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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Inhalt:

Georg Hoffmann: „Bombenterror“ und „Volksjustiz“. NS-Gewaltverbrechen als Herrschaftsinstrument im Bombenkrieg am Beispiel der Alpen-Donau-Gaue (1943–1945)

Der Vortrag thematisiert mit „Bombenterror und Volksjustiz“ spezifisch nationalsozialistische Deutungs- wie auch Reaktionsmuster im Kontext des alliierten strategischen Bombenkrieges gegen das Deutsche Reich. Im Mittelpunkt stehen dabei jene Verbrechen, die an abgeschossenen alliierten Flugzeugbesatzungen begangen und vom NS-Regime unter der Bezeichnung „Fliegerlynchjustiz“ subsumiert wurden. Dabei wird aufgezeigt, dass es sich keineswegs um „Rachetaten einer durch den Bombenkrieg aufgebrachten Bevölkerung“ handelte, sondern um eine planmäßige Steuerung und Demonstration von Gewalt seitens des NS-Regimes, die in eine forcierte Militarisierung und Rollendeutung der Bevölkerung im Bombenkrieg eingewoben wurde. Damit verband sich die Absicht, die eigene militärische Unterlegenheit im Luftkrieg zu überdecken, negative psychologische Effekte auf ein konstruiertes Feindbild abzuleiten und durch eine offene mediale Thematisierung, Darstellung und Deutung, aber auch die Ausrufung eines „inneren Volkskrieges“ spezifischen Bombenkriegsereignissen „Vergeltungs“-Aspekte zuordnen zu können.
Der Vortrag greift damit eine Thematik auf, die von der Forschung bislang kaum beleuchtet worden ist und die sich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Bombenkrieges zu einem Tabuthema entwickelt hat. Der räumliche Fokus wird dabei auf die ehemaligen Alpen-Donau-Gaue und damit im Wesentlichen auf das heutige Österreich gelegt.

Die Analyse der Thematik gliedert sich in drei Bereiche auf. Am Beginn steht dabei eine Nachzeichnung des Bombenkrieges gegen den Alpen-Donau-Raum, eingewoben in eine Analyse der Wahrnehmung und Deutung desselben. Hierbei geht es um eine 7 Nachzeichnung einer gänzlich neuartigen Kriegsführung im Inneren des Reiches, die – gedeutet und interpretiert – zu spezifischen Wahrnehmungen aber auch Rollendefinitionen führte.

Dies wird in den zweiten Teil überführt, in dem die Militarisierung der betroffenen Bevölkerung („Kämpfer im Luftschutz“), die Postulierung eines „Abwehrkampfes“ und eines darauf ausgerichteten Feindbildes („Terrorflieger“) ins Zentrum gestellt wird. Die zentrale Fragestellung lautet dabei: wie wurden militärische Ereignisse, wie der Bombenkrieg, durch das NS-Regime gedeutet und unter Beteiligung der betroffenen Bevölkerung in einen „Volkskrieg“ überführt? Welche Funktion hatte dieser im Rahmen einer „Herrschaft unter Bomben“?

Der dritte Teil thematisiert schließlich das Gewaltphänomen der „Fliegerlynchjustiz“ respektive „Volksjustiz“ und analysierte die Hintergründe, Ausformungen derselben sowie Aspekte von „Täterschaft“. Abgerundet wird dies durch entsprechende Fallstudien, anhand derer einerseits der Frage nach der Manifestation von Gewalt und andererseits nach der Problematik von Erinnerung und Gedenken nachgegangen wird.
Der entsprechende Analyseansatz besteht dabei aus einer Verknüpfung zwischen einer sozial-und kulturgeschichtlich geprägten Luftkriegsforschung respektive Militärgeschichte mit Fragen und Zugängen der NS-TäterInnenforschung.