Seitenbereiche:



Menü des aktuellen Bereichs:

Zusatzinformationen:

JKU-Fangemeinde auf Facebook

Werde JKU-Fan auf Facebook!

Werde JKU-Fan auf Facebook! ...  mehr zu JKU-Fangemeinde auf Facebook (Titel)

Social Media


Positionsanzeige:

Inhalt:

Berufsbildung: JKU-Studie weist erstmals Einfluss der Motivation auf Lernerfolg nach

Helm
Beim Thema Schule stehen meist strukturelle Reformen im Vordergrund. Einen anderen Ansatz hat Dr. Christoph Helm vom Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz gewählt: Er hat die Wechselwirkung von Lehrerverhalten, Motivation und Lernerfolg untersucht. Seine Arbeit „Reziproke Effekte zwischen wahrgenommenem Lehrerverhalten, intrinsischer Lernmotivation und Schülerleistungen im Fach Rechnungswesen" erklärt das Lernen allgemein und wurde nun mit dem Österreichischen Wissenschaftspreis für Berufsbildungsforschung 2014 ausgezeichnet.

Helm hat dabei ein Modell untersucht, das aus den USA stammt. „Dass gute Lehrerinnen und Lehrer die Motivation der Schülerinnen und Schüler steigern, ist bekannt. Das ,Motivation Mediation Model‘ geht aber einen Schritt weiter“, erklärt Helm von der Abteilung für Pädagogik und Pädagogische Psychologie (Leiter: Prof. Herbert Altrichter). Das Modell untersucht auch die konkreten Auswirkungen auf den Lernerfolg. „Im berufsbildenden Bereich gab es dazu im deutschsprachigen Raum bislang keine Untersuchung“, so Helm.
358 Schülerinnen und Schüler aus 14 Klassen der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen wurden – jeweils am Ende der 9. und der 10. Schulstufe – einem Assessment unterzogen. Teilgenommen haben Schulen aus Oberösterreich, Vorarlberg, Wien und der Steiermark – und lieferten signifikante Ergebnisse. „Ich konnte erstmals für diesen Bereich nachweisen, dass wertschätzendes Lehrerverhalten nicht nur die Motivation bzw. das Interesse steigert, sondern sich tatsächlich auch positiv auf den Lernerfolg auswirkt.“ Das klingt zwar logisch, diese Wirkungskette musste aber erst wissenschaftlich bewiesen werden.

Motivation durch Kompetenz
Helm hat zwar konkret das Lernverhalten im Fach Rechnungswesen untersucht, umlegen lässt sich das Ergebnis aber auch auf den allgemeinbildenden Bereich. „Wer in einer wertschätzenden Umgebung die Möglichkeit zum selbstbestimmten Lernen hat, empfindet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit als kompetent und motiviert. Dies führt zu fachlicher Kompetenz. Kompetenz schafft Motivation und Motivation wiederum Kompetenz“, fasst Helm zusammen.
Die Untersuchung hat noch einen weiteren sehr zentralen Hinweis ergeben. „Es hat sich gezeigt, dass sich das Lehrerverhalten ändert – je nachdem, wie die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler erlebt. Es motiviert also nicht nur die Lehrperson die Lernenden, sondern auch die Schülerinnen und Schüler die Lehrperson.“

Menschlicher Faktor
Und was schließt Dr. Helm aus diesen Ergebnissen? „Man darf bei allen Debatten um Gesamtschule, Zentralmatura und ähnliches den menschlichen Faktor nicht vergessen. Die Studie zeigt, dass Spaß an der Sache rund 40% des Lernerfolgs ausmacht – und diese Motivation müssen wir fördern.“
Die Bedeutung von Dr. Helms Forschung wurde bereits offiziell anerkannt: Anfang Dezember wurde er für diese Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Frauen mit dem Österreichischen Wissenschaftspreis 2014 ausgezeichnet.

Foto v.l.:v.l.: Dr. Christoph Helm, Sektionschef DI Dr. Christian Dorninger vom BMBF. Credit: ARQA-VET

[Christian Savoy]