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"Arbeitsmarkt-Integration von Flüchtlingen: Erstmalige JKU-Studie zeigt Bereitschaft bei Unternehmen, Flüchtlinge einzustellen"


Job-Integration, das ist die wahrscheinlich wichtigste Integration von Flüchtlingen in Oberösterreich: Erstmals wurde nun abgefragt, ob die Unternehmen bereit dazu sind. Eine Befragung von oö. Unternehmen der Branchen Bau, Einzelhandel und Gastronomie durch ein JKU-Forschungspraktikum unter der Leitung von Prof. Dr. Torben Krings zeigt ein erfreuliches Ergebnis: Zwei Drittel aller Befragten zeigen eine grundsätzliche Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen. Jene Betriebe, die schon Erfahrungen mit Flüchtlingen haben, geben zu 60 Prozent an, in den nächsten 12 Monaten weitere Asylberechtigte zu beschäftigen.
Klar kommuniziert wurden im Zuge der Befragung allerdings auch Hürden und Forderungen, etwa mangelnde Deutschkenntnisse und raschere Asylverfahren.

LR Rudi Anschober: „Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen meinen Weg: Oö. Unternehmen brauchen Arbeitskräfte, z.B. werden allein bis 2020 rund 20.000 Facharbeiter/innen in OÖ fehlen, und sehen eine Arbeitsmarktintegration daher grundsätzlich positiv. Was es natürlich braucht, sind die passenden Begleitmaßnahmen, um einen Einstieg möglichst rasch und für alle gewinnbringend zu gestalten. Aufbauend auf diesem Befragungsergebnis und anderer Erhebungen habe ich in der Landesregierung ein 10-Punkte-Programm vorgelegt, um die Job-Integration zu ermöglichen.“

JKU-Studie zeigt positive Tendenz bei Unternehmen, Flüchtlinge einzustellen

Das Thema Flüchtlinge beherrscht seit Monaten die öffentliche Diskussion. Ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Integration ist die Frage nach der Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Forscher und Studierende der Johannes Kepler Universität haben sich dieser Frage gewidmet.

Das Forschungspraktikum des Instituts für Soziologie (Leitung: Univ.-Prof.in Susanne Pernicka) hat die betriebliche Integration von Flüchtlingen in den Branchen Bau, Einzelhandel und Gastronomie in Oberösterreich untersucht. Unter Leitung von Assoz.Univ.-Prof. Dr. Torben Krings wurden dazu knapp 1.000 Fragebögen verschickt. Die 218 Rücksendungen (22%) wurden wissenschaftlich ausgewertet. Die Ergebnisse wurden nun präsentiert.

Hohe Aufnahmebereitschaft
So zeigten sich zwei Drittel der Betriebe grundsätzlich bereit, Flüchtlinge einzustellen. 26%, also mehr als ein Viertel, halten es sogar für wahrscheinlich, in den nächsten 12 Monaten Flüchtlinge einzustellen. Bei Betrieben, die schon Flüchtlinge eingestellt haben, ist dieser Anteil mit 60% mehr als doppelt so hoch. Dies unterstreicht, dass die bisherige Erfahrung mit Flüchtlingen in Unternehmen weitgehend positiv war.

77% der befragten Unternehmen können sich vorstellen, Flüchtlinge als Hilfskräfte einzustellen. Allerdings zeigte sich auch durchaus die Bereitschaft, längerfristig in die Ausbildung von Flüchtlingen zu investieren: 75% der Betriebe gaben an, sich vorstellen zu können, vor allem junge Flüchtlinge als Lehrlinge einzustellen.

Allerdings bestehen auch Barrieren. Dabei sind fehlende Deutschkenntnisse die größte Hürde (97%), gefolgt von fehlenden Qualifikationen (75%). Aber auch der Staat ist gefordert: Für 74% der Unternehmen ist ein ungeklärter Aufenthaltsstatus ein Hindernis; knapp 70% bemängelten ein Zuviel an Bürokratie im Asylverfahren.

„Die Ergebnisse der Studie sind nicht als repräsentativ für die gesamte oberösterreichische Unternehmenslandschaft zu betrachten, sie zeigen aber eine klare Tendenz an“, so Dr. Krings. „Es zeigt, dass zumindest bei einem wesentlichen Teil der Unternehmen die Bereitschaft besteht, Flüchtlinge einzustellen. Die erwähnten Hindernisse können auch als ein Auftrag an die Politik interpretiert werden, verstärkt in Sprachkurse und berufliche Qualifizierung zu investieren.“

Dies würde durchaus auch den Forderungen der Unternehmen entsprechen: 90% der befragten Betriebe schlagen Sprachkurse für Flüchtlinge vor, um die Arbeitsmarktintegration zu verbessern, 82% wünschen sich finanzielle Anreize, um Flüchtlinge aufzunehmen und 76% fordern einen erleichterten Arbeitsmarktzugang.
Letztendlich geht es um soziale Investitionen in die Zukunft, so Krings: „Eine Tätigkeit als Hilfskraft kann ein Einstieg in den Arbeitsmarkt sein, es bedarf aber zusätzlicher Qualifizierungsmaßnahmen, um hier eine berufliche Sackgasse zu verhindern“, so der JKU Experte. Die Maßnahmen sollten rasch gesetzt werden, denn eines ist für Krings sicher: „Der Arbeitsmarkt wird der entscheidende gesellschaftliche Bereich für die Integration von Flüchtlingen sein.“


Masterplan Integration: 3-Stufen-Plan zur Arbeitsmarkt-Integration

1. Phase: Von Tag 1 bis 6. Monat Aufenthalt in OÖ:

Deutschkurse:
Oberösterreich setzt dies mittlerweile flächendeckend um. Aktuell laufen Kursangebote vom Land finanziert für 3.500 betroffene Asylwerber/innen. Auch die Deutschausbildung durch die Freiwilligen Helfer/innen hat in dieser Phase ihren Schwerpunkt. Um diese zu unterstützen, hat das Integrationsressort einen Prüfungspool gestartet, aus dem die Prüfungsgebühren finanziert werden. Ab 1. September wird bis Ende 2017 ein weiterer Kursschwerpunkt für diese Zielgruppe von Bund und Land finanziert mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes.

Forderungen an die Bundesregierung für Phase 1:
- Sicherstellung der Anschlussfähigkeit der Sprach-Angebote von BMI (Asylwerber/innen) und BMEIA (Asylberechtigte), samt sicherstellung Spezialqualifikationen in Berufen mit Sonderbedarfen.
- rasche Kompetenzüberprüfung der mitgebrachten Qualifikation schon beim Erstinterview im Asylverfahren

2. Phase: Qualifizierung, Nostrifizierung und erste Jobs ab dem 6. Monat

Bis zu dieser Frist soll im Regelfall eine Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen und Ausbildungen abgeschlossen sein (Bund), eine Legalisierung von Schnuppertagen und Praktika unter klaren sozialrechtlichen Rahmenbedingungen erfolgen (Bund), die Gemeinnützigen Tätigkeiten massiv ausgeweitet werden und der Arbeitsmarkt in all jenen Berufen geöffnet werden, in denen nicht ausreichend österreichische Bewerber/innen vorhanden sind.
Aktuell sind die Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerber/innen während ihres Verfahrens sehr beschränkt: 300 Asylwerber/innen in OÖ sind fallweise bei Gemeinnützigen Tätigkeiten in den Gemeinden aktiv. Die Arbeit ist insofern begrenzt, als dabei maximal 110 Euro Anerkennungsbetrag pro Monat ausbezahlt werden dürfen und die Tätigkeit nur anlassbezogen ausgeübt werden kann (etwa 3 Wochen).

LR Rudi Anschober fordert daher eine kontrollierte und gesteuerte Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber/innen ab dem 6. Monat in allen Bereichen von Mangelberufen. Derzeit warten nach Auskunft des AMS in OÖ im Bereich Fachkräfte-Mangelberufe knapp 600 Stellen auf eine/n Bewerber/in, etwa in den Spaten Dreher/in, Maschinenbau- oder Starkstrom-Techniker/in oder Krankenpfleger/in. Im Lehrlingsbereich, der in Mangelberufen für junge Asylwerber/innen schon geöffnet ist, arbeiten derzeit schon 82 Jugendliche in OÖ, weitere 370 Lehrstellen in Mangelberufen, v.a. in der Gastronomie würden freistehen.

Auch bei schon sehr gut qualifizierten Flüchtlingen bestehen aktuell noch kaum überwindbare Hürden: Bei einem Arzt aus Afghanistan etwa, der seinen Asylantrag schon positiv in Österreich beschieden hat, dauert es nun noch bis zu 2 Jahre, bis das aufwändige Nostrifikationsverfahren abgeschlossen werden kann. Die Kosten für die Nostrifikation belaufen sich auf ca. € 2.500 – und müssen vom Antragsteller selbst getragen werden.
Um diese Brain-Power bei Ärzt/innen, Techniker/innen u. a. m. in unserem Land zu halten und für unsere Wirtschaft nutzbar zu machen, bedarf es einer deutlichen Beschleunigung bei den Anerkennungsverfahren und der Schaffung eines Fördertopfs zur Ermöglichung der Finanzierung dieser Verfahren, bzw. dem Auflegen von maßgeschneiderten geförderten Krediten mit zeitverzögerter Rückzahlung hierzu, wie es dies auch bei Bildungsmaßnahmen für Österreicher/innen gibt. Weiters braucht es eine breite Offensive, um in der Praxis zu bleiben, also die Teilhabe in einem entsprechenden Betrieb während des Verfahrens.

Forderungen an die Bundesregierung für Phase 2:
- Gemeinnützige Arbeit massiv ausbauen – aktuelles Integrationspaket der Bundesregierung ist nur ein kleiner erster Schritt. So soll es etwa auch die Erweiterung der Gemeinnützigen Beschäftigungsmöglichkeit bei im Integrationsbereich tätigen NGOs und Vereinen geben.
- Völlige Legalisierung braucht es bei allen zeitbefristeten und den Sozialbedingungen entsprechenden Praktika und Schnuppertagen.
- Kontrollierte und gesteuerte Öffnung des Arbeitsmarktes ab dem 6. Monat in allen Bereichen von Mangelberufen.
- Gut qualifizierte Flüchtlinge nicht aus Oberösterreich vertreiben - Zumindest einen Teil der dramatisch negativen Auswirkungen des Kahlschlags bei der Mindestsicherung verringern: Ausbildungen sollen wegen Unfinanzierbarkeit nach BMS-Kürzung nicht abgebrochen werden, keine Stadtflucht.
- Einen Topf zur Finanzierung der Nostrifizierungsverfahren für Hochqualifizierte samt einer Beschleunigung der Verfahren.

Unterstützung bei der Selbstständigkeit:
Mitte September 2016 starten Information und allfällige Vorbereitung für einen späteren Einstieg ins AMS-Gründer/innen-Programm, speziell für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte. Unter dem Titel "heute Flüchtling – morgen Gründer/in“ wird das AMS dann Training und Coaching für Menschen mit höherem Bildungsabschluss oder unternehmerischer Vorerfahrung und fortgeschrittenen Deutschkenntnissen anbieten. Hierbei werden Vorträge, Workshops und Einzelgespräche angeboten, über rechtliche Voraussetzungen einer Unternehmensgründung in Österreich, über den Markt und fachliche Kompetenzen, aber auch schon konkret zu Finanzierung oder Zielgruppen informiert. Nach einem erfolgreichen Abschlusstest steht der Weg frei für das allgemeine AMS-Unternehmensgründungsprogramm.

3. Hürden abbauen auf dem Weg zu Arbeit für Flüchtlinge

Derzeit bereitet vielen Asylwerber/innen die Finanzierung der Zufahrt zum Deutschkurs und zur Qualifikation bzw. zur Lehrstelle u. a. m. große Probleme. Nach Erhebungen des Integrationsressorts fallen derzeit im Durchschnitt Fahrtkosten vom dezentralen Quartier zum Qualifizierungsort von rund 100 Euro pro Monat an.
Hier fordert Anschober eine Gleichstellung der Asylwerber/innen mit Österreicher/innen - in dem etwa das Jugendticket oder Lehrlingsticket auch für Asylwerber/innen geöffnet wird. Ansonsten funktioniert Integration nicht.
Durch die sehr dezentrale Quartiersstruktur entstehen höhere Fahrtkosten zu den Stätten der Qualifizierung, zum Deutschkurs oder zum Lehrplatz als bei zentralen Großquartieren. Durch den Kahlschlag bei der BMS droht dies nun für viele unfinanzierbar zu werden. Es braucht daher hier Maßnahmen, um Mobilität zu ermöglichen, eine Gleichstellung durch die Ermöglichung des Zugangs zu den aktuellen vergünstigten Tickets wie Jugendticket oder Lehrlingsticket wäre ein guter erster Schritt, zusätzlich bedarf es für jene, die hier keinen Zugang haben, einen Mobilitätsfonds.

Integrationslandesrat Anschober will in den nächsten Wochen erreichen, dass aus dem positiven ersten kleinen Integrationspaket des Bundes ein großes Paket Arbeitsmarktintegration durch Bund und Land verwirklicht wird. Schon kommenden Montag wird Anschober dazu eine Initiative in der Landesregierung starten.



Bisherige Projekte in OÖ zur Arbeitsmarktintegration:

a. Kompetenzchecks – Projekt „Integration durch Arbeit“
Seit 1. Jänner 2016 bis Ende 2020 bieten die Volkshilfe FMB und migrare – Zentrum für Migrant/innen OÖ mit dem AMS flächendeckend in ganz Oberösterreich Arbeitsmarktintegration, also Betreuung und Beratung für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte mit uneingeschränktem Arbeitsmarktzugang, an.
Die individuellen Betreuungen finden einmal bis zweimal wöchentlich bei der Volkshilfe statt, ein Betreuungsplan mit Zielen und Zeithorizont wird vereinbart. Ziel sind Berufseinstieg oder die Vermittlung eines passenden Schulungsangebots.
Durch die individuelle Betreuung, auch mehrsprachig wird gemeinsam mit den Klient/innen herausgearbeitet, welche Kompetenzen, Ausbildungen, Fertigkeiten, Interessen, Erfahrungen und welch soziales Umfeld sie haben, welchen Job sie sich vorstellen – und wie der Weg dorthin, z.B. über Schulungsangebote läuft-, aber auch welche Bereiche am oö. Arbeitsmarkt gefragt sind, wie die Bewerbung läuft, was im Arbeitsvertrag an Rechten und Pflichten zu finden ist oder welche wichtigen Kontakte und Netzwerke es gibt.


b. Freiwilliges Integrationsjahr für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte
Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte haben die Möglichkeit, innerhalb von zwei Jahren nach Zuerkennung ihres Status und bei Vollbezug der Bedarfsorientierten Mindestsicherung, ein Freiwilliges Integrationsjahr zu absolvieren – getragen von „die berater“, AMS und Sozialministerium.

Beim FIJ handelt sich um kein Arbeitsverhältnis, sondern um eine Art Arbeitstraining für die Dauer von sechs bis zwölf Monaten, vergleichbar mit dem Freiwilligen Sozialjahr, d.h. Mischung von Bildungsmaßnahmen und praktisches Kennenlernen von Tätigkeiten in Einsatzstellen. Neben der gemeinnützigen Tätigkeit in der Organisation sind zusätzlich niederschwellige Ausbildungs- und Integrationsmaßnahmen im Mindestausmaß von 150 Stunden vorgesehen (Deutschkurse, Einweisung in die Tätigkeiten, kulturelle Grundsätze des Zusammenlebens).

Ziele sind u.a. die Integration im Sinn einer Einbeziehung in das österreichische gesellschaftliche Leben und die Vermittlung von österreichischen Werten und Sprache, Berufsorientierung, die Vertiefung von schulischer Vorbildung, das Kennenlernen und Fördern der Freiwilligen-Arbeit oder die Stärkung sozialer Kompetenzen.

Teilnehmer/innen am FIJ beziehen die Bedarfsorientierte Mindestsicherung. Das Gesetz sieht für Teilnehmer/-innen am FIJ kein Taschengeld vor, Träger können aber freiwillig auszahlen.
Auf der Website www.integationsjahr.at werden alle gemeldeten freien Stellen veröffentlicht. Bei Interesse kann man sich direkt bei der jeweiligen Trägerorganisation bewerben.

c. Anstrengungen der Bezirkshauptmannschaften zur Job-Integration
„Eine wichtige Funktion haben im Zuge der Quartiersuche die Bezirkshauptleute übernommen, diese tragen ihre Drehscheibenfunktion nun auch bei der Integration weiter – ein herzliches Dankeschön für dieses Engagement“, so LR Anschober.
So bringen etwa einige Bezirkshauptmannschaften, Unternehmen des Bezirks in jenen Bereichen mit jungen Asylwerber/innen zusammen, wo Arbeitskräfte dringend gesucht werden. Allein im Bezirk Rohrbach etwa bestehen 140 freie Lehrstellen überwiegend in Mangelberufen. Im Zuge eines 2-tägigen Beratungstages konnten knapp 100 junge Asylwerber/innen diverse Stellen, wie BH, AMS, Land OÖ- Sozialabteilung, verschiedenste Unternehmen sowie das Polytechnikum kennenlernen, aktuell schnuppern die ersten 30 von diesen Interessierten schon im Poly. Ziel ist, über die Lehre aufzuklären, die wichtigsten Träger zusammenzubringen und Kontakte zwischen Unternehmen, Schulen und Asylwerber/innen zu ermöglichen.

Foto (c) Land OÖ/ Grilnberger, Reihenfolge: v.l.n.r.: Landesrat Rudi Anschober, Dekan Univ.Prof. Dr. Johann Bacher, Assoz. Prof. Dr. Torben Krings, Michael Fürthaller (Student) und Simon Schusterbauer (Student).

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