Seitenbereiche:



Menü des aktuellen Bereichs:

Zusatzinformationen:

Tagungsort

Hier den Alternativtext zum Bild eingeben!

Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


Positionsanzeige:

Inhalt:

Thomas Schulte-Umberg: Totensorger und Verwalter der Toten - zur Rolle der k.u. k. Feldgeistlichkeit im Ersten Weltkrieg

Ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog Ferdinand Pawlikowski, der ehemals zweite Mann in der Rangordnung der katholischen Feldseelsorge Österreich-Ungarns, eine Bilanz zur Frage der Personenstandsführung (Militärmatrikel) der Feldgeistlichkeit im Krieg. Bis zum Ende gehörte diese zum Aufgabenbereich der mehr als 3700 Feldkuraten, die die Angehörigen des Heeres und der Marine seelsorglich-rituell zu betreuen hatten. Unter den Bedingungen des Weltkriegs bedeutete das auch das Verzeichnen der Toten, im Fall Österreich-Ungarns von etwa 1,5 Millionen. Zugleich war die Sorge um die Toten aus christlich-katholischer Perspektive eine jener traditionellen priesterlichen Grundaufgaben, die buchstäblich jedem vertraut waren. Wie Personenstandsführung und Totensorge während des Krieges ausgeübt wurden, ist für die Donaumonarchie bisher nicht eingehender analysiert und dargestellt worden. Ein Versuch in diese Richtung wird im Rahmen des Beitrags auf Basis einer Vielzahl von Text- und Bildquellen unternommen.

Im Einzelnen wird es in einem ersten Schritt darum gehen, den Umgang mit den Toten genauer zu beschreiben. Wie wurde ein Toter verzeichnet, wie wurde er begraben, wie wurden die Angehörigen und darüber hinaus die Öffentlichkeit unterrichtet? In einem zweiten Schritt werden die Möglichkeiten und Grenzen der österreichisch-ungarischen Totensorge und Personenstandsführung im Ersten Weltkrieg nachgezeichnet. Wie kam der Feldklerus insgesamt diesen Aufgaben nach, wo lagen die Grenzen, und warum wurde nach dem Krieg, wie es jedenfalls der eingangs angesprochene Ferdinand Pawlikowski und vor ihm schon andere taten, von einem teilweisen Scheitern gesprochen? Totensorge und das Verzeichnen der Toten hatten eine in vielerlei Hinsicht fundamentale Bedeutung. Abschließend wird daher gefragt, wie die zuvor beschriebene Praxis im Kontext der Kriegserfahrungen der Monarchie insgesamt zu verorten ist.