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2007

(zusammengefasst aus den Texten von) ALFONS KRIEGLSTEINER (13.04.2007 und 27.04.2007, OÖN Textarchiv)

Macke-Award für die richtige Angel-Technik

Der 29-jährige Schärdinger Josef Madl (29) versteht sich auf die publikumswirksame Vermittlung der Wissenschaft. Für seine Diplomarbeit im Fachbereich Physik an der Johannes Kepler Universität gewann er den renommierten Wilhelm Macke-Award. Madls Vortrag, in dem er am Beispiel des HDL-Cholesterins Bau- und Wirkungsweise einer kombinierten Anlage aus Fluoreszenzmikroskop und Atomkraft-Rastermikroskop veranschaulichte, wurde im "Finale" der besten Vier von der
Jury aus HTL- und AHS-Schülern und Physik-Lehrern am besten bewertet.
Madl setzte sich gegen Isabella Derler, Thomas Hörmann (beide aus Linz) und Bernhard Mandl aus Wels durch.


Raster-Kraftmikroskop

Josef Madl bewegt sich in lichten Höhen. Der größte Wunsch des passionierten Bergsteigers: einmal einen Achttausender erklimmen. Als Physiker hat er es fast schon so weit gebracht: Er gewann den Wilhelm-Macke-Award. 2400 Euro gibt's für den Sieg, dazu den Linzer "Physik-Oscar", eine aus Kupferringen bestehende Trophäe, postiert auf einem Edelstahlsockel. Verliehen wird er von der von Wilhelm Macke, dem "Vater" des Linzer Physikstudiums, gegründeten Macke-Stiftung.

OÖN: Glückwunsch zum Sieg! Was war Ihr Thema?

MADL: Der Titel lautete "Sehen und Tasten: Mehr Sinne erfahren mehr!" Der Titel war als Analogie gedacht. Ich habe in meiner Diplomarbeit am Institut für Biophysik zwei Mikroskopie-Techniken verbunden, die sich mit Sehsinn und Tastsinn vergleichen lassen, nämlich ein Fluoreszenz-Mikroskop und ein Raster-Kraftmikroskop.

OÖN: Wie kann man sich das als Laie vorstellen?

MADL: Wir untersuchen mit beiden Methoden biologische Proben, zum Beispiel lebende Zellen. Das Fluoreszenz-Mikroskop macht mit Hilfe von Laserlicht spezielle Farbstoffe sichtbar. Mit diesen Farbstoffen werden die gewünschten Zellbestandteile markiert und so aufgespürt. Das Raster-Kraftmikroskop tastet ähnlich einem Schallplattenspieler mit einer winzigen Nadel die Zellprobe ab. So wird die Struktur der Zelle sehr genau wiedergegeben.

OÖN: Was wird auf diese Weise gesichtet und betastet?

MADL: Zum Beispiel die Andockstellen der Zellen für HDL. Das HDL ist ein Cholesterin-Transporter im Blut, der überschüssiges Cholesterin aus dem Gewebe zurück in die Leber verfrachtet. HDL wird deshalb auch das "gute Cholesterin" genannt. Der Andockprozess kann mit dem Fluoreszenz-Mikroskop direkt beobachtet
werden.

OÖN: Und wie kann man der Zelle mit der Nadel des Raster-Kraftmikroskops auf den Leib rücken?

MADL: Wie gesagt, kann man damit die Struktur der Zelle sehr präzise ertasten. Man kann diese Nadel aber auch anders einsetzen. Dafür wird das HDL an ihre Spitze gehängt und dann wie eine Angel ausgeworfen. Das Partikel kann an den Rezeptor an der Zelloberfläche binden.

OÖN: Klingt nach einem Köder, an den ein Fisch beißt.

MADL: Ja, nur dass der "Fisch" nicht aus dem "Wasser" geholt wird, sondern die Stärke des "Zubeißens", also der Bindung zwischen Molekül und Rezeptor, getestet wird. Man zieht so lange an der Angel, bis die Verbindung reißt. Auf diese Weise lerne ich mehr darüber, wie diese Bindung funktioniert.

OÖN: Und wozu braucht man dabei den Sehsinn - also das Fluoreszenz-Mikroskop?

MADL: Das braucht man, wenn man nicht blind fischen möchte. Wenn ich die "Fische" leuchten sehe, werfe ich die "Nano-Angel" genau dort aus und habe so besseren Fangerfolg.

OÖN: Ihre Arbeit war vorwiegend technischer Natur. Wo lagen die Herausforderungen?

MADL: Zuerst einmal musste ich beide Techniken lernen und dann die Mikroskope "zusammenbasteln" sowie Störquellen entfernen. Vor allem das Raster-Kraftmikroskop ist extrem empfindlich und reagiert auf kleinste Schwingungen. Deshalb musste vieles umgebaut werden. Ein paar Mal habe ich gedacht, es wird nie funktionieren. Dann muss man einmal abschalten und es wieder und wieder versuchen, bis es klappt.

OÖN: Und wie schaffen Sie es, abzuschalten?

MADL: Beim Bergsteigen mit einem Freund, am liebsten im Toten Gebirge oder im Gesäuse. Am Berg gibt es nur noch eines - die Wand und den nächsten Griff. Da vergisst man alles andere.

OÖN: Welcher Berg steht im Sommer auf dem Programm?

MADL: Im Spätsommer ruft heuer die Dachstein-Südwand. Irgendwann möchte ich aber schon einen Achttausender bezwingen. Das wäre mein größter Wunsch - und vielleicht irgendwann eine Professur.

OÖN: Ihre Bestzeit beim Linz-Marathon?

MADL: Etwa drei Stunden und 42 Minuten.

OÖN: Damit sind Sie wohl der Fitteste an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät?

MADL: Bei weitem nicht! Prof. Gerhard Schütz, mein Diplomarbeitsbetreuer, schafft es unter drei Stunden.