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Forschungsfilm „Maybe Palermo“ präsentiert: Kann ein Krebsmittel „Hallo Taxi“ rufen?

Forschungsfilm „Maybe Palermo“ präsentiert: Kann ein Krebsmittel „Hallo Taxi“ rufen?
Kann eine Taxifahrt lehrreich sein? Kann sie. Zumindest für den Taxifahrer, wenn sein Fahrgast Dr. Ian Taesdale (Institut für Chemie der Polymere; Vorstand: Prof. Oliver Brüggemann) von der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz ist und die Fahrt im Film „Polyphosphazene“ stattfindet – einem Pilotprojekt des Wissenstransferzentrums West (WTZ West). Die Präsentation des Kurzfilms „Maybe Palermo“ fand mit zahlreichen Gästen am 13. August im Moviemento Linz statt.

8 Universitäten und Forschungszentren aus Westösterreich, darunter die JKU und die Kunstuniversität Linz, haben sich zusammengetan, um komplexe Forschungsthemen leicht verständlich der Öffentlichkeit zu vermitteln. Gezeigt werden sollen die Vielfalt und die Bedeutung der Forschung für das Leben der Menschen – und da hat Westösterreich viel zu bieten. Den Auftakt macht ein kurzer Film über die „Polyphosphazene“, ein Forschungsdurchbruch, der bereits zum Patent angemeldet wurde.

Kunststoffe in allen Bereichen des Lebens
Am Institut für Chemie der Polymere (ICP) der JKU werden innovative Polymere (chemische Stoffe) für verschiedene Anwendungen entwickelt, die auch in unserem täglichen Leben eine Rolle spielen können. So werden z.B. in Kooperation mit der Industrie Polymere für den Einsatz in der Lebensmittelkontrolle oder als Bestandteil von Hautpflegemitteln hergestellt. Ein besonders wichtiges Einsatzgebiet der Polymere ist aber die Medizin. An der JKU werden bioabbaubare Polyphosphazene erzeugt, auf denen man in Zukunft Haut und Knochen nachwachsen lassen kann. Die so erzeugten Gewebe können später PatientInnen eingepflanzt werden.

Punktgenaue Tumorbekämpfung

Alternativ können die Polyphosphazene auch so konzipiert sein, dass sie als Taxi für den Transport von Medikamenten in der Krebstherapie fungieren. Grundsätzlich haben die JKU-Polymere hier zwei wesentliche Vorteile. Erstens wird der Wirkstoff gezielt zum Tumor transportiert und entfaltet vorwiegend dort seine Wirkung, was die Chemotherapie für die PatientInnen schonender macht. Und zweitens löst sich das Polymer nach getaner Arbeit, d.h. nach der Taxifahrt und dem Absetzen des Fahrgastes, in harmlose Bestandteile auf, die vom Körper wieder ausgeschieden werden können“, erklärt Prof. Brüggemann.

Künstlerischer Wissenstransfer
In enger Kooperation zwischen JKU, der Kunstuniversität Linz und die jungen FilmkünstlerInnen von Las Gafas (Christian Dietl und Luzi Katamay, zwei AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz) wurde ein gemeinsames Konzept zur Durchführung des Videos erarbeitet. Um den komplexen, chemischen und medizinischen Vorgang auch Laien verständlich zu machen, wurde sich im erarbeiteten Erklärfilm eines narrativen Settings bedient. Der gesamte Wirkungsprozess wird somit als Taxifahrt dargestellt, da komplexe Prozesse umso verständlicher werden, wenn diese mit ähnlichen Vorgängen aus anderen Lebensbereichen vergleichbar sind.

Kooperationsprojekt
„Hervorzuheben bei diesem Vorhaben ist die Rolle der künstlerischen Beteiligung im Sinne einer gleichberechtigten und interdisziplinären Zusammenarbeit: Denn es galt, die künstlerische Verarbeitung nicht auf eine bloße ,Behübschung‘ zu reduzieren und mit einem umfassenden Grundverständnis von Design zu arbeiten“, so Andre Zogholy von der Kunstuniversität Linz. Durch die Chance einer Kooperation, die mit Innovationsprozessen an sich beginnt, erfolgte eine enge Koppelung von Wissenschaft und Kunst. Dadurch ist hier eine internationale Vorreiterrolle im Bereich Wissenschaftsvermittlung festzumachen.
Für Regisseurin Luzi Katamay (LAS GAFAS) war der Film eine besondere Herausforderung: „Die Arbeit an ,Maybe Palermo‘ war so eine Art Kinderstreich mit Reagenzglas. Ein paar ExpertInnen aus komplett verschiedenen Welten schütten auf gut Glück all ihre Fähigkeiten zusammen und rühren kräftig um. Kaboom - Experiment geglückt! SO hat man Wissenschaft und Forschung mit Sicherheit noch nicht erklärt bekommen!“
Die Bedeutung des Projekts betonen auch Edeltraud Stiftinger und Bernhard Sagmeister, GeschäftsführerInnen des Austria Wirtschaftsservice (aws): „Als aws sind wir froh, im Rahmen des Programms ,Wissenstransferzentren und IPR Verwertung‘ solch ambitionierte Projekte fördern zu können. Die Einbindung der Geistes- Sozial- und Kulturwissenschaften und Kunst sind auch ein Schwerpunkt des Förderplans. Denn Wissenstransfer bedeutet nicht nur die Verwertung von Patenten, sondern geht wie in diesem Fall auch darüber hinaus. Dieses Projekt zeigt bestens, wie man den Wissenstransfer in Kooperationsprojekte erfolgreich bündelt“.

WTZ West vermittelt Wissen
In Oberösterreich, Tirol und Salzburg gibt es viele spannende und wichtige Forschungsansätze. „Nicht nur die Entwicklung neuer Technologien, sondern auch die Vermittlung komplexer Forschungsthemen mit einfachen Worten und auf allgemein verständliche Weise ist eine Kunst für sich. Was liegt daher näher, als gemeinsam mit der Kunstuniversität genau das zu versuchen? Ich freue mich, dass die wichtige und erfolgreiche Forschungsarbeit des JKU-Instituts für die Chemie der Polymere durch dieses gemeinsame Projekt der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden kann", freut sich JKU-Vizerektorin Barbara Romauer über die Initiative.

„Die Beteiligungen und Kooperationen im WissensTransferZentrum spielen für die Kunstuniversität eine große Rolle, denn die Zusammenarbeit von Kunst, Forschung und Wirtschaft nimmt einen immer höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Genau aus diesem Grund ist es auch von so großer Bedeutung, Entwicklungen der Forschung verständlich aufzubereiten und gleichzeitig gemeinsam neue Wege in der Wissensvermittlung zu betreten. Das wurde durch die filmische Umsetzung des an der JKU entwickelten Patents hervorragend gemeistert“, meint Kunstuniversitäts-Rektor Prof. Reinhard Kannonier.

Auch der Linzer Bürgermeister Klaus Luger freut sich über das Projekt: „Die Vermittlung sowie Darstellung komplexer Themen für BürgerInnen, PatientInnen oder KundInnen stellt Forscherinnen und Forscher oftmals vor Herausforderungen. Vor allem, wenn es medizinische Fragestellungen betrifft, ist es von großer Bedeutung, dass die Sachverhalte verständlich kommuniziert werden. Medizin und ihre Fortschritte betreffen das Leben der Menschen und unser alltägliches Dasein. Dieser Film ist ein sehr gelungenes Beispiel dafür, komplexe Forschungsthemen der Öffentlichkeit leicht verständlich zu vermitteln. Ich gratuliere dem Team für diese hervorragende Leistung und wünsche noch weitere erfolgreiche Kooperationen in diesem Bereich.“

Im Film-Taxi trifft also ein Laie auf einen Fachmann – und erhält einfach verständlich Einblicke in den Stand der medizinischen High-Tech-Forschung. Am Ende ist nicht nur der Taxifahrer bestens über Polyphosphazene informiert, sondern auch der Professor am Ziel – ebenso wie die Krebsmittel, die dank seiner Forschung punktgenau zu ihrem Einsatzbereich befördert werden. Und das WTZ West bereit, die Öffentlichkeit über den nächsten spannenden Forschungserfolg zu informieren.


Mehr Infos:

WTZ West: http://wtz-west.at/
Institut Chemie der Polymere der JKU: http://www.jku.at/icp/content
Kunstuniversität Linz: http://www.ufg.at

Maybe Palermo auf Youtube:
https://www.youtube.com/channel/UC5pbtRZHi0wd99scpH_zQyA

[Christian Savoy]