Seitenbereiche:



Menü des aktuellen Bereichs:

Zusatzinformationen:

Tagungsort

Hier den Alternativtext zum Bild eingeben!

Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


Positionsanzeige:

Inhalt:

Großbritannien und das Reich 1700-1840 – politische Beziehungsgeschichte(n) abseits der großen Bühnen

Vorsitz: Stefan Ehrenpreis, Niels Grüne
Kommentar: Michael Schaich

14.9.2015, 14.00–16.30

SZ 1

Niels Grüne

Von deutschen „Wiches“ und „Thoris“. Das britische Regierungssystem in der politischen Literatur und Argumentationspraxis des Alten Reichs im 18. Jahrhundert

Solveig Grebe

Reich und Reichstag des späten 18. Jahrhunderts in der Wahrnehmung britischer Diplomaten

Claus Oberhauser

Die Berichte des britischen Geheimagenten Alexander (Maurus) Horn (1762-1820) von 1805 bis 1811

Eva C. Heesen

Ein informeller Zugangsweg zum britischen König – Die Sicht Metternichs auf den Repräsentanten der welfischen Dynastie in Hannover zwischen 1820 und 1837

 

Im Gegensatz zur Erforschung des frühneuzeitlichen Frankreich spielt die britische Welt des 17. und 18. Jahrhunderts in der österreichischen Geschichtswissenschaft momentan nur eine nachrangige Rolle. Die geplante Sektion will dazu beitragen, dieser tendenziellen Vernachlässigung gegenzusteuern, und exemplarisch für lohnende Themenfelder auf dem Gebiet der politischen Beziehungsgeschichte sensibilisieren.

Für eine kulturhistorisch inspirierte politische Beziehungsgeschichte zwischen frühneuzeitlichen europäischen Gesellschaften sind in unserer Perspektive – neben diplomatischen Kontakten – vor allem langfristig wirkende Verflechtungen und die wechselseitige Rezeption sozialer und herrschaftlicher Entwicklungen von Interesse. Das Reich und Großbritannien sollen hier nicht so sehr als staatliche Entitäten, sondern als Räume unterschiedlicher Ord-nungsmuster begriffen werden, welche die Zeitgenossen in Hinsicht auf Gemeinsamkeiten und Differenzen, Selbstvergewisserungs- und Adaptionspotentiale reflektierten. Aus diesem Blickwinkel wandelt sich der ‚Systemvergleich‘ von einer retrospektiven Analysemethode zu einer denk- und handlungsprägenden Kommunikationskategorie auf der Ebene der zeitgenössischen Akteure.

Von den konkreten Berührungspunkten politischer, wirtschaftlicher und intellektueller Art ausgehend, fragt die Sektion nach Akteuren, Medien, Kontexten und Inhalten der beiderseitigen Wahrnehmung und nach dem Umgang mit den jeweils ‚anderen‘ Ordnungskonzepten. Das Wissen über die jeweilige institutionelle Verfasstheit, die politischen Kommunikationsformen und den Kampf politischer Ideen wurde durch spezifische Vermittler und durch spezifische Informationskanäle weitergegeben und in den Praktiken der Rezeption verändert.

Die besondere Forschungsrelevanz erhält unser Panel durch die Auswahl der Räume und den skizzierten Untersuchungsfokus: Das Reich und Großbritannien waren zwar nicht benachbart, gelten als institutionell und gesellschaftlich völlig unterschiedlich verfasst und im Hinblick auf die frühneuzeitliche globale Dimension als höchst ungleich engagiert. In erweiterter beziehungsgeschichtlicher Sicht tritt jedoch eine Vielfalt und Intensität politischer Rezeptionsprozesse hervor, die bislang häufig unterschätzt worden ist. Für den frühneuzeitlichen „Erfahrungsraum Europa“ (H. Duchhardt) ist diese über herkömmliche kontinentaleuropäische Beziehungsgeschichten hinausreichende Dimension besonders interessant, da sie zu einer historiographischen Neubewertung der Beziehungen zwischen Mittel- und Westeuropa einlädt.