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2004

(zusammengefasst aus den Texten von ) ROBERT STAMMLER UND FRIEDRICH SALMEN (16.04.2004 und 17.04.2004, OÖN Textarchiv)

in Frauenhänden: ein "Oscar" für drei Physik-Meister

Der begehrte "Physik-Oscar" an der Linzer Kepler-Uni wurde diese Woche zum vierten Mal vergeben. Erstmals ist der Sieger weiblich: die Physikerin Ingrid Graz. "Mit leuchtenden Zellen Allergien auf der Spur" lautete das Thema des zur Pollenflugsaison passenden Vortrags, in dem Ingrid Graz ihre Diplomarbeit am Institut für Biophysik auf den Punkt brachte.

Drei Kandidaten waren angetreten, um ihre preisgekrönten Diplomarbeiten den 200 Gästen an der Uni Linz zu präsentieren. Entschieden wurde die Wahl der besten Nachwuchsphysikerin von Schülern. Beim Auszählen der Stimmen herrschte im Saal knisternde Spannung. Je 1200 Euro überreichte Univ.-Prof. Urbaan Titular Richard Denk (24) aus Hofkirchen im Traunkreis ("Mit Mikrokugeln zu Nanostrukturen") und Patrick Rauter (25) aus Linz ("Nanostrukturen für Zweifarben-Wärmedetektoren"). Der 24-jährigen Salzburgerin gelang es, den komplexen Sachverhalt verständlich darzustellen, sie wirkte souverän und kompetent ("dabei war ich am Anfang reichlich nervös!"). Für sie gab es 2400 Eur.

Gute Jobaussichten

Absolventen der Physik müssen sich über Chancen am Arbeitsmarkt keine zu großen Sorgen machen: "Unsere Studenten kommen leicht unter. Viele Firmen fragen bei uns an, wo sie gute Leute herbekommen", berichtet Urban Titulaer, Professor am Institut für Theoretische Physik. Und nicht nur in klassischen Bereichen wie Labor und Forschung: Auch im Management von Banken oder Versicherungen sind Physiker als kühle Rechenprofis gefragt.

Das denkt auch Preisträgerin Ingrid Graz. Die 24-jährige Salzburgerin hat ihr Physikstudium in Mindeststudienzeit absolviert. Mit ihrer prämierten Diplomarbeit "Mit leuchtenden Zellen Allergien auf der Spur" hat sie sich erfolgreich in das Neuland Biophysik eingearbeitet. Darin beschreibt die Absolventin, wie es in den Zellen - verursacht durch körperfremde Substanzen (Antigene) - zu allergischen Reaktionen kommt. Mit ihrer Arbeit ist ihr ein wichtiger Beitrag dazu gelungen, den molekularen Aufbau der Kanäle zu entschlüsseln, die für das Auftreten von allergischen Reaktionen verantwortlich sind.

"Jeder muss kämpfen"
Zehn Prozent der Österreicher leiden an Allergien. Hauptverantwortlich für die Auslösung einer Allergie ist die Überreaktion von Mastzellen auf eine Stimulierung des Immunsystems. Eine körperfremde Substanz (= Antigen) wird beim Erstkontakt als bedrohlich eingestuft, es kommt zur Bildung bestimmter Antikörper (IgE). Diese schwimmen nicht nur im Blut, sondern sitzen auch auf den Rezeptoren der Mastzellen.

Bei einem weiteren Kontakt mit dem Antigen wird der Fremdstoff von den Antikörpern der Mastzellen "arretiert", es kommt zu einer Vernetzung der Rezeptoren. Auf ein "Schlüsselsignal" hin werden über winzige Kanäle Kalzium-Ionen in die Mastzellen eingelassen. Das Kalzium veranlasst sie zur Ausschüttung allergieauslösender Stoffe wie Histamin und Serotonin.

Mit Hilfe der Fluoreszenzmikroskopie gelang es der neuen "Oscar"-Preisträgerin, die sich in ihrer Freizeit künstlerisch betätigt und ihren Urlaub am liebsten in Skandinavien verbringt, den molekularen Aufbau dieser "Ionen-Kanäle" zu entschlüsseln: Es handelt sich um komplex gebaute Proteine. Dazu nutzte sie Moleküle, die das Kalzium in den Mastzellen zum "Leuchten" bringen.

Blockade für Proteine

Bei einer allergischen Reaktion dürfte das untersuchte Kanalprotein mit verwandten Proteinen interagieren. Diese "Helfer" sollen in weiteren Studien identifiziert werden - mit dem Ziel, eines Tages sämtliche für den Einstrom von Kalzium verantwortlichen Proteine blockieren zu können.


Neben ihrem Studium war Ingrid auch für das Projekt "FIT" - "Frauen in die Technik" engagiert. In den oö. Schulen versuchte sie, Mädchen für technische Studien zu interessieren. Haben es Frauen im Technikstudium schwerer als die männlichen Kollegen? "Nein", widerspricht sie. "Jeder muss kämpfen, um das Studium zu schaffen", sagt die Absolventin, einzige Frau in ihrem Jahrgang. "Wer es sich ganz fest vornimmt, schafft das Studium auch."
Graz will später "in der Industrie arbeiten oder unterrichten".