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Tagungsort

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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Ellinor Forster: Verwaltungskonkurrenzen an der Grenze: Wettstreit um Raum und Bevölkerung zwischen Salzburg und Tirol im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert

Resultierend aus der nicht ungewöhnlichen Rechtspluralität des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit waren die Pfleggerichte Itter im Brixental, Fügen und Zell im Zillertal sowie Windischmatrei und Lengberg im Grenzgebiet zwischen dem Erzstift Salzburg und der habsburgischen Grafschaft Tirol keineswegs so eindeutig der Salzburger Landesherrschaft zuzurechnen, wie diese es beanspruchte. Sie setzte dort zwar die Pfleger ein, doch kamen in diesen Gerichten auch der Grafschaft Tirol Rechte zu, wie etwa die hohe Gerichtsbarkeit, die gemeinsame Nutzung von Bergwerken oder der Holzbedarf für die eigenen Schmelzwerke. Dies hatte seit dem 16. Jahrhundert immer wieder zu Schwierigkeiten und in der Folge zu neuerlichen Verträgen geführt. Im späten 18. und beginnenden 19. Jahrhundert intensivierten jedoch beide Seiten ihre Anstrengungen, diese Rechtspluralität zu jeweils ihren Gunsten zu beseitigen und die eigene Verwaltung dort flächendeckend durchzusetzen. Dieser vielschichtige Prozess wurde – vor dem Hintergrund der jeweiligen Katastrierungsunternehmen und Seelenkonskription – etwa auch mithilfe von Aneignung des Raums durch Landkarten und Hausnummerierung ausgetragen. Durch Vermessungsarbeiten und Anbringen der Hausnummern kam die Bevölkerung direkt in Kontakt mit diesen Bemühungen.

Im Kontext dieser Aneignungsstrategien wird sich der Blick der Präsentation weniger auf die Kontrahenten der oberen Behörden in Salzburg, Innsbruck und Wien, sondern auf die Vorgänge in den betroffenen Gerichten richten. Die lokalen Verwaltungsbeamten wurden aufgrund ihrer Ortskenntnisse eng in die Argumentationsführung miteinbezogen, waren jedoch ihrerseits auf die Kommunikation mit der Bevölkerung und deren Stellungnahmen angewiesen. Damit standen nicht nur konkurrierende Verwaltungspraktiken zur Debatte, sondern letztlich auch die Frage nach einer „Salzburger“ oder „Tiroler Identität“ der Bevölkerung – die sich für die Betroffenen je nach eigenen Interessen formulieren ließ.

Dazu kamen dynamisierend die Ereignisse der Napoleonischen Kriege, die zum einen Grenz-verschiebungen mit neuen territorialen Zugehörigkeiten und Verwaltungsstrukturen mit sich brachten und zum anderen der Bevölkerung durch die Erhebungen von 1809 ein viel breiteres Handlungsfeld eröffneten, den Beamten fordernd gegenüberzutreten und Verwaltungspraktiken zu verhandeln.