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Karl R. Stadler

Beschreibung: Am 7. Juli 1987 starb in Linz der langjährige Vorstand des Instituts für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte sowie Gründer und Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung, Univ.-Prof. Prof. Karl R. Stadler. In seinen beiden letzten Lebensjahrzehnten, die er in Österreich verbrachte, stand er wie kein anderer für die wichtigsten Entwicklungen in der österreichischen Historiographie: für die Einbindung in die internationale Fachdiskussion und für die Verankerung der Zeitgeschichte und der Geschichte der Arbeiterbewegung als akademische Disziplin.

Für die jüngere Generation in Österreich kann der Lebensweg von Karl R. Stadler exemplarisches Beispiel für die Geschichte unseres Landes im 20. Jahrhundert sein. Er steht mit seiner Biographie für das "andere Österreich", für die Hoffnungen und Träume der Zwischenkriegszeit, für das engagierte Eintreten gegen den Faschismus, für die Vertreibung und die sehr späte Wiedergutmachung.

Karl R. Stadler wurde am Vorabend des Ersten Weltkriegs, am 8. Oktober 1913, im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten geboren. Die Volksschulzeit fiel in die große Nachkriegskrise, aber ab 1923 stand für Karl Stadler jener Bildungsweg offen, der im Roten Wien für die begabten Kinder aus wenig begüterten Familien geschaffen worden war: die Bundeserziehungsanstalt. In Wien-Breitensee rückte der junge Zögling ein: Einsamkeit, oft auch Verzweiflung spricht aus den ersten Eintragungen in ein Tagebuch, das viele Jahre lang konsequent geführt wurde und eine einmalige historische Quelle darstellt. Dies vor allem deshalb, weil die heutige Forschung eher dazu neigt, die Ideale des Roten Wien als wenig verwurzelt, als intellektuelle Spielereien ohne größeren Realitätsbezug abzutun. Aus Stadlers Tagebüchern tritt uns hingegen exemplarisch der "Neue Mensch" entgegen: voll Gerechtigkeitssinn im Eintreten für den jüdischen Mitschüler, von wachsender Begeisterung für das neue Wert- und Normensystem bis hin zu den Fragen von Partnerschaft und persönlicher Lebensgestaltung. Seiten füllen Berichte vom Auftreten gegen den Alkohol, und die Eintragungen zum anderen Geschlecht sind von so hohem Verantwortungsbewußtsein, das nur aus der absoluten Verinnerlichung der damals vorgegebenen Ideale erklärbar ist.

1931, nach der Matura, begann Karl R. Stadler an der Universität Wien zu studieren. Jus motivierte ihn nur kurz, dann wechselte er zum Sprachenstudium. Gemeinsam mit seiner späteren Frau Gina führten ihn abenteuerliche Reisen nach England, wo er auch erste Artikel zu schreiben begann.

Das politische Zurückweichen der Sozialdemokratie traf Karl Stadler persönliche hart. Wie viele Intellektuelle zog es ihn ab 1933 nach links, wo er mit Christian Broda sein Betätigungsfeld in den offenen Jugendorganisationen fand. Gina stellte die Infrastruktur (Wohnung und Brötchen) für konspirative Treffen zur Verfügung und mancher Streuzettel und einige andere Propagandaaktionen wurden so geplant. Vor allem aber engagierte Karl R. Stadler sich, seinem bisherigen und späteren Leben entsprechend, in der Friedensbewegung. So war er 1936 Delegierter auf der Internationalen Jugendkonferenz für den Frieden. Er hielt dort eine flammende Rede, in der er die Friedensfrage mit der sozialen Frage zu verknüpfen verstand. Und strategisch enthielt die Rede eine ganz bemerkenswerte Passage:

"Österreichs Jugend ist wahrlich nicht kriegsbegeistert; sie hat die Schrecken des Krieges und der Nachkriegsjahre stärker empfunden als manch anderes Land und ist daher gewillt, alle ihre Kräfte in den Dienst der Verhinderung des Krieges zu stellen. Aber wir wissen, daß wir jungen Österreicher dazu allein zu schwach sind, darum blicken wir über die Grenzen unseres Staates und suchen die Verbindung mit der Jugend anderer Länder, vor allem unserer Nachbarn. Wir interessieren uns für das Leben der tschechoslowakischen, ungarischen, jugoslawischen und bulgarischen Jugend und finden, daß wir vieles gemeinsam haben: gemeinsame wirtschaftliche Interessen als Bewohner des Donauraumes und gemeinsame politische Interessen in der Abwehr des Nationalsozialismus.

Darum schlägt die österreichische Delegation vor, eine Beratung der Jugend Mittel- und Osteuropas zu veranstalten, bei der die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit geprüft werden können. In Grenzjugendtreffen wollen wir uns mit unseren Nachbarn treffen, in regem Meinungsaustausch wollen wir eine Plattform für den gemeinsamen Kampf der Jugend des Donauraumes schaffen."

Als treibende Kraft erscheint er auch auf der Enquete "Was soll die Jugend für den Frieden tun?", die vor allem von Ludovica Hainisch organisiert wurde, bei der aber auch Dr. Viktor Matejka, 1936 ja politisch durchaus noch anders zuzuordnen, unter den Einberufern aufscheint. Stadler schlug den 29. März 1936 als Friedenstag der österreichischen Jugend vor und die Schaffung eines "Friedensgroschens" zur Finanzierung der weiteren Aktivitäten. Er brachte damit beide zentralen Beschlüsse der Enquete in Vorschlag. Am Flugblatt zum 97. Geburtstag von Marianne Hainisch war Karl Stadler einer der acht Unterzeichner, zugleich aber der Verantwortliche laut Impressum, und zwar mit voller Adresse. Er war also bei den österreichischen Behörden kein Unbekannter. Aber selbst in den eigenen Reihen blieben die Konflikte nicht aus. Die illegale KPÖ, die sich für alle locker organisierten Gruppen zuständig fühlte, vollzog nach dem VII. Weltkongreß der Komintern den Schwenk hin zu einer patriotischen Bewegung und bezeichnete alle Personen und Gruppen, die den Kurswechsel nicht mitmachten, als "trotzkistisch". Broda, Stadler und deren Freundeskreis gründeten in echter Opposition zur KPÖ und deren Zentralorgan "Weg und Ziel" eine Gruppe "Ziel und Weg" mit eigener Zeitschrift und eigenem politischen Profil, von der KPÖ und vom Ständestaat verfolgt.

Aber auch die politischen Auseinandersetzungen an der Universität wurden härter. Stadler, der mitreißende Redner, stand in der ersten Reihe gegen den Nationalsozialismus.

Als sich im März 1938 die Ereignisse dramatisch zuspitzten, ging die Gruppe um Stadler massiv in die Öffentlichkeit für Schuschniggs Volksabstimmung. Während in Marie Tidls Buch Stadler angeblich bei der Stadtbahnstation Hietzing Flugblätter verteilt, fährt dieser im "organisierten" Lastwagen durch Arbeiterbezirke und streut Blätter mit folgendem bemerkenswerten Inhalt aus:

"Für die Freiheit! Österreich der Jugend! Die Jugend für Österreich! Vier Jahre nach den blutigen Schicksalskämpfen des Jahres 1934 - am 12. Februar 1938 - wurde die österreichische Arbeiterschaft und ihre Jugend vor die Frage gestellt: Was soll aus Österreich werden. Nach der Reise des Bundeskanzlers nach Berchtesgaden setzten Umtriebe verantwortungsloser Gesellen ein, die den Frieden im Lande - und damit in Europa - auf das Schwerste gefährden. Österreichs Arbeiterjugend will den Frieden, denn der Friede ist Voraussetzung für unseren Kampf um Freiheit und Arbeit. Die Stunde ist ernst, es geht ums Ganze. Die Arbeiterjugend will ein freies, soziales Österreich. Sammlung heißt die Parole. Eine freie Arbeiterjugendbewegung für Österreichs Freiheit! Am 13. März gehen wir zur Urne. Es ist ein historischer Tag, an dem wir unser Bekenntnis für ein freies und unabhängiges Österreich ablegen. Folgen wir dem Beispiel derer, die vor 90 Jahren, am 13. März 1848, für die Freiheit kämpften. An dem ehernen Wall der einigen Arbeiterjugend werden die Feinde der Freiheit und des Friedens zerschellen. Es geht um Österreich! Es geht um uns! Unsere Losung: Ja!"

Die Nacht nach dieser Aktion verbrachte Karl Stadler nicht mehr zu Hause. Die Angst vor einer drohenden Verhaftung war zu groß. Vergeblich suchte die Mutter ihn auch bei Gina. Sie konnte aber in Erfahrung bringen, daß er mit dem Zug nach Paris wollte.

Auch Gina mußte fort. Zufällig sahen sie sich am Bahnhof: beide wollten also mit demselben Zug abfahren! Gina, begleitet von Freunden mit Hakenkreuzen, im Koffer wenige Sachen und die praktisch fertige Dissertation, signalisierte ihm, daß sie sich nach der deutschen Grenze treffen sollten. Karl, der sich noch von seiner Mutter verabschieden konnte, saß aber im Zugteil nach Frankreich, Gina in dem nach Holland. Als sie ihn nach der Grenze nicht fand, mußte sie annehmen, er wäre der Gestapo in die Hände gefallen. Und beinahe war es so: in Kehl wurde Karl Stadler aus dem Zug geholt und auf die deutsche Zollstation gebracht. Ein Anruf in Wien blieb aber ohne Erfolg. Zu Fuß überquerte er schließlich den Rhein, um von der Brücke die NS-Zeitungen in den Fluß zu werfen.

Erste Station in England waren die Quäker. Eine ältere Dame bot dort ein Zimmer für ein "jüdisches Mädchen" an - der "christliche Junge" erhielt es. Während Gina kurz Hilfsprogramme in Anspruch nahm, um dann als Kindermädchen aufs Land zu gehen, sicherte sich Karl mit Artikeln und Nachhilfestunden die Existenz. Einen begüterten Schüler begleitete er sogar auf sein schottisches Landgut. Tagsüber als Treiber auf der Jagd, abends im vom Butler geliehenen Dinner-Jacket am Familientisch - Bilder, die schwer in Einklang zu bringen sind mit dem Karl R. Stadler der letzten Jahrzehnte.

Das ISS (International Student Service) half bei der Suche nach Studienplätzen. Die Universität London sagte zu, bestand aber auf dem Ablegen der englischen Matura. Schließlich fiel die Entscheidung für Bristol, wo ein Studienabschluß in zwei Jahren möglich war (den Karl als einziger seines Jahrgangs mit Auszeichnung erreichte. Nebenbei erhielt er den Preis für den besten Aufsatz - und das gegen die Konkurrenz mit englischer Muttersprache!)

Quartier boten in Bristol erst zwei alte Jungfern, wo es statt Tee warmes Wasser gab. Ein Methodistenpfarrer organisierte etwas Taschengeld, ISS half materiell. Schließlich organisierte Gina ein akzeptables Quartier.

Politisch brachten schon die ersten Monate ein Umdenken. Im Tagebuch findet sich im Oktober 1938 folgende Notiz:

"Von Janda (- Broda) kam ein Abschiedsbrief, wer weiß, ob ich ihn jemals wiedersehen werde! Ich weiß nicht, ob ich den Mut bewundern oder über den Fanatismus staunen soll; geht kaltblütig in den Kerker, vielleicht gar in den Tod... Das ist sicher das Holz, aus dem die treibenden Kräfte der Menschheit geschnitzt werden, und doch kann eine lächerliche Kleinigkeit dieses Licht zum Erlöschen bringen, ein blinder Zufall ihn schweigen machen."

Stadler näherte sich rasch den Positionen der Exilsozialisten in London. In Vorträgen und Artikeln aus diesen Monaten kam dies deutlich zum Ausdruck. Brieflich teilte er dies auch Broda mit - die Freundschaft hielt aber über die politische Differenz hinweg. Vorträge hielt er übrigens beinahe jeden zweiten Tag. Sie bildeten schließlich die erste Existenzgrundlage. Daneben entstand ein großer Roman, der allerdings wahrscheinlich von ihm selbst nie zum Druck befördert und schließlich wohl vernichtet worden ist.

Krieg, Internierung, Universität

Im Jahr 1939 wechselte das Tagebuch die Sprache: das neue Heft, das mit dem Kriegsausbruch beginnt, ist englisch geschrieben, und Stadler ist schon am 8. September 1939 "confident, that this time I shall not have to burn my notes hurriedly before the approach of a Fascist agent, for however long it is going to last, Hitler and his system are doomed".

Aber während der Schlußprüfungen kam Hitlers Überfall auf Holland. Ginas Familie, dorthin geflüchtet, war in existentieller Gefahr - eine Annahme, die später zur traurigen Realität wurde. Vorerst mußten alle Ausländer von der Küste weg. Gina ging nach Coventry, um später Zeugin der Bombardierung zu werden. Karl Stadler aber wurde interniert. 6 Monate verbrachte er hinter Stacheldraht. Er, der Antifaschist, zusammengepfercht auch mit echten Nazis.

Erst war es ein Lager bei Derby, dann bei York, schließlich die Isle of Man. Die spätere Aversion gegen Fischgerichte resultiert aus dieser Zeit. Schließlich drohte die Verschiffung nach Kanada. Verzweifelt bemühten sich Karl und Gina um die Heiratserlaubnis, die wenigstens die gemeinsame Verschiffung gesichert hätte. Der deutsche U-Boot-Angriff auf ein Transportschiff und dessen Versenkung stoppten glücklicherweise die weiteren Transporte.

Viele Freunde bemühten sich um die Freilassung. Der Preis wäre schließlich der Eintritt in das Pioneer Corps gewesen. So galt es für den Pazifisten, die reguläre Entlassung abzuwarten.

Das Informationsministerium brachte ihn trotzdem mit der Armee in Verbindung. Vorträge zur Geschichte und politischen Entwicklung vor Angehörigen der Armee waren eine der nächsten Aufgaben. Dies ging mit der Berufslaufbahn konform. Die Universität bot Stadler in Derby eine Lecturer-Stelle im Rahmen der Erwachsenenbildung im Extra-Mural-Department an, von der er später an die Universität Nottingham wechselte. Dort folgte auch der Berufswechsel hin zur Zunft der Zeithistoriker, der allerdings kein wirklicher Wechsel war. Stadler war immer Zeithistoriker und Erwachsenenbildner, auch in den späteren österreichischen Jahren. Nach Kriegsende gab es sofort Arbeit in der Re-education des Informationsministeriums. Es waren vor allem Kriegsgefangene aus Österreich, die in den Lagern von Stadler zur Demokratie geführt wurden.

Im Februar 1947 traf eine erste Delegation deutscher Erwachsenenbildner in England ein. Und von diesem Kontakt an war Stadler eine zentrale Figur für den Wiederaufbau der deutschen Erwachsenenbildung. In einem umfangreichen Tagebuch beschrieb er seine Eindrücke von seiner ersten Reise durch das zerstörte Deutschland.

Die Geschichtswissenschaft

Seit 1946 lehrte Karl R. Stadler an der Universität von Nottingham. Extern vollendete er seine Studien an der Universität London. Obwohl stark in der Lehre, der Erwachsenenbildung und der Re-education engagiert, unternahm er zahlreiche Archivreisen, in denen er neues zeithistorisches Material erschloß. Neben seinen Schriften zur Erwachsenenbildung erschienen in deutscher Sprache 1962 und 1966 bahnbrechende Werke zum österreichischen Widerstand, die dazu beitrugen, auf höchstem wissenschaftlichen Niveau die Widerstandsforschung zu etablieren. Zweites Forschungsgebiet jener Jahre war die Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. In den sechziger Jahren erschienen in englischer und deutscher Sprache umfangreiche, bis heute wichtige Monographien. Später sollte noch der Schwerpunkt 1934 hinzutreten. Die Alterswerke aber waren, gleichsam als Vollendung, Biographien.

Nicht nur über die Forschungsfelder bestanden enge Kontakte zu Österreich. Die österreichischen Volkshochschulen banden Karl R. Stadler bald in führende Positionen ein (er war dann auch langjähriger Präsident, in den letzten Lebensjahren der erste und einzige Ehrenpräsident des Volkshochschulverbandes), aber auch die persönlichen Kontakte bestanden weiter. Gäste aus Österreich, darunter der junge Student Heinz Fischer, kamen und bevölkerten das Haus in Nottingham, das die Familie Stadler mit den beiden Töchtern bewohnte.

1962 zum Senior Lecturer für Neuere Geschichte und Internationale Beziehungen avanciert, wurde er 1964 bis 1966 von seiner englischen Universität beurlaubt, um in Wien das von Bruno Kreisky initiierte Wiener Institut für Entwicklungsfragen aufzubauen und gleichzeitig am Institut für Höhere Studien und an der Diplomatischen Akademie als Gastprofessor zu wirken.

Der Ruf nach Linz

Mit 55 Jahren, am 1. April 1968, folgte Stadler einem Ruf an die neu gegründete Universität Linz. Wer darin "nur" eine späte Wiedergutmachung der Republik Österreich sehen wollte, mußte bald zur Kenntnis nehmen, mit welch großen Ambitionen Karl R. Stadler antrat. Gemeinsam mit Kurt W. Rothschild prägte er lange Jahre das Bild der Universität. Stadlers Institut, aus dem Gerhard Botz, Helmut Konrad, Hans Hautmann, Josef Weidenholzer, Reinhard Kannonier, Brigitte Kepplinger-Perfahl und andere Historiker hervorgegangen sind, erzielte von allen Instituten der Universität wohl die größte Außenwirkung. Dies war vor allem auch dem Umstand zu danken, daß in Personalunion von Karl R. Stadler auch das erste Institut der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, das sich außerhalb des medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereichs bewegte, geführt wurde.

Das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, in dessen Publikationsreihen von Stadler etwa 80 Bücher herausgegeben wurden, erlangte in kurzer Zeit internationale Geltung und führte die österreichische Geschichtswissenschaft im Teilbereich Geschichte der Arbeiterbewegung an den internationalen Standard heran. Die Teildisziplin wurde erstmals in Westeuropa in einer Weise akademisch verankert, die ganze Studentengeneration prägen sollte. Daß Stadler daneben noch immer die Zeit fand, seinen Aufgaben in der Erwachsenenbildung in alter Tradition nachzukommen, ist nur durch seine enorme Arbeitskraft erklärbar. Dem Volkshochschulverband stand er weiter als Präsident vor, dem Dr. Karl Renner-lnstitut war er in den schwierigen Anfangsjahren der erste Rektor.

Selbst seine Emeritierung mit fast 72 Jahren stellte keinen Endpunkt in Stadlers Schaffen dar. Das Ludwig Boltzmann Institut führte er mit ungebrochener Energie, bei ihm, in seinem Haus, liefen noch immer die Fäden zusammen, auch die zwischen den nunmehr an anderen Universitäten arbeitenden ehemaligen Schülern und Rudolf Ardelt, dem Nachfolger am Linzer Lehrstuhl. Er war bis zuletzt eine Institution. Mit seinem Tod ging für die österreichische Geschichtswissenschaft eine Epoche zu Ende. Stadlers Nachfolger müssen mit der Hypothek leben, an seinen Verdiensten gemessen zu werden.

Helmut Konrad