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Nicole-Melanie Goll „Den Witwen und Waisen gefallener Krieger“. Kriegsfürsorge in der Steiermark. Akteure/Akteurinnen – Initiativen

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Bereits einige Monate nach Kriegsbeginn stellten die vielen Witwen und Waisen, einkommenslosen Familien und Kriegsversehrten den Staat vor große Herausforderungen, denen man entsprechend begegnen musste. Die staatlichen Kriegsfürsorge-Institutionen gerieten so sehr rasch an ihre (finanziellen) Leistungsgrenzen. Halbstaatliche und private Initiativen sollten nun Abhilfe schaffen: sie sollten den Staat und dessen Hilfseinrichtungen finanziell aber auch personell entlasten. In diesem Zusammenhang kam der Zivilbevölkerung große Bedeutung zu: sie sollte durch ihre Arbeit in der Kriegsfürsorge ihren patriotischen Beitrag zum „Sieg“ leisten, sollte durch ihre Einbindung in die Kriegsanstrengungen der Donaumonarchie mobilisiert und „auf den richtigen Kurs“ gebracht werden. Diesem „Ruf“ kamen viele an der Heimatfront freiwillig nach. Auf den unterschiedlichen Ebenen wurden in der Folge Vereine und Initiativen gegründet bzw. ins Leben gerufen. Diese stehen nun im Fokus des Vortrages. Eberhard Sauermann hat im Fall von Österreich-Ungarn darauf hingewiesen, dass die staatlichen aber auch halbstaatlichen und privaten Organisationen und Vereine ihre Aktivitäten nicht nur auf die Unterstützung von Militärangehörigen und ihren Familien sowie die Hinterbliebenen richteten, sondern mit den von diesen gesetzten Aktivitäten nicht zuletzt auch für die Fortdauer des Kriegs sorgten. Zudem beteiligten sie sich nicht unwesentlich am staatlich propagierten Militärkult – wie etwa das Beispiel des Österreichischen Flottenvereins und dem von diesem forcierten Heldenkult um den „U-Boot-Helden“ Egon Lerch veranschaulichen wird. Der Vortrag wird zudem aufzeigen, dass diese Vereine nicht „selbstlos“ aktiv wurden, sondern auch auf regionaler wie auch nationaler Ebene mit einer bestimmten Erwartungshaltung verbunden waren und die Tätigkeiten sicherlich nicht zuletzt deshalb gesetzt wurden, um die eigenen Eitelkeiten zu befriedigen. Zudem kam mit Andauern des Krieges oftmals auf staatlicher Ebene geplante und initiierte Hilfe bei den entsprechenden Empfängergruppen nicht an. Dieser Umstand ließ viele Eigeninitiativen („Hilfe zur Selbsthilfe“) mit direkter Verbindung zu den Spendenempfängern aufblühen. Die Kriegsfürsorge war von einem hohen Maß an Freiwilligkeit geprägt. Jedoch wuchs auch mit Fortdauern des Krieges der soziale Druck an der Heimatfront. Denn wer sich an den Aktionen beteiligte, wurde spätestens durch das Tragen von Abzeichen oder dem Erwerb von Urkunden und Auszeichnungen sichtbar und von jenen, die sich an diesen patriotischen Bekundungen nicht beteiligten, klar zu unterscheiden. Somit spielte die Ausübung von (sozialem) Druck (Aufbau von Zugehörigkeiten) eine nicht unwesentliche Rolle in der Kriegsfürsorge an der Heimatfront und soll daher auch in geschlechterperspektivischer Hinsicht näher beleuchtet werden.

Der Fokus der Ausführungen liegt dabei auf dem Kronland Steiermark und seiner Hauptstadt Graz, das gerade in diesem Zusammenhang einige regionale Besonderheiten aufweist, die nicht zuletzt aufgrund des hier verstärkt auftretenden Nationalitätenkonfliktes – der zwar durch die „Burgfriedenpolitik“ eingedämmt werden sollte – besonders hervorstechen. Ein „Massenphänomen“ des Ersten Weltkrieges erscheint gerade in Bezug auf die (Milieu-)Zugehörigkeit der Initiatoren besonders interessant: die Kriegsnagelungen.

Die zentralen Fragestellungen die dem Vortrag zugrunde liegen sollen, lauten:
Welche Eigeninitiativen erwuchsen während des Krieges? Gab es Gegenbewegungen zu den staatlichen Fürsorgemaßnahmen? Wie hoch war der Grad der Selbstmobilisierung?
Welche Milieus bzw. Gesellschaftsschichten wurden in der Kriegsfürsorge aktiv bzw. taten sich besonders hervor? Welche Rolle spielten Geschlechterordnungen und -vorstellungen?
Welche regionalen Besonderheiten (Initiativen, Aktionen etc.) ergaben sich in Bezug auf die Steiermark?