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Inhalt:

Forschungsprojekt der Hans-Böckler-Stiftung (10/2012 - 01/2015)

"Ökonomen und Ökonomie"


Projektbearbeitung (ICAE): Katrin Hirte, Stephan Pühringer, Bearbeitung insg. in Kooperation mit dem Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien an der Universität Hamburg (Prof. Arne Heise), der Sozialforschungsstelle Dortmund an der Technische Universität Dortmund (Prof. Jürgen Howaldt) und dem Institut für Institutionelle Ökonomik und Innovationsökonomik an der Universität Bremen (Prof. Wolfram Elsner)

Das Projekt wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.

Ziel des Projekts

Ziel des Projektes war, die paradigmatische Aufstellung der deutschsprachigen Ökonomen ab 1945 in ihrem Entstehungskontext zu untersuchen, d.h., es wurden – problematisiert mit dem Fokus auf die relativ monolithische Ausrichtung der Ökonomie – die Entstehung, Rekrutierungsmuster, institutionelle Ausprägungen und Koppelungen hinterfragt. Umgekehrt wurde analysiert, wie die Formung (sowie Rückformung) der heterodoxen Ökonomie erfolgte und Exklusionen stattfanden.

Zentrale Ergebnisse des Forschungsprojekts

  • Die Entwicklungen ab 1945 resultieren – konträr zur These einer nachgeholten Amerikanisierung – aus schon vor 1945 bestehenden Netzwerken ordoliberal und später zunehmend marktradikal ausgerichteter AkteurInnen in wirtschaftspolitischen Netzwerken.
  • Die quantitative Ausweitung der Universitäten und gleichzeitigen Reformbestrebungen ab den 70er Jahren waren auch für heterodoxe
  • ÖkonomInnen eine Chance. Pluralistisch wurde es dabei insbesondere dort, wo die entsprechenden Promotoren auf eine ‚Kultur der Öffnung‘, innere Organisationsdemokratie und externe politische Unterstützung trafen (z.B. Universität Frankfurt, FU Berlin). An Dreiviertel aller deutschen Universitäten mit wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten bzw. Fachbereichen waren heterodoxe ÖkonomInnen hingegen fast überhaupt nicht vertreten.
  • Insbesondere hinsichtlich der Kategorie der eigenen „Reproduktion“ befanden sich die heterodoxen ÖkonomInnen nicht auf Augenhöhe mit den Mainstream-VertreterInnen. Hinzu kamen ungleiche Ausstattung, ungleicher Zugang zu Drittmitteln und renommierten Fachzeitschriften. Letztlich lässt sich daher hier von einem disziplinären ‚brain drain‘ der heterodoxen Wirtschaftswissenschaften sprechen.

Publikationen

Hirte, K.; Pühringer, S. (2016): Zur Performativität ökonomischen Wissens und aktuellen ÖkonomInnen-Netzwerken in Deutschland. In: Maeße, J.; Pahl, H.; Sparsam, J. (Hg.): Die Innenwelt der Ökonomie. Wissen, Macht und Performativität in der Wirtschaftswissenschaft. Springer VS Verlag (forthcoming).

Ötsch, W. O./Pühringer, S. (2015): Marktradikalismus als Politische Ökonomie. Wirtschaftswissenschaften und ihre Netzwerke in Deutschland ab 1945. Working Paper Series 38. ICAE, Universität Linz.

Pühringer, S. (2015) Wie wirken ÖkonomInnen und Ökonomik auf Politik und Gesellschaft? Darstellung des gesellschaftlichen und politischen Einflusspotenzials von ÖkonomInnen anhand eines „Performativen Fußabdrucks“ von deutschen ÖkonomInnen. ICAE Working Paper Series, Nr. 35. ICAE Universität Linz.

Hirte, K. (2014): Performative Wissenschaft: Ökonomiekritik, Ökonomietheorien und die Verantwortung von ÖkonomInnen. In: Hirte, K.; Thieme, S.; Ötsch, W. (Hg.): Wissen! Welches Wissen? Performativität und Wissenschaft. Marburg: Metropolis, 267-302.

Hirte, K.; Thieme, S. ; Ötsch, W. (Hg.) (2014): Wissen. Welches Wissen? Performativität und Wissenschaft. Marburg: Metropolis.

Hirte, K.; Thieme, S. (2013): Mainstream, Orthodoxie und Heterodoxie – Zur Klassifizierung der Wirtschaftswissenschaften. Working Paper Series, Nr.16. ICAE, Universität Linz.