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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Waltraud Schütz: Die Mädchenschule der Therese von Dreger. Gender und Agency in der Forschung über Bildung und Erziehung im 19. Jahrhundert

Mit Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in verschiedenen Regionen der Habsburgermonarchie private Mädchenschulen. Der Begriff „Mädchenschule“ umfasste verschiedene Schultypen, von so genannten „Arbeits- oder Industrieschulen“, in denen Handarbeiten unterrichtet wurde, bis zu „Erziehungsanstalten“, in denen alle Pflichtgegenstände, sowie Handarbeiten, oft auch Tanz, Französisch und weitere Fächer angeboten wurden. Eine dieser Erziehungsanstalten verbunden mit einem Internat war die Mädchenschule der Therese von Dreger. Diese „Erste Österreichische Hausfrauen-Bildungs-Anstalt“ befand sich von 1832 bis 1843 zuerst in Jedlesee, dann in Währing bei Wien.

In diesem Beitrag werden durch die Fallstudie des Schulprojekts der Therese von Dreger einige Themenfelder berührt: die Korrespondenz zwischen kirchlichen und staatlichen Schulbehörden und der Schulbesitzerin gibt Auskunft über institutionelle Praktiken, sowie herrschende soziale und gesellschaftliche Normen und Ängste. Die Schule, betrieben als ein Gutshof, war zugleich das Zuhause der Schulbesitzerin und ihres Ehemannes Gottfried von Dreger und deren Kindern. Mit Susan Gal’s Konzeption des Privaten/Öffentlichen (2002) wird aufgezeigt, wie das Private immer auch Öffentlich und Politisch ist und diese Verflochtenheit in der Schulorganisation sichtbar wird. Damit verbunden findet sich das bürgerliche Ideal der Kleinfamilie, verstanden als Kern der im 18. Jahrhundert aufkommenden domestic ideology, in der Organisation der Schule und in Werbungen für, und Berichten über, die Erziehungsanstalt wieder. Als weiteres Themenfeld werden geschlechterspezifische Verhaltensnormen in Bezug auf Körperhaltung und das Sehen und Blicken am Beispiel der Hausfrauen-Bildungs-Anstalt diskutiert. Als Quelle dafür dienen Schriftstücke in Bezug auf eine Ausstellung genannt „Panopticon“, die der Ehemann der Schulbesitzerin am Gelände der Hausfrauen-Bildungsanstalt im Juni 1842 eröffnete. Landschaftsbilder mit optischen Spezialeffekten wurden in mehreren Räumen montiert, die Schulbehörden äußerten in diesem Zusammenhang starke Besorgnis über das Wohl der Zöglinge der Mädchenschule.

Ein wichtiger Aspekt der Präsentation ist das Aufzeigen und Sichtbarmachen der Handlungsspielräume der unterschiedlichen Akteure, besonders der Schulbesitzerin Therese von Dreger; daher wird der Beitrag mit einem Resümee über die Rolle von Agency enden.