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Internationaler Vergleich über den Umgang mit Drogensucht in Buchform erschienen

Internationaler Vergleich über den Umgang mit Drogensucht in Buchform erschienen
Die Drogenpolitik der letzten Jahrzehnte ist derzeit weltweit auf dem Prüfstand. Ein einseitiges Konzept des Umgangs mit Suchtmitteln im Sinne des sogenannten „war on drugs“ - also einer umfassenden Kriminalisierung und Reaktion vorwiegend mit strafrechtlichen Mitteln - wird immer stärker hinterfragt. Ein neues Buch, herausgegeben von den JKU-Juristen Prof. Richard Soyer und Asses.iur. Stefan Schumann, präsentiert die Ergebnisse einer Vergleichsstudie zu diesem Thema.

Dabei wird festgestellt, dass dem Krankheitscharakter einer Sucht und daraus folgend suchtinduzierter Kriminalität nur mit medizinischen, nicht aber primär mit dem Mittel der Strafe Rechnung getragen werden kann. Manche Staaten gehen sogar einen Schritt weiter und etablieren einen geregelten, aber kontrollierten Markt für Cannabis als sogenannte weiche Drogen.

Die vorliegende Publikation macht die Ergebnisse einer internationalen und interdisziplinären Vergleichsstudie zum Umgang mit illegalen Suchtmitteln, Suchtmitteldelinquenz und substanzabhängigen Straftätern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Vergleich von Österreich, Polen und Spanien
Ihr Fokus liegt auf dem Vergleich strafender versus behandlungsorientierter Reaktion auf Suchtmitteldelinquenz. Dazu wurde nicht nur die Rechtslage in drei ausgewählten Staaten - Österreich, Polen und Spanien - analysiert. Vielmehr wurden durch quantitative und qualitative empirische Erhebungen die Anwendungspraxis und die Einstellungen der beteiligten Berufsträger - Strafverfolger und Justiz, Rechtsanwälte, Mediziner und Therapeuten - erhoben. Während Spanien einen permissiven, behandlungsorientierten Ansatz verfolgt und beim Konsumenten wegen der Anreizwirkung für Dritte allein den Konsum in der Öffentlichkeit mit Verwaltungsstrafe bedroht, verfolgen Österreich und Polen einen restriktiveren Ansatz. Allerdings unterscheiden sich die beiden letztgenannten Staaten bei ähnlicher Gesetzeslage in der Rechtspraxis massiv. Während Österreich umfangreiche Möglichkeiten zur Abkehr von der Strafverfolgung zugunsten notwendiger Behandlungsmaßnahmen nutzt, kommen diese in Polen bislang kaum zur Anwendung.

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse über die Voraussetzungen einer erfolgreichen Umsetzung des Grundsatzes „Therapie statt Strafe“ in der Praxis. So zeigt sie auf, dass die Verbesserung des wechselseitiges Verständnis und der Kooperation der unterschiedlichen Berufsgruppen für eine erfolgreiche gelebte Praxis des Grundsatzes von Therapie statt Strafe notwendig ist. Im Ländervergleich wird deutlich, dass eine funktionierende Anwendung des Grundsatzes nicht nur für Therapeuten, sondern auch aus Sicht der Justizbehörden überzeugend ist.

Die Publikation richtet sich daher an nationale und internationale politische Entscheidungsträger ebenso wie an Mediziner, Therapeuten, Polizisten, Staatsanwälte und Richter, die in ihrer täglichen Arbeit mit substanzabhängigen Straftätern konfrontiert sind. Zugleich ist die Studie auch für Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit von Interesse.

RA Univ.Prof. Dr. Richard Soyer als Projektleiter und Univ.Ass. Dr. Stefan Schumann als wissenschaftlicher Projektkoordinator haben diese Studie in Kooperation mit KollegInnen der Medizinischen Universität Wien, der Jagellionen Universität Krakow sowie der Fundaćion IMIM, Barcelona, und mit finanzieller Unterstützung der Open Society Foundations, Zug (CH), durchgeführt.

Infos zum Institut für Strafrechtswissenschaften der JKU: http://www.jku.at/strafrecht/content/e114482

Fotos: Titelcover / v.l. Soyer, Schumann

 

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