituiert sich die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät und nimmt im Wintersemester 1969/70 den Lehr- und Forschungsbetrieb mit den Studienrichtungen Technische Mathematik, Lehramt für Mathematik-Physik und - erstmals in Österreich - mit Informatik sowie mit dem Kurzstudium Rechentechnik (ab Wintersemester 1979/80 Datentechnik) auf. Ein Jahr später beginnt das Studium der Technischen Physik.
Die Österreichische Hochschülerschaft startet ihre Aktivität am Campus als Außenstelle des Zentralausschusses (Wien), die 1967 von einem gewählten Fachschaftsausschuss abgelöst wird. Die 68er-Generation der Studierenden sorgt auch in Linz für so manche heftige Protestaktion. Der von ihnen und von AssistentInnen geforderten Demokratisierung begegnet die Hochschule 1969 mit der Einrichtung des Hochschulkonvents zur Diskussion von Mitbestimmungsfragen.
1975 - 1996
Am 1. Oktober 1975 tritt das Universitäts-Organisationsgesetz (UOG 1975) in Kraft. Aufgrund dessen konstituiert sich die Rechtswissenschaftliche Fakultät als dritte Fakultät. Der Akademische Senat beschließt die Benennung in "Johannes Kepler Universität Linz" (JKU Linz), nachdem die Namensgebung nach Johannes Kepler bereits 1971 vorgenommen worden ist.
Das UOG 1975 reformiert die Verwaltungsstrukturen und führt die Mitbestimmung von AssistentInnen, Studierenden und Verwaltungsbediensteten auf allen universitären Ebenen ein.
Mit der Teilinbetriebnahme des TNF-Turmes 1977 kann der Lehrbetrieb der Fachdisziplin Chemie begonnen werden: Im WS 1977/78 startet die Studienrichtung Lehramt Chemie und im WS 1979/80 das interfakultäre Studium Wirtschaftsingenieur-Technische Chemie (zunächst als Studienversuch).
Seit dem Studienjahr 1993/94 wird Technische Chemie angeboten.
Die bauliche Aufbauphase am Campus ist mit der Eröffnung des TNF-Turms am 22.11.1978 abgeschlossen. Ihr schließt sich nahtlos jene des weiteren Ausbaus der Universität an. Es entstehen in der Folge der TNF-Hörsaaltrakt (Inbetriebnahme 1979), das Bibliotheksgebäude (1984), Laborgebäude für Mikroelektronik (1985), "Management-Zentrum" (1991), "Kopfgebäude" (1991), Gebäude für Halbleiterphysik (1992) und das USI-Sportplatzgebäude (1995).
Die Zahl der Inskribierten wächst stetig und überschreitet im Wintersemester 1984/85 die 10.000-Marke. Die überwiegende Mehrheit der Studierenden nützt das Studienangebot der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, an der 56 % aller JKU-Studienabschlüsse erfolgen.
Nach erfolgreichem Studienversuch (1975-1985) wird Wirtschaftsinformatik mit dem Studienjahr 1985/86 ein bewährtes Regelstudium. Das Studium der Handelswissenschaft startet 1992/93.
Universitätslehrgänge werden seit Anfang der 1980er Jahre eingerichtet. Das Lehrgangsangebot expandiert beträchtlich insbesondere seit den 1990er Jahren an der SOWI-Fakultät.
Das 1987 gegründete Forschungsinstitut für Symbolisches Rechnen (RISC) bezieht 1989 das renovierte Schloss Hagenberg. Um das RISC siedeln sich in der Folge weitere Institute, eine Fachhochschule und Firmen an, die zusammen als "Softwarepark Hagenberg" ein zukunftsweisendes Technologiezentrum bilden.
Beginnend im Jahr 1990 wird mit maßgeblicher Unterstützung des Linzer Hochschulfonds die Fachdisziplin Mechatronik im Rahmen der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät etabliert und im Wintersemester 1990/91 das Studium der Mechatronik - zunächst als Studienversuch, seit WS 1995/96 als Regelstudium - eingeführt. Zehn Ordinariate und ein Extraordinariat formieren und entwickeln sich in enger Kooperation mit der VOEST-ALPINE und anderen Firmen.
Forcierung der Internationalisierungsbestrebungen seit Beginn der 1990er Jahre: Bestehende Kontakte zu ausländischen Universitäten werden auf Basis von Abkommen zu Partnerschaften ausgebaut (primär zwecks Studierenden- und Lehrendenaustausches). Ein Schwerpunkt sind zunächst nach dem Fall des "Eisernen Vorhanges" ostmitteleuropäische Universitäten. Eine Partnerschaft mit einer Hohen Schule je Land ist das globale Ziel. Die Bedeutung, die der Internationalisierung zugemessen wird, kommt in der Installation eines Vizerektors für Auslands- und Außenbeziehungen 1996 zum Ausdruck.
Das Wissenschaftsministerium richtet 1991 an der Universität Linz das Zentrum für Fernstudien ein, das Studierenden in Österreich den Zugang zur deutschen Fernuniversität Hagen ermöglicht. Das Zentrum, das nunmehr mit "Eurostudienzentren" (Bregenz, Steyr, Wien) und anderen Partnereinrichtungen Fernstudienangebote und -studierende betreut, ist seit 2001 zugleich auch Supportcenter zur Entwicklung flexibler Studien- und Weiterbildungsangebote auf Basis neuer Medien.
1992 wird das universitäre Linzer Zentrum für Supercomputing (LIZENS) - eine gemeinsame Initiative von Land Oberösterreich, Stadt Linz und Universität - eröffnet. Ressourcen von Hochleistungsrechner, ein Visualisierungslabor und Know-how werden für komplexe nummerische Simulationen den F&E-Abteilungen oberösterreichischer Industrieunternehmen angeboten sowie der universitären Forschung bereitgestellt.
Die vom Land Oberösterreich und Stadt Linz tatkräftig unterstützte Gründung des Instituts für Halbleiterphysik im Jahre 1990 bzw. die Inbetriebnahme des Halbleiterphysikgebäudes 1992 erweitern beträchtlich die bereits vorhandenen Ressourcen von Instituten, sodass ein österreichisches Zentrum der universitären Halbleiterforschung am Campus entsteht.
1996 - 2003
Die JKU Linz implementiert im Wintersemester 1996/97 als eine der ersten Universitäten das Universitäts-Organisationsgesetz 1993 (UOG 1993), das die universitäre Autonomie enorm erhöht. Die "neue Eigenständigkeit" erlaubt die rasche Intensivierung bestehender Kooperationen mit dem Land Oberösterreich (Technologie-Kooperation) sowie mit Wirtschaftsunternehmen und Forschungsförderungseinrichtungen - meist auf Ebene der nunmehr "teilrechtsfähigen" Institute. So entstehen der Spezialforschungsbereich "Numerical and Symbolic Scientific Computing" (1998), mehrere Kplus-Zentren (1999ff.), das Johann Radon Institut für Angewandte Mathematik (2003), weitere Christian-Doppler-Laboratorien u.a. als Projekte der Drittmittelforschung.
Der wachsende Raumbedarf erfordert Außenanmietungen und die Errichtung weiterer Gebäude, die den Campus "öffnen". 1997 geht das fremdfinanzierte "Bankengebäude" in Betrieb, das Verwaltungseinrichtungen und im Erdgeschoss Geschäfte beherbergt. 2003 wird das vom Linzer Hochschulfonds mitfinanzierte "Hochschulfondsgebäude" eröffnet, in dem sich u.a. Drittmittelinstitute und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen einmieten und dadurch in den Campus integriert werden.
In den Jahren 2000 bis 2002 treten nach einer tiefgreifenden Studienrechtsreform neue Studienpläne in Kraft. Die bisherigen Diplomstudien Statistik, Technische Mathematik sowie Informatik werden bereits in ein Bakkalaureats- und Magisterstudium geteilt; das integrative Studium Wirtschaftswissenschaften, das die vormaligen Studien der Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Handelswissenschaft zusammenführt, und das Lehramtsstudium für Informatik und Informatikmanagement werden neu eingeführt.
Nach Entwicklung des Leitbilds der JKU sowie der Leitbilder der drei Fakultäten (1996-1999) werden zwischen 2001 und 2003 die Fakultätsstrategien sowie die Gesamtstrategie der JKU für Forschung, Lehre und Weiterbildung ausgearbeitet, die - den Übergang zum UG 2002 vorwegnehmend - insbesondere zur weiteren Schärfung des Forschungsprofils die künftigen Exzellenz- und Aufbauschwerpunkte definieren.
Die JKU ist bei Innovationen in der Administration oft Vorreiter. Der erste Studierendenausweis als Chipkarte, die KeplerCard, wird gemeinsam mit Firmen entwickelt und im Wintersemester 1998/99 erstmals eingesetzt. Auf Basis von OpenSource-Software wird die eLearning-Plattform KUSSS (Kepler University Study Support System), eine umfassende elektronische Lehr- und Lernplattform, programmiert und 2003 in Betrieb genommen. Zu Studienbeginn im Oktober 2003 eröffnet die JKU den ersten "Wireless Campus" in Österreich, der den drahtlosen Zugang zum Universitätsnetzwerk ermöglicht.
Die Rechtswissenschaftliche Fakultät setzt - neben dem Multimedia-Jusstudium - mit dem Bereich Umweltrecht sowie der Internationalisierung von Forschung und Lehre neue Akzente. Das Faktum der EU-Mitgliedschaft Österreichs findet in zusätzlichen postgradualen Angeboten wie den Universitätslehrgängen für Europarecht (Start Sommersemester 1996) seinen Niederschlag.
Das auf E-Learning basierende Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften kann nach einer vierjährigen Versuchs- und Aufbauphase seit dem Studienjahr 2002/03 - europaweit erstmals - studiert werden. Die hohe Akzeptanz dieser Studienform erhöht die Belegung des rechtswissenschaftlichen Studiums sprunghaft.
Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät greift Anregungen aus der Praxis auf und gründet 1999 das Zentrum für Soziale Kompetenz sowie im Jahre 2000 das Zentrum für Kulturelles Verstehen und Interkulturelle Kommunikation. Beide interdisziplinären Einrichtungen werden zum Zentrum für Soziale und Interkulturelle Kompetenz fusioniert, das Trainings und Forschungsförderung anbietet. Zu Jahresbeginn 2004 wird das Zentrum in eine gesamtuniversitäre Organisationseinheit umgewandelt.
Die gesellschaftspolitischen Schwerpunkte der JKU werden auf "Frauenförderung und Gender Studies" sowie "Integration / Förderung beeinträchtigter Personen" gelegt, wofür Einrichtungen geschaffen oder ausgebaut werden. Aus der 1993 gegründeten Interuniversitären Koordinationsstelle für Frauenforschung entstehen 2000/01 das interfakultäre Institut für Frauen- und Geschlechterforschung sowie die Stabsstelle für Frauenförderung. Im Jahre 2000 wird gemeinsam mit der TU Wien das Interuniversitäre Institut für Informationssysteme zur Unterstützung sehgeschädigter Studierender gegründet, das ursprünglich auf den 1991 gestarteten Modellversuch "Informatik für Blinde" der JKU zurückgeht. Das Institut erhält in der Folge die Bezeichnung Institut "Integriert Studieren".
2002 startet mit der Erstellung des Masterplans die langfristig und in Etappen angelegte Realisierung des JKU Science Park, der die dislozierten Institute der Mechatronik u.a. aufnehmen und den baulich wesentlich erweiterten Campus für enge Kooperationen mit außeruniversitärer Forschung und Entwicklung in Mechatronik, Informationselektronik und Bio-Wissenschaften öffnen wird. Aus dem internationalen Architektenwettbewerb 2005 geht das Team "caramel architekten" mit seinem Entwurf als Sieger hervor. Nach Abschluss der Detailplanung folgt am 11.5.2007 der Spatenstich zum Bau des ersten von fünf Gebäuden (Mechatronik).
2004 - 2007
Am 1.1.2004 wird die Universität gemäß Universitätsgesetz 2002 (UG 2002) aus der Bundesverwaltung ausgegliedert und in die Rechtsform einer juristischen Person öffentlichen Rechts gebracht. Dadurch entsteht ein großer autonomer Gestaltungsspielraum, die Mitbestimmung wird allerdings legistisch reduziert.
Die Reorganisation der JKU Linz konzentriert und zentralisiert Leitung (mit neuem Aufsichtsorgan "Universitätsrat") sowie Verwaltung. Eine Studienadministration wird für alle Belange der Lehre installiert. Die Institute werden als "Basiseinheiten" der Forschung und Lehre beibehalten. Es kommt zu weiteren Ausdifferenzierungen der Institutsstruktur der fortbestehenden, aber nur mehr mit Koordinierungsfunktion ausgestatteten Fakultäten.
Erstmals werden interuniversitäre Studien entwickelt und angeboten: Molekulare Biologie gemeinsam mit der Universität Salzburg (seit dem Studienjahr 2004/05); das Double Degree-Programm "Master of Science in Industrial Mathematics" mit der TU Eindhoven und TU Kaiserslautern (seit 2005/06); das Bachelorstudium "Biologische Chemie" mit der Universität Budweis, weiters das Masterstudium "Pervasive Computing" mit der Universität Passau (beide seit 2007/08).
Beginnend mit 2005 erfolgt die sukzessive Umstellung bzw. Neukonzeption der Studien nach der Bologna-Architektur (Bachelor/Master). 2006 werden das Bachelorstudium "Wirtschaftsrecht" und das Masterstudium "Bioinformatik" neu eingerichtet.
2006 startet ein Doktoratskolleg für Molekulare Bioanalytik und 2007 ein Doktoratskolleg für Computational Mathematics sowie die gemeinsam mit den Fachhochschulen Oberösterreich in Hagenberg errichtete International School for Informatics (ISI) für ausländische Studierende.
2004 erfolgt die Eröffnung des Virtual Reality Center, einer der modernsten Forschungsstätten im Bereich Virtual Reality und Visualisierung.
Unter JKU-Leitung wird mit dem vom Wissenschaftsministerium finanzierten Austrian Grid eines der größten und leistungsstärksten Grid-Computing-Systeme Europas 2005 in Betrieb genommen.
Zwischen 2005 und 2007 entstehen weitere vier Christian Doppler Laboratorien.
Bei der Neuvergabe von Kompetenzzentren des COMET-Förderungprogrammes 2007 erhält das Austrian Center of Competences in Mechatronics den Zuschlag als K2-Zentrum. Drei Kompetenzzentren, an denen JKU-Institute beteiligt gewesen sind, werden als K1-Zentren verlängert.
Eine Abteilung des Volkswirtschaftslehre-Instituts wird 2007 österreichischer Beteiligungspartner des EU-Großforschungsprojekts SHARE "Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe".
Die im Jahre 1989 von Linzer Industrieunternehmen, Interessenvertretungen, Land OÖ., Stadt Linz und unter maßgeblicher Beteiligung von Professoren der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gegründete Linzer Internationale Management Akademie - LIMAK wird 2005 zur "Johannes Kepler University Business School". Sitz der mittlerweile zu internationalem Ansehen gelangten "Managerschmiede" ist seit 1998 das Bergschlössl in Linz.
Der 2006 beschlossene "Entwicklungsplan der JKU 2006-2012" sieht in der Forschung die folgenden auszubauenden Exzellenzschwerpunkte vor:
Sozial- und Wirtschaftswissenschaften: Management, Märkte und Wirtschaftspolitik, Dynamik und Gestaltung sozialer Systeme sowie Messen-Bewerten-Evaluieren
Rechtswissenschaften: Unternehmensrecht
Technische und Naturwissenschaften: Mechatronik, Computational Science and Engineering, Nanoscience and -technology, Pervasive Computing sowie Chemical Design and Process Development
Fakultätsübergreifend: Informations- und Kommunikationssysteme
Als Aufbauschwerpunkte sind festgelegt:
Rechtswissenschaften: Steuerrecht, Umwelt- und Technikrecht, Wirtschaftsrecht sowie Recht der Daseinsvorsorge und der sozialen Sicherheit
Technische und Naturwissenschaften: Biosystemanalyse sowie Informationselektronik
Fakultätsübergreifend: Gender Studies sowie Interkulturelle und Soziale Kompetenz
2006 wird der Grundstein für die Neuausrichtung des Fachbereiches Chemie auf die Polymerchemie gelegt, die im Zuge der Standortverlagerung der österreichischen Forschungszentrale des Kunststoffproduzenten Borealis nach Linz erfolgt. Zu den drei bestehenden Instituten wird ein neu gegründetes viertes hinzugefügt. Die JKU vereinbart ein Jahr später gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben eine langfristige Forschungskooperation in Polymerchemie mit dem Petroleum Institute in Abu Dhabi. Die Entwicklung von Kunststofftechnik-Studien an der JKU wird in der Folge in Angriff genommen.
F.d.I.v.: JKUarchiv

