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Andreas Gottsmann; Wien und Rom vor dem Ersten Weltkrieg: eine schwierige Partnerschaft

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das österreichisch-italienische Verhältnis von schweren Krisen gekennzeichnet. Die hinsichtlich der Forderung nach einer italienischen Universität eskalierende in-nenpolitische Irredentismus-Problematik wurde durch außenpolitische Kontroversen im Adriaraum (Annexionskrise, Albanienkrise) verstärkt. Dennoch zeigte sich in diesen Jahren ein intensives Konfliktmanagement und auf beiden Seiten ein ehrliches Bemühen um Deeskalation. Entstehende Krisen wurden durch ein auf intensiver Kommunikation aufbauendes politisches Instrumentarium abgefan-gen, eine militärische Konfrontation wurde nicht angepeilt. Erst in den Monaten vor Kriegsausbruch ging diese politische Balance verloren und radikale Stimmen bekamen die Oberhand. Das sich auf Kontroversen konzentrierende Narrativ des Ersten Weltkriegs überdeckt bis heute diese auf ein friedliches Zusammenleben und auf Kooperation ausgerichtete Funktion von Politik und Diplomatie in der Vorkriegszeit. In der Zwischenkriegszeit wurde diese negative Sichtweise auf italienischer Seite durch die faschistischen Nationalitätenpolitik in Südtirol sowie die Übersteigerung eines anti-österreichischen Risorgimento-Mythos („Völkerkerker“) sowie durch die österreichische Interpretation des italienischen Treuebruchs und Verrats im Ersten Weltkrieg verstärkt, erst im zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts wurden diese Ressentiments langsam überwunden.