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Die JKU trauert um Prof. Heinz Zemanek

Heinz Zemanek vor "Mailüfterl"
Prof. Heinz Zemanek, Ehrendoktor der JKU, ist am 16. Juli im Alter von 94 Jahren verstorben. Zemanek gilt als einer der Vorreiter der Computerwissenschaften und erlangte mit seiner Arbeit in einem eigens für sein Team geschaffenen IBM-Laboratorium in Wien Weltruhm.

Heinz Zemanek war ab 1964 außerordentlicher und ab 1983 ordentlicher Professor an der Technischen Universität (TU) Wien. Seit 1985 war er in Pension. Im Laufe seiner Karriere erhielt Zemanek zahlreiche Auszeichnungen und bekleidete hohe Positionen. So war er unter anderem Präsident der „International Federation for Information Processing“ (IFIP), die seit einigen Jahren ihren Sitz in Laxenburg bei Wien hat und ihn 1998 mit ihrem Isaac L. Auerbach-Preis auszeichnete.

Er war zudem Gründungspräsident der Österreichischen Computergesellschaft, die seit 1985 den „Heinz-Zemanek-Preis“ vergibt, weiters Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des „Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich“. 2003 wurde er für sein wissenschaftliches Lebenswerk mit dem Kardinal-Innitzer-Preis ausgezeichnet. Erst im vergangenen Jahr wurde Zemanek von Google im Rahmen des „Computer Heritage Program“ als einer der Pioniere der frühen Computerwissenschaften geehrt.

1950 begann der gebürtige Wiener als Assistent an der Technischen Hochschule mit dem Bau seines ersten Rechners. Dem Techniker wurde schnell klar, dass die damals dominierenden Röhren zur Konstruktion von „Rechenautomaten“ nicht geeignet waren. 1954 nahm er deshalb mit einem Team von Studenten die Entwicklung eines vollständig transistorisierten Computers in Angriff.

Von 1956 bis 1958 bauten die Techniker das „Mailüfterl“, aus dem einer der ersten volltransistorisierten Computer der Welt und der erste auf dem europäischen Festland werden sollte. Jeder einzelne der rund 3.000 Transistoren und die 5.000 Dioden wurden auf 1.500 etwa 15 mal zehn Zentimeter große Platten aufgelötet. Der Rechner hatte äußerlich nicht viel mit heutigen Computern gemein: Ohne Bildschirm und Tastatur erfolgte die Ein- und Ausgabe über Lochstreifen, die Ausmaße waren mit mehreren Metern Länge und Höhe beträchtlich. Nach der Konstruktion der Hardware erfolgte von 1958 bis 1961 die Programmierung, am 27. Mai 1958 bestimmte das „Mailüfterl“ in 66 Minuten die Primzahl 5.073.548.261. Heute ist das „Mailüfterl“ noch im Technischen Museum Wien zu bewundern.

1961, Zemanek war inzwischen habilitiert, übersiedelte die gesamte Gruppe um den Computerpionier zu IBM. Der Konzern hatte angeboten, für das Team ein Laboratorium in Wien aufzubauen. Auch das „Mailüfterl“ wurde dem Staat von IBM abgekauft und dem Labor, dem Zemanek bis 1976 vorstand, zur Verfügung gestellt. Der Techniker war einer der ersten, der die Bedeutung der Software für die Computertechnologie erkannte.

Die Forschergruppe konzentrierte sich daher bald auf Programmiersprachen und entwickelte die „Vienna Definition Language“, die damals größte Programmiersprache, sowie in weiterer Folge die „Vienna Definition Method“ und erlangte damit Weltruf. 1976 wurde Zemanek zum IBM-Fellow ernannt, eine Auszeichnung, die nur wenigen EuropäerInnen zuteil wurde. Vollständig frei in seiner Aufgabenwahl konzentrierte sich der Wiener auf die Theorie des Systementwurfs und nannte sie „Abstrakte Architektur".

Foto: APA, Harald Schneider

[APA/awö]