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Josef Löffler: Die grundherrschaftliche Verwaltung im Vormärz

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Die Institution der Grundherrschaft war bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1848 mangels eigener Unterbehörden des Staates „das maßgebende Strukturelement für die gesamte innere Ordnung“1. Konträr zu diesem Befund zeigt sich der Forschungsstand: Im Vergleich zur staat-lichen Verwaltung ist die Verwaltung der Grundherrschaften, besonders für das 18. und 19. Jahrhundert, in der Forschung stark unterbelichtet. Der geplante Beitrag wird sich vor allem auf eigene Quellenstudien über die Stiftsherrschaft Klosterneuburg und die Güter der Fürsten von Liechtenstein stützen.

Die theresianische Staatsreform als eine der zentralen Zäsuren der österreichischen Verfas-sungs- und Verwaltungsgeschichte markierte den Anfang eines mehrere Jahrzehnte dauernden Prozesses der zunehmenden Eingliederung der Grundherrschaften in das Verwaltungssystem des neu geschaffenen böhmisch-österreichischen Kernstaates. Kennzeichnend dafür waren unter anderem die zunehmenden Eingriffe des Staates in das Verhältnis zwischen Herrschaften und Untertanen und die Einrichtung der Kreisämter als Kontrollinstanz der grundherrschaftlichen Verwaltung. Die Konsequenz dieser Entwicklung war, dass die Herrschaftsvorsteher immer mehr zu einer staatlichen Behörde erster Instanz wurden. Dieser Prozess kam in josephinischer Zeit durch die Untertanengesetzgebung, im Zuge derer die Herrschaften zunehmend ihren feudalen Charakter verloren, zu einem Abschluss. Die Herrschaftsbeamten waren in der „öffentlichen Verwaltung“ nur mehr den vorgesetzten staatlichen Behörden verantwortlich, den Grundherren wurde in diesem Bereich mit Ausnahme einer allgemeinen Kontrolle jeglicher Einfluss auf die Amtstätigkeit der Beamten verboten.

Die grundsätzliche Stellung der Grundherrschaften im Verwaltungsgefüge verblieb nach den josephinischen Reformen im Wesentlichen bis 1848 unverändert. Die normativen Bestim-mungen für die Bestellung und die Amtsführung der Beamten wurden aber weiterhin stark ausgeweitet. Nach einem einleitenden allgemeinen Überblick über die grundherrschaftliche Verwaltung im Vormärz, bei dem das Verhältnis zwischen den Kreisämtern und den Grund-herrschaften im Mittelpunkt des Interesses stehen wird, wird sich mein Beitrag vor allem mit dem Beamtenpersonal beschäftigen. Dabei werde ich auf folgende Themenbereiche eingehen:
- Die Besoldung (Geldbesoldung, Naturaldeputate, Akzidenzien) sowie den Lebensstandard der Beamten. Zu diesem Komplex wird auch die soziale Absicherung im Alter und im Krankheitsfall gehören.
- Die Karriereverläufe der Beamten inklusive der Rekrutierung und Ausbildung. Als Quellenbasis dafür dienen unter anderem die seit Ende des 18. Jahrhunderts für die grundherrschaftlichen Beamten von staatlicher Seite verpflichtend vorgeschriebenen Conduitelisten.
- Die Interaktion zwischen Beamten und Untertanen, sowohl was die „öffentliche Verwaltung“ als auch den grundherrschaftlichen Bereich (z.B. die Einhebung der Feudalabgaben) betrifft.
- Die Kontrolle der Beamten durch die Grundherrn in ihrer Dienstausübung und deren soziale Disziplinierung im privaten Bereich.


1. Alfred HOFFMANN, Bürokratie insbesondere in Österreich, in: Beiträge zur neueren Geschichte Österreichs, hg. von Heinrich FICHTENAU–Erich ZÖLLNER (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 20, Wien–Köln–Graz 1974) 13–31, hier 13.