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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Eva Hallama: Oral History Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes – Sammlungskontext, Archivierungspraxis und Möglichkeiten der historiographischen Arbeit

In diesem Beitrag soll die Sammlung „Oral History Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes“ vorgestellt werden, die seit Februar 2014 mit Förderung des Nationalfonds der Republik Österreich in der Österreichischen Mediathek aufgebaut wird. Für die Erinnerung an die NS-Zeit waren und sind die Erzählungen von Zeitzeug/innen, die während des NS-Regimes aus unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden, ein wesentlicher und notwendiger Beitrag. Im Jahr 2015 jährt sich das Ende der NS-Herrschaft bereits zum 70. Mal und die Möglichkeiten, Interviews mit Menschen zu führen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden, schwinden von Jahr zu Jahr. Aus diesem Grund hat das genannte Sammlungsprojekt zum Ziel, jene Audio-und Videodokumente, die im Rahmen unterschiedlicher Kontexte mit Zeitzeug/innen produziert worden sind, retrospektiv zu sammeln und langzeitzusichern.

Das Referat orientiert sich dabei an folgenden 3 Fragen:
- Welche vergleichbaren Oral History Bestände gibt es in Österreich und welche
       Unterschiede (z.B. in Bezug auf Langzeitsicherung, Beschlagwortung,
       Archivierungskonzepte und Archivkontexte) sind auszumachen?
- Welche archivologischen und rechtlichen Probleme stellen sich beim Aufbau
       der Sammlung?
- Welche methodologischen Fragen ergeben sich für die historiographische
       Arbeit mit dem so gesammelten Quellenbestand?

Die erste Frage betrifft die spezifischen Umstände des Archivierungsprojekts vor dem Hintergrund vergleichbarer Sammlungen in Österreich. Der zweite Fragenkomplex versucht einer theoretischen Auseinandersetzung mit Archivierungsprozessen Rechnung zu tragen. Bezug genommen wird auf kulturwissenschaftliche Archivtheorien, die das Archiv als Institution fassen, die die Zugänglichkeit von Information reguliert, während die Regulierungsmechanismen und die Archivierungsstrukturen selbst nicht zugänglich und einsehbar sind. Von den Strukturen des Archivierungsprozesses zu sprechen heißt damit auch, die „Bedingungen der Möglichkeit und Wirklichkeit des Wissens“ (Ebeling/Günzel 2009) ein Stück weit sichtbar zu machen. Auch die Klärung rechtlicher Fragen ist ein Teil der Archivierungsbedingungen und entscheidet darüber, ob und in welcher Form die Audio-und Videodokumente zugänglich gemacht werden können und sollen. Der dritte Aspekt des Beitrags widmet sich schließlich den Auswertungsmöglichkeiten der in unterschiedlichen Kontexten entstandenen und auf diese Weise gesammelten Aufnahmen. Die Frage, wie nachkommende Generationen Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes auswerten, die sie nicht selbst geführt und aufgezeichnet haben, deren Entstehungskontexte sie nur zum Teil kennen und in denen die eigenen forschungsanleitenden Fragen nicht gestellt wurden, wird mit dem Verschwinden der Zeitzeug/innen zu einem immer wichtigeren Thema in der Zeitgeschichtsforschung und der NS-Forschung auf Basis autobiographischer Ton-und Videoquellen.


Knut Ebeling/Stephan Günzel: Einleitung. In: Dies. (Hg.), Archivologie. Theorien des Archivs in Wissenschaft, Medien und Künsten. Berlin 2009, 7-26, 14.