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Gabriele Fröschl: Medienarchive als Speicher und Gedächtnisorte

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Medienarchive prägen Geschichtsbilder – nicht nur der aktuellen Generation, sondern auch zukünftiger Generationen. Medienarchive unterscheiden sich von den klassischen, staatlichen und kommunalen Verwaltungseinheiten nachgeordneten (Papier-)Archiven, deren Bestand sich durch Verwaltungsakte generiert, dadurch, dass sie nicht nur ein Archiv im klassischen Sinne sondern auch eine Sammlung sind, der eine Sammlungsstrategie zugrunde liegt (oder Ansammlungen, wo Sammlungsstrategien nicht greifen). Sammlungsstrategien der Archive werden kaum hinterfragt und noch seltener transparent gemacht – und wenn, dann meist innerhalb der Archivszene selbst, ein Austausch zwischen Archiven und Forschenden in dieser Thematik ist kaum gegeben. Doch es ist gerade die Sammlungsstrategie, die die Grundlage dafür ist, mit welchen Quellen heutige und künftige Historiker/innen arbeiten können. Bei Medienarchiven kommt hinzu, dass die Sammlungsstrategie auch eng verknüpft ist mit den technischen Möglichkeiten, den Sammlungsbestand zu erhalten. Ausgehend von der Tatsache, dass sich bestimmte Medienformate und ihre dazugehörigen Abspielgeräte nur eine beschränkte Zeit erhalten lassen und die Bestände der Medienarchive alleine aufgrund ihrer Anzahl nicht zur Gänze in die digitale Welt transferiert werden können, ist davon auszugehen, dass heute getroffene Digitalisierungsstrategien zur Konservierung des Gedächtnisses der Archive den Diskurs nachfolgender Generationen zumindest mitbestimmen: Digitalisierung ist ein wesentlicher Aspekt der Sammlungs-und Entsammlungsstrategie in Medienarchiven und die Erhaltungsperspektiven haben auch Einfluss auf die Sammlungsstrategie: Wird nur gesammelt, was sich dauerhaft wiedergeben lässt? Wird auch gesammelt, was sich nicht (mehr) abspielen lässt und so unlesbares Archivgut ist? Welche Sammlungs-und Digitalisierungsstrategien werden in den einzelnen Archiven entwickelt? Welche Sammlungen können übernommen werden auf Basis welcher Entscheidungsgrundlage? Wie sehen die Wechselwirkungen zwischen Sammlungs-, Digitalisierungs-und Publikationsstrategien im Web aus? Welche rechtlichen und ethischen Fragen stellen sich hinsichtlich der Verfügbarkeit von (zeitgeschichtlichen) Medien im Internet? Hier kommt auch ein Paradoxon zu tragen: Die Öffnung der Archive im Internet verengt gleichzeitig auch den Blick auf Archivbestände in ihrer Gesamtheit: Einerseits sind große Bestände an Archivgut digital und sehr leicht öffentlich zugänglich, andererseits verschwinden Medien, die nicht online verfügbar sind, aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit und der Forschung. Der Vortrag will einige der Digitalisierungs-, Sammlungs-und Publikationsstrategien eines Medienarchivs anhand der gelebten Praxis in der Österreichischen Mediathek aufzeigen und zur Diskussion stellen.