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Cathrin Hermann: Eingeschrieben in die Stadt: Denkmäler und Gedenkkultur an die Opfer des Nationalsozialismus in Linz

Für Linz war in den nationalsozialistischen Planungen der Ausbau zu einem Zentrum auf dem Gebiet des heutigen Österreich und im süddeutschen Raum in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht vorgesehen, der im Bereich der Wirtschaft auch weitgehend realisiert wurde. Zugleich erfuhr Linz auf Grund der biographischen Verbindung Adolf Hitlers zur Stadt und der Ernennung zur einzigen „österreichischen“ Führerstadt im Gegensatz zu anderen österreichischen Städten eine besondere Förderung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Stadt bis 1955 zwischen dem sowjetischen und dem US-amerikanischen Sektor geteilt. Diese Rahmenbedingungen sollen zum Anlass genommen werden, die Entwicklung und die Veränderungen in der offiziellen Erinnerungs- und Gedenkpolitik in Linz genauer zu betrachten. Dabei ist festzuhalten, dass neben städtischen Initiativen auch Denkmäler des Landes Oberösterreich vorhanden sind, in denen sich teilweise bestehende politische Gegensätze widerspiegelten.

Vergleichbar mit anderen österreichischen Städten und Orten lag in Linz nach dem Zweiten Weltkrieg der Schwerpunkt der Erinnerung auf den gefallenen Soldaten und Zivilopfern der Luftangriffe. Sowohl in Urfahr als auch in Linz erfolgten Änderungen bei politisch belasteten Straßennamen, bei den neuen Namen wurden teils Personen den politischen Widerstandes, alte lokale Familiennamen und die Straßennamen aus der Monarchie zurück gegriffen. Weder kam es die Namensgebungen aus der Erster Republik wurden herangezogen, noch bildete sich in Linz wie in anderen zweigeteilten Städten in Urfahr eine explizit linke Gedenkkultur heraus. Abgesehen von einer heute abgekommenen Gedenktafel für die nach dem „Anschluss“ ermordeten Polizisten aus dem Jahr 1945, entstanden erst in den 1950er Jahren vereinzelt Denkmäler für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Diese wurden bezeichnenderweise nicht von der Stadt, sondern von der KPÖ errichtet, welche auch in den folgenden Jahrzehnten weitgehend alleine das Gedenken an die NS-Opfer trug. Offizielle Ehrungen oder Gedenkveranstaltungen von Seiten der Stadt unterblieben aus politischen Gründen. Einschneidende Änderungen in der offiziellen Erinnerungskultur traten erst in den 1980er Jahren auf, da sich Linz als erste Stadt in Österreich intensiv mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit befasste. Neben wissenschaftlichen Untersuchungen und populärwissenschaftlichen Vortragsreihen kam es zur Errichtung mehrerer Denkmäler und zur verstärkten Benennung von Verkehrsflächen nach NS-Opfern. Dabei kann eine zunehmende Einbeziehung bislang wenig oder gar nicht beachteter Opfergruppen festgehalten werden. In den letzten Jahren gewann zudem die Vermittlung in öffentlichkeitswirksameren Formen an Bedeutung, hier sei nur das – nicht unumstrittene Projekt – InSitu aus dem Kulturhauptstadtjahr 2009 oder ein 2012 erschienener Stadtplan mit einer Auswahl an Denkmälern und Gedenkorten zum NS-Regime genannt.

Diese durch Denkmäler und andere Zeichen im Stadtraum repräsentierte offizielle Erinnerungkultur war immer wieder von Einsprüchen und Widerständen durch die Linzer Bevölkerung begleitet. In ihnen zeigen sich vor allem die Probleme im Umgang mit Objekten, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen oder an NationalsozialistInnen erinnern. An dieser Stelle sei nur auf die Rückbenennung der Langothstraße verwiesen, die noch in den 1970er Jahren nach dem NS-Oberbürgermeister Franz Langoth benannt worden war.

Für die zukünftige Erinnerungsarbeit ergeben sich hieraus mehrere Fragen in Bezug auf die Sichtbarmachung von Erinnerungszeichen im Stadtraum. Als erstes ist eine zunehmende Abstraktion in den Denkmälern mit historischen oder politischen Bezügen festzustellen, welche unter Umständen die direkte Zugänglichkeit und Verständlichkeit behindern kann. Für die Thematisierung der NS-Zeit und ihrer Opfer werden somit Wege jenseits vom überwältigenden Pathos der älteren Denkmäler und einer den Inhalt verdeckenden Abstraktion zu suchen sein. Zweitens stellt sich die Frage nach dem Umgang mit besagten, im Stadtraum befindlichen Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus, beziehungsweise Erinnerungsobjekte an Personen mit nationalsozialistischer Vergangenheit. Auf welchem Wege können diese kontextualisiert werden und wie ist mit noch bestehenden problematischen Straßenbenennungen umzugehen?