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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Inhalt:

Kriegsfürsorge in Österreich-Ungarn 1914/18 zwischen "war effort" und Herrschaftssicherung

Vorsitz: Gunda Barth-Scalmani
Kommentar: Werner Suppanz

15.9.2015, 9.00–12.00

SZ 2

Joachim Bürgschwentner

„den patriotischen Gedanken möglichst zu fördern“ - Offizielle Postkarten im Dienste der gesellschaftlichen Mobilisierung

Matthias Egger

„Die materiellen Opfer sind dringend notwendig“. Die Fürsorge der Habsburgermonarchie für die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen in Russland im Spannungsfeld von staatspolitischen Interessen und Humanität

Nicole-Melanie Goll

„Den Witwen und Waisen gefallener Krieger“. Kriegsfürsorge in der Steiermark. Akteure/Akteurinnen – Initiativen

Richard Lein

Lorbeer für unsere Helden – Ein Überrest des Ersten Weltkriegs im "steinernen Gedächtnis" der Stadt Wien

 

Der Erste Weltkrieg als moderner Massenkrieg barg erhebliches Bedrohungspotenzial für den Fortbestand der Donaumonarchie in sich. Wie konnte – trotz der vielen Verluste, und der damit einhergehenden Desillusionierung, den wachsenden sozialen und nationalen Fliehkräften – der Patriotismus und die Loyalität der Untertanen erhalten bzw. gestärkt werden? Hier setzte die Kriegsfürsorge an; denn eine effiziente und breitenwirksame Kriegsfürsorge sollte einerseits diesen staatspolitisch gefährlichen Tendenzen entgegenwirken, indem sie die Kriegsfolgen abfedern und das Band zwischen der Bevölkerung und dem Staat stärken sollte. Oder wie es der k. k. Ministerialsekretärs Leo Wittmayer 1918 formulierte:

Zu den wichtigsten Vorbedingungen eines gesunden, patriotischen Empfindens gehört eine tüchtige Verwaltung, namentlich eine tüchtige Wohlfahrtspflege, die keine Unzufriedenheit aufkommen lässt. Nicht Worte, sondern Taten entscheiden und namentlich tragen patriotische Werke zur Förderung und Festigung der patriotischen Gesinnung bei.1

Zum anderen fiel der Kriegsfürsorge eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung der Zivilbevölkerung an der sogenannten Heimatfront zu. Im Rahmen der verschiedenen Kriegsfürsorgeaktionen wurden private materielle und personelle Ressourcen für den „war effort“ erschlossen und somit dem Staat zur Verfügung gestellt. Ungeachtet dieser politischen Dimension der Kriegsfürsorge, wurde diesem Aspekt bislang nur wenig Aufmerksamkeit zu Teil. Daher setzt es sich das vorliegende Panel zum Ziel anhand von verschiedenen Fürsorgeaktionen bzw. -bereichen die denselben zu Grunde liegenden staatspolitischen Interessen zu beleuchten und sie hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Kriegsanstrengungen zu untersuchen.

Nicole-Melanie Goll (Graz) widmet sich in ihrem Beitrag unterschiedlichen privaten und halbstaatlichen Institutionen und ihren Tätigkeiten (Heldenkult; Kriegsnagelungen etc.) auf lokaler Ebene am Beispiel des Kronlandes Steiermark. Matthias Egger (Innsbruck) untersucht jene Fürsorgemaßnahmen, die der Habsburgerstaat für seine in Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten und Offiziere setzen sollte, nicht zuletzt um sich deren Loyalität sichern zu können. Joachim Bürgschwentner (Innsbruck) analysiert in seinem Beitrag die Bedeutung der Bildpostkarte für die gesellschaftliche Mobilisierung. Den Abschluss des Panels bildet schließlich Richard Lein (Budapest/Graz) mit der Untersuchung der Fürsorgeaktion „Lorbeer für unsere Helden“.

1. Leo Wittmayer: Die Kriegsbeschädigten Fürsorge, Wien 1918, S.1.