Page Areas:



Current Submenu:

Additional Information:
 

Position Indication:

Content

Renée Winter: Prekäre Quellen. Home Videos als auto/biographische Zeugnisse

Sorry, this page is currently not available in English. Below you will find the contents in German.

Mit der Popularisierung und Verbreitung der Videotechnik im Laufe der 1980er Jahre veränderte sich die Praxis privaten Filmens. Das wesentlich billigere Trägermaterial machte audiovisuelle Aufnahmen für eine breite Bevölkerungsschicht erschwinglich und erlaubte es, Gefilmtes zu überspielen und in großzügigeren Zeitdimensionen aufzunehmen. Dadurch rückten nicht nur mehr und andere Motive bzw. Abläufe und Prozesse ins Bild, auch der Kreis derer, die private Aufnahmen anfertigten, verbreiterte sich. Auch bewirkte das neue Format eine tendenzielle Flexibilisierung der Positionen Filmende-Gefilmte und eine vermehrte Kameranutzung von Frauen beziehungsweise auch von Kindern und Jugendlichen. Die Quellen, mit denen sich das Projekt „The Changing Role of Audio-Visual Archives as Memory Storages in the Public Space. Using the example of private video sources“ an der Österreichischen Mediathek befasst, private Videoaufnahmen der 1980er und 1990er Jahre, sind in mehrerer Hinsicht prekär: Erstens ist ihre materielle Basis gefährdet, die Videobänder werden kaputt, verschimmeln oder werden unabspielbar, die Abspielgeräte werden nicht mehr hergestellt oder defekt und Ersatzteile sind Mangelware. Zweitens ist der Quellenwert der Videos ohne historische Kontextualisierung in ihrem sozialen Entstehungszusammenhang gering. Große Teile des Kontextwissens liegen bei den Urheber/innen oder deren Nachkommen. Diese können im Idealfall Orte, Zeiten und Personen identifizieren, statten die aufgenommenen Handlungen und Motive mit Bedeutung aus und geben Hinweise auf die Relevanz des Materials im sozialen Herstellungszusammenhang. Home Videos kommen im Herstellungs-und Rezeptionskontext spezifische auto/biographische Funktionen zu. In den privaten Aufnahmen werden verschiedene audiovisuelle Erzähl-und Inszenierungsformen des Selbst, des Eigenheims, der Familie oder anderer sozialer Netzwerke eingesetzt. Diese Konstruktionen und Narrationen des Eigenen stehen in Wechselwirkung mit den ihnen zugrunde liegenden technischen Bedingungen wie auch mit populären audiovisuellen filmischen Darstellungsweisen. Im Vortrag sollen anhand von Beispielen methodische Überlegungen zum Umgang mit diesen prekären Selbstzeugnissen präsentiert werden.