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Eva C. Heesen: Ein informeller Zugangsweg zum britischen König – Die Sicht Metternichs auf den Repräsentanten der welfischen Dynastie in Hannover zwischen 1820 und 1837

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Zwischen 1816 und 1837 lebte einer der Söhne Georgs III., der Herzog von Cambridge, als Repräsentant der Familie in Hannover. Er bekleidete dort offizielle Positionen als General-gouverneur und Vizekönig und war sowohl in militärische als auch zivile Belange der hannoverschen Politik eingebunden.

Die Berichte der österreichischen Gesandten zeigen, dass diesem Repräsentanten größere Bedeutung beigemessen wurde, als er tatsächlich hatte. Diese überhöhte Wahrnehmung erklärt sich vor dem Hintergrund des Kampfes, den Staatskanzler Metternich in den 1820/30er Jahren gegen die liberalen und konstitutionellen Bewegungen in den deutschen Staaten führte. Sein rigider Konservatismus hatte zu Konflikten mit den Befürwortern der liberalen Strömungen geführt, unter ihnen auch britische Premier- und Außenminister. Vor allem Palmerston trat ihm verbal deutlich in den Weg, als er 1832 alle konstitutionellen Staaten zu den natürlichen Verbündeten Großbritanniens erklärte und ihnen damit seine klare Unter-stützung zusagte.

Da Wilhelm IV. hingegen als König von Hannover zur gleichen Zeit die sechs Artikel unterzeichnet hatte, die als Werkzeuge gegen diese Strömungen innerhalb des Bundes dienen sollten, versprach sich Metternich vom Souverän selbst mehr Beistand als von dessen britischem Kabinett. Ihm war bewusst, dass auf Grund der ideologischen Differenzen mit den Ministern jedwede Unterstützung aus deren Reihen unrealistisch war. Daher erwog er andere Wege, Kontakt zum und bestenfalls Einfluss auf den britischen König zu erhalten. Camb-ridge bot sich, als Repräsentant der Familie auf dem Kontinent, als direkter Zugang zum Mo-narchen unter Ausschaltung des Ministeriums an. Die verwandtschaftliche Beziehung ermög-lichte den privaten Briefkontakt, und das gute Verhältnis zwischen den Brüdern ließ den Herzog als einen praktischen, informellen Kommunikationskanal erscheinen, über den Metter-nich seine Ideen weitergeben zu können hoffte. Das britische Ministerium, welches sich Einfluss auf die Belange des Deutschen Bundes sichern wollte, wäre hierdurch zu umgehen gewesen.

Besonders deutlich wurden Metternichs Erwartungen im Zusammenhang mit einer geplanten Reise des Herzogs zur Krönung von Kaiser Ferdinand 1835. Zwar kam diese Reise schließlich nicht zustande, doch wird aus der vorangegangenen Korrespondenz klar, dass der han-noversche Vizekönig in erster Linie auch als britischer Prinz wahrgenommen wurde und ent-sprechend diesem Status empfangen und untergebracht werden sollte. Die starke Sorge des britischen Kabinetts vor Cambridges möglichen politischen Aktivitäten führte dazu, dass Wel-lington die Reise nach Wien am Ende unterband.

Den macht- und verfassungspolitischen Strategien lagen somit nicht zuletzt wechselseitige Rezeptionen und (Miss-)Verständnisse des jeweils anderen politischen Systems und seiner Einwirkungschancen zugrunde. Auf dieser wahrnehmungs- und beziehungsgeschichtlichen Dimension liegt ein Fokus des Vortrags.