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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Inhalt:

Elisabeth Berger: Historische Lebenswelt(en). Die Ernährung der k. (u.) k. Soldaten in der Habsburgermonarchie (1867–1914) am Beispiel des „k. u. k. Infanterie-Regimentes Leopold II. König der Belgier Nr. 27“

Die Frage der Ernährung war innerhalb des Militärs von großer Bedeutung – einerseits aufgrund ihrer Normierung und der damit verbundenen Frage der „richtigen“ Ernährung von Soldaten und andererseits weil ihr hinsichtlich der Zufriedenheit der Wehrpflichtsoldaten hohe Relevanz zugeschrieben wurde.

Im Fokus des Vortrages stehen die medizinisch-diätischen Konzepte und ihre Umsetzung in der Ernährungspraktik der k. (u.) k. Armee von 1868 bis 1914 am Beispiel des „k. u. k. Infanterie-Regimentes Leopold II. König der Belgier Nr. 27“. Dabei soll der militärmedizinische Diskurs, sein Einfluss auf Ernährungsvorschriften und deren Umsetzung in der Ernährungspraktik im Spannungsfeld gesundheitlicher Überlegungen, Ernährungspräferenzen der Soldaten und geschlechtlicher Identität vorgestellt werden.

Die Untersuchung orientiert sich an den theoretischen Überlegungen von Rudolf Vierhaus zur Rekonstruktion historischer Lebenswelten. Dies bedingt sowohl die Frage nach der Diskrepanz zwischen Norm und Wirklichkeit hinsichtlich der sozialfaktischen Lebensumstände der Soldaten im Bereich der Ernährung als auch die Berücksichtigung des geistig mentalen Bereiches und der sozialen und kulturellen Bezugsfelder. Basierend auf den theoretischen Überlegungen sind ein Ansatz, der sozial-und kulturhistorische Fragestellungen und Methoden verbindet, und die Bearbeitung von Quellen unterschiedlicher Provenienz und Umfangs notwendig.

Die Frage nach der „richtigen“ Ernährung von Soldaten war ein anhaltendes Thema im zeitgenössischen militärmedizinischen Diskurs. In einem ersten Schritt werde ich durch die Analyse von militärmedizinischen Zeitschriftenartikeln („Der Militärarzt“) zeigen, welche medizinisch-diätischen Konzepte dargelegt wurden, wie sich diese im Untersuchungszeitraum veränderten und welche Argumentationsmuster zu tragen kamen. Standen etwa Überlegungen hinsichtlich der Gesundheit und Leistungsanforderung im Vordergrund? Wurde explizit oder implizit geschlechtsspezifisch argumentiert?

Anschließend wird der Einfluss des militärmedizinischen Diskurses thematisiert werden. Mittels der Analyse der „Österreichischen Militärischen Zeitschrift“ gehe ich der Frage nach, ob und wie die medizinisch-diätischen Konzepte und der Diskurs über sie im allgemeinen militärwissenschaftlichen Diskurs rezeptiert wurden, und werde zudem die dargelegten medizinisch-diätischen Konzepte mit den normativen Vorgaben im Bereich der Ernährung von Soldaten vergleichen.

Während die Ebene der Ernährungsvorschriften leicht zugänglich ist, ist die Frage nach der Umsetzung der normativen Vorgaben und nach der Ernährungspraktik selbst quellenbedingt eine Herausforderung. Durch die Analyse des bisher nicht erforschten Bestandes des Regimentsarchives des „k. u. k. Infanterie-Regimentes Leopold II. König der Belgier Nr. 27“ werde ich auf Basis der überlieferten administrativen Quellen klären, inwiefern die medizinisch-diätischen Konzepte in die Ernährungspraxis der Soldaten Eingang gefunden haben und der Frage nachgehen, wie die Ernährung im täglichen Leben der Soldaten aussah. Zudem soll mit Hilfe der Ergebnisse von Nahrungsmittelerprobungen im Regiment dargelegt werden, welche Ernährungspräferenzen bei den Soldaten vorlagen.

Der Vergleich des zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurses und der normativen Vorgaben mit der Ernährungspraxis der Soldaten ermöglicht die Diskrepanz zwischen Anspruch, Norm und Wirklichkeit im Bereich der Ernährung darzulegen.

Durch die Untersuchung der Ernährungspraxis können die sozialfaktischen Lebensumstände der Soldaten im Bereich der Ernährung näher beleuchtet werden. Zudem kann damit der Frage nachgegangen werden, wie die Soldaten ihre Ernährung als Teil ihrer Lebenswelt(en) wahrnahmen und erfuhren.