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Herwig Czech: Denkmäler für Opfer der NS-Medizin zwischen Inszenierung, Abstraktion und Aufklärung

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Im Bereich der Shoah ist die Reflexion und kritische Erforschung von Denkmälern und ihrer Beziehung zu Erinnerungsdiskursen und -kulturen bereits seit längerem zu einem eigenständigen Forschungsfeld geworden, das die Errichtung neuer Denkmäler wesentlich mitbeeinflusst. Die Diskussion um Denkmäler für die Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen hat demgegenüber noch kein vergleichbares Diskussionsniveau erreicht. Auch wenn manche grundlegenden Fragen in analoger Weise zum Tragen kommen (z.B. konkrete Darstellungsformen versus Abstraktion in der Umsetzung oder die Frage der Repräsentation individueller Opfer), so ergeben sich auch wesentliche Unterschiede. Der offensichtlichste ergibt sich daraus, dass Denkmäler für die ermordeten Jüdinnen und Juden auf kulturelle und religiöse Bezüge aus dem Judentum zurückgreifen können – ein gutes Beispiel dafür ist das Denkmal am Wiener Judenplatz, das mit der Bibliothek ein zentrales Symbol für die kulturelle Kontinuität des Judentums herausstellt. Demgegenüber sind die Gemeinsamkeiten der Opfer von NS-„Euthanasie“ und anderen Medizinverbrechen allein über Mechanismen der Stigmatisierung und des Ausschlusses durch medizinische (und rassenhygienische) Institutionen und Diskurse herstellbar. Das erschwert eine Identifikation mit den Opfern, die als psychisch krank oder geistig „behindert“ stigmatisiert erscheinen. Nachdem nur eine geringe Zahl von Angehörigen in diesem Zusammenhang hervortreten, liegt das Gedenken zudem oft in den Händen von Institutionen, die in einer direkten Nachfolge zu den „Täterinstitutionen“ stehen.

Vor dem Hintergrund dieser Problematik ist das Ziel des vorliegenden Beitrags eine vergleichende Darstellung verschiedener Gedächtnisorte der NS-Medizinverbrechen in Österreich, wobei das Hauptaugenmerk auf den geschichtspolitischen Aspekten liegen wird. Die Palette reicht dabei von der ehemaligen T4-Vernichtungsanstalt Hartheim bei Linz, wo sich aus spezifischen Gründen bereits sehr früh eine Gedächtniskultur etablierte, über die frühere Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart in Linz, die ehemalige Kindereuthanasie-Anstalt Am Spiegelgrund und die frühere Heil- und Pflegeanstalt Gugging (heute Sitz des I.S.T.A.) bis hin zu einzelnen künstlerischen Auseinandersetzungen in Tirol, Kärnten und Salzburg.