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„Von kompromisslosem Qualitätsdenken geleitet“

Foto: Prof. Krotscheck Mitte Juli bekommt o.Univ.Prof. Dr. Eckhard Krotscheck, Vorstand des Instituts für Theoretische Physik an der JKU, die höchst renommierte Eugene Feenberg Memorial Medal 2007 verliehen. im Interview mit News vom Campus online gibt er seine Einschätzung zum Stellenwert dieser Auszeichnung, zur Theoretischen Physik an der JKU und zum Arbeitsalltag im zeitweise stark überhitzten Büro im Physikgebäude wider.

News vom Campus online: „Herr Prof. Krotscheck, die Eugene Feenberg Memorial Medal haben vor Ihnen auch schon zwei Nobelpreisträger bekommen. Was bedeutet es denn für Sie persönlich, diese Auszeichnung zu bekommen?“
Prof. Krotscheck: „Die Feenberg-Medaille wurde so definiert, dass sie nur für richtungsweisende Arbeiten auf dem Gebiet der Vielteilchenphysik vergeben wird, und nicht, weil einer ein gutes paper verfasst hat. Insofern ist das sicher eine hohe Auszeichnung. Ich gehöre zu einer Generation von Physikern, die ihre Ausbildung zu der Zeit gemacht haben, als im Bereich der Vielteilchenphysik gerade ein Umbruch stattfand. In den siebziger Jahren wurden gerade die Neutronen-Sterne entdeckt, die so schwer sind wie unsere Sonne und 10 Kilometer Radius haben. Um diese Sterne wirklich zu verstehen, mussten wir neue Wege suchen und neue Methoden finden, was uns auch gelungen ist. Seit damals hat es keinen vergleichbaren methodischen Durchbruch in diesem Bereich gegeben. Die damals gelegten Grundsteine sind das Fundament vieler erfolgreicher Arbeiten geworden, wie man an der aktuellen Auszeichnung sehen kann.“

NvC: „Die Vielteilchenphysik gehört nun nicht unbedingt zu den Dingen, die man heutzutage in der Schule lernt. Wie würden Sie einem Laien erklären, worum es dabei eigentlich geht?“
Krotscheck: „Stellen Sie sich unseren Uni-Teich vor. Der besteht aus, sagen wir, 10 hoch 23 Teilchen. Nun wissen wir zwar, wie zwei Wassermoleküle miteinander reagieren. Aber können wir daraus auf die Eigenschaften des ganzen Teichs schließen? Warum bleibt das Wasser am Boden und verdampft es nicht? Welche Arten von Wellen entstehen, wenn jemand einen Stein in den Teich wirft? Wie ist die Oberfläche des Teichs beschaffen? – Das sind, sehr vereinfacht gesprochen, die Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen. Vom Mikrosystem Schlüsse auf ein Makrosystem ziehen zu können.“

NvC: „Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Arbeiten Sie ausschließlich am Computer?“
Krotscheck: „Nein. Abgesehen von den üblichen administrativen Arbeiten als Institutsvorstand und von den Lehrveranstaltungen, die zu betreuen sind, verbringe ich etwa die Hälfte der verbleibenden Zeit am Computer, die andere Hälfte mit Bleistift und Papier. Wenn irgendwo ein physikalischer Effekt auftaucht, den ich nicht verstehe, dann freue ich mich, denn damit stellt sich eine neue Aufgabe: nämlich eine Theorie zu entwickeln, mit der der Effekt erklärt werden kann.“

NvC: „Prof. Campbell von der Universität Minnesota, der dieses Semester bei Ihnen als Gastprofessor engagiert war, hat im Interview gemeint, er sehe die Vielteilchenphysik an der JKU weltweit an der Spitze mit zwei, drei anderen Instituten. Wie schätzen Sie selbst die Position des Instituts ein?“
Krotscheck: „Das mag stimmen, aber man muss auch sagen, dass wir Probleme haben, mithalten zu können. Wir haben nicht die Möglichkeit, mit unserem Lehrplan die Studenten so weit zu bringen, wie in den USA. Der Lehrplan müsste breiter und tiefer angelegt werden. Es gibt natürlich immer wieder hervorragende junge Leute, die sich vieles selbst beibringen. Und ich verlange auch viel von meinen Studenten. Ich war immer von kompromisslosem Qualitätsdenken geleitet. Ich fordere die Studenten, aber ich fördere sie auch. Denn die höchste Befriedigung, die ich in meinem Alter habe, ist, wenn meine Studenten einen guten Job bekommen oder Karriere machen.“

NvC: „In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch viele ehrgeizige Studenten in Ihren Lehrveranstaltungen und danke für das Gespräch!“
Krotscheck: „Vielen Dank!“

[Isabella Staska-Finger]