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Evaluation der Neuen Mittelschule

Bacher
Die Schule für die 10- bis 14-Jährigen ist eines der zentralen Themen der bildungspolitischen Diskussion. Die 2008 eingeführte „Neue Mittelschule“ (nachfolgend NMS genannt) sollte durch einige strukturelle Veränderungen ein vor allem auf Individualisierung des Lernens gerichtetes pädagogisches und didaktisches Konzept darestellen. Begleitend war eine begleitende Evaluation vorgesehen, an der die Johannes Kepler Universität (JKU) Linz (Leitung: Prof. Herbert Altrichter, Prof. Johann Bacher) maßgeblich beteiligt. Das Ergebnis liegt nun vor.

Die Ergebnisse lassen sich in ihrer Gesamtstruktur wie folgt resümieren:

Es gibt – im Vergleich zur Hauptschule – eine Reihe bedeutsamer Effekte im Bereich der pädagogischen Prozesse und des Schullebens insgesamt, die in die vom NMS-Konzept angestrebte Richtung weisen: Verbesserungen in der Gestaltung des Unterrichts, Rückgang an Gewalt in der Schule, Rückgang normabweichenden Verhaltens in Verbindung mit zumindest geringen Zunahmen im Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und ihrem Engagement für die Schule.

Diese veränderte und verbesserte Schul- und Lernumwelt wirkt sich jedoch nicht durchgehend und nicht konsistent in verbesserten Leistungen bzw. Zuwächsen im fachlichen und im überfachlichen Bereich aus. Insgesamt gibt es keine belastbaren Hinweise, dass das Niveau der NMS im Durchschnitt über jenem vergleichbarer Hauptschulen liegt. Vielmehr bestehen Zweifel, ob dieses an allen Standorten tatsächlich erreicht wird. Wohl aber zeigen sich in der ersten Generation der NMS bzw. in den „Modellklassen“, in denen
das NMS-Konzept intensiver umgesetzt wurde, auch interpretierbare Leistungsverbesserungen.

Erwartete Begleitfolgen der NMS hinsichtlich Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit treten nur teilweise ein: Die Wirkung der bekannten Ungleichheitsfaktoren – Geschlecht, familiäre Herkunft, unterschiedliches Leistungspotenzial der Schülerinnen und Schüler – unterscheidet sich nicht substanziell von jener in der Hauptschule. Für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund könnte es hingegen ein kleiner Vorteil sein, eine NMS zu besuchen.

Empfehlungen für die Zukunft
Umstellungen im Schulsystem sind als kumulative Lernprozesse zu verstehen, die sich erst nach einer längeren Phase der Ansammlung von Erfahrungen in nachhaltig verbesserten Ergebnissen auswirken. Der wichtigste Grund dafür ist, dass Entwicklungsprozesse Zeit brauchen, bis sich die beteiligten Akteurinnen und Akteure auf die neuen Anforderungen umgestellt haben und auch die erforderliche pädagogische und organisatorische Infrastruktur entstanden ist, die die produktive Nutzung der neuen Möglichkeiten fördert. Unabhängig davon führen Umstellungen oft zu Anfangserfolgen, die einem „Pionier“-Effekt zugeschrieben werden können. Allerdings erweist es sich oft als schwierig, diese positiven Effekte aufrecht zu erhalten und auf eine größere Gruppe zu übertragen.

Die ExpertInnen raten daher zur evidenzbasierten Implementierung didaktischer Konzepte, Unterstützung der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, Konzentration von Maßnahmen auf Risikogruppen und Förderbedarfsgruppen, Fokussierung des Ressourceneinsatzes und anderen Maßnahmen.

Die Evaluierung wurde von der JKU in Kooperation mit der Universität Salzburg und der Pädagogischen Hochschule OÖ durchgeführt.

 

Evaluation der Neuen Mittelschule (542KB)

[Christian Savoy]