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Tagungsort

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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Inhalt:

Sviatoslav Pacholkiv: Vom weißen Adler zum Doppeladler. Weltliche und geistliche Obrigkeit und die Juden in Galizien vor und nach 1772

Nach der ersten Teilung Polens 1772 mussten sich die Juden der Palatinate Rotreßen, Bels, zum Teil auch Krakau, Sandomir, Wolhynien und Podolien mit einem Herrschaftswechsel von der polnischen Adelsrepublik zur österreichischen Herrschaft und somit neuen Machtverhältnissen mit Kontinuitäten und Veränderungen abfinden. Der Vortrag untersucht, welche Strategien die jüdische Bevölkerung entwickelte, um sich im Spannungsfeld zwischen der österreichischen Landesadministration, dem polnischen Adel und der katholischen Kirche zu behaupten und ihre Existenz zu sichern. Durch zwei Jahrzehnte führte der Habsburgische Staat zahlreiche neue Gesetze und Verordnungen ein: Theresianische Heiratseinschränkungen, die Aufhebung der autonomen jüdischen Gemeindeverwaltung (Kahal) und Gerichtsbarkeit, der Zwang zum aufgeklärten deutsch-israelitischen Schulwesen und das Josephinische Namensedikt von 1787 veränderten die traditionellen Strukturen von Familie und Gemeinde. Erhöhung der bestehenden und Einführung von neuen Steuern sowie die damit verbundenen neuen Erfassungsmethoden der jüdischen Bevölkerung, Einschränkung traditioneller jüdischer Wirtschaftsaktivitäten und versuchte „Produktivierung“ sowie die Verpflichtung zum Kriegsdienst betrafen als aufgeklärt-absolutistischen Neuerungen das gesamte jüdische Kollektiv. Hauptsächlich als Mittel zur „bürgerlichen Angleichung“ gedacht, griffen sie in tief das jüdische Leben ein und stießen vielfach auf Ablehnung und Widerstand. Entsprechend einfallsreich und hartnäckig waren die Strategien, die jüdische Autoritäten, aber auch Privatpersonen gegen diverse Verordnungen entwickelten.