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Studie: Männer haben höhere Risikobereitschaft als Frauen


Neigen Männer tatsächlich zu mehr Risiko als Frauen und werden dafür belohnt? Forscher der JKU haben dazu einen neuen Forschungsbericht veröffentlicht.

Zahlt sich Risiko aus? Neigen Männer tatsächlich zu mehr Risiko als Frauen und werden dafür belohnt? Könnte ein wesentlicher Grund für die Einkommensunterschiede von Männern und Frauen in unterschiedlicher Risikobereitschaft liegen? Forscher der Johannes Kepler Universität Linz untersuchen aktuell diese Fragen und haben nun einen neuen Forschungsbericht veröffentlicht.

Riskantes Verhalten ist schwierig zu untersuchen, da selten beobachtet werden kann, welche Möglichkeiten die EntscheidungsträgerInnen haben. Es gibt zwar viel empirische Evidenz zu Risikoverhalten, deren Aussagekraft ist aber üblicherweise eingeschränkt. „Feldversuche sind nahezu unmöglich, weil die Rahmenbedingungen fast nicht zu kontrollieren sind“, so René Böheim vom Institut für Volkswirtschaftslehre der JKU. Er untersucht gemeinsam mit Christoph Freudenthaler und Mario Lackner das Risikoverhalten von Männern und Frauen in kompetitiven Umfeldern – zuletzt anhand von Basketballspielen.

Unzählige Wurfversuche

Im Rahmen der Studie wurden die Daten von 12 Frauen und 30 Männerteams der prominentesten US Profi-Ligen (NBA und WNBA) erhoben, wobei die Forscher die Spiele der Playoff-Turniere von 2002/03 bis 2013/14 analysiert haben. Der Vorteil: Im Basketball gibt es klar abgrenzbare riskante Strategien (schwierige 3-Punkt-Würfe) und weniger riskante Strategien (die leichteren 2-Punkt-Würfe). Männer zeigten sich insgesamt in kritischen Situationen deutlich risikobereiter als Frauen: „3-Punkt-Versuche erfolgen aus größerer Distanz und scheitern natürlich öfter. Wir haben gesehen, dass gerade gegen Ende eines Viertels Männer signifikant häufiger den riskanten 3-Punkt-Versuch wählen.“
Konkret: Liegen Männer in der letzten Spielminute mit 1 oder 2 Punkten im Rückstand, steigt die Wahrscheinlichkeit, den riskanten 3-Punkt-Wurf zu versuchen, um 7 Prozent. Bei Frauen sinkt diese Wahrscheinlichkeit in vergleichbaren Situationen hingegen um 9,5 Prozent.

Generell zeigt sich, dass männliche Profiteams umso öfter die riskantere Strategie wählten, je mehr auf dem Spiel stand. „Bei knappem Spielstand erhöhten die Männer das Risiko, versuchten also öfters riskante Würfe. Frauen neigten in derselben Situation dazu, das Risiko zu vermeiden.“ Auch in Turnier-Spielen, in denen bei einem Sieg der Aufstieg in die nächste Runde erreicht werden konnte, gingen die Männer höheres Risiko ein, wenn das Spiel bei knappem Rückstand auf der Kippe stand. Die weiblichen Profis hingegen versuchten lieber, Fehlwürfe zu vermeiden. „Man könnte sagen: Die männlichen Teams wollen eher den Sieg erzwingen und weibliche Teams wollen eher die Niederlage vermeiden“, so Studienautor Lackner.

Auf andere Bereiche anwendbar

Die Studie zeigt, dass es tatsächlich unterschiedliches Risikoverhalten bei Männern und Frauen in kompetitiven Wettbewerben gibt. Dieser Unterschied wird von potenziellen Konsequenzen stark beeinflusst. „Insofern kann dieses Ergebnis durchaus auf vergleichbare Umfelder umgelegt werden, z.B. auf Entscheidungen in Management-Positionen, Verhalten auf Finanzmärkten, Besetzung von Positionen auf höherer Ebene in Unternehmen“, so Mario Lackner.

Beide Strategien ebenbürtig

Und lohnt sich die Risikobereitschaft der männlichen Basketballspieler? Kaum, so der Befund der Forscher. Die Erfolgsquoten riskanter Würfe bei engem Spielstand in der entscheidenden Phase eines Spiels liegen bei Männern wie auch Frauen gleich. Insofern kann männliche overconfidence als klassischer Erklärungsansatz für den Geschlechterunterschied im Risikoverhalten nicht bestätigt werden: Es gibt in den zugrundeliegenden Daten kein Indiz dafür, dass Männer zu viel oder Frauen zu wenig Risiko eingingen.

Die Studie finden Sie hier:
https://ideas.repec.org/p/jku/econwp/2016_07.html


Foto v.l.: Lackner, Böheim

[Christian Savoy]