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Christian Rapp: Aktuelle Darstellungs- und Inszenierungsformen von Krieg und Gewalt in Museen

Ausstellungen von Gewalt und Krieg stehen vor dem grundsätzlichen Widerspruch, dass sie mit den ihnen traditionell zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Gestaltung, der Struktu-rierung und Dramatisierung tendenziell aufwerten, was sie abwerten wollen,1 dass sie ordnen, was Chaos war und einfrieren, was sich einst dynamisch vollzog – und den Krieg auf vielfältige Weise noch einmal ästhetisieren. Aktuelle Projekte stellen sich dieser Problematik und bemü-hen sich auf unterschiedliche Weise, Möglichkeiten der Darstellung und Vermittlung zu entwi-ckeln, die diesen thematisieren und aufzubrechen trachten. Das Gedenkjahr 2014 hat gezeigt, dass bei der Beurteilung von Ausstellungs- und Museumsprojekten dazu erweiterte Kriterien musealer Arbeit miteinbezogen werden müssen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Wandel von einem produktions- zu einem rezeptionsorientierten Ansatz bei der Konzeption und Gestaltung von Ausstellungen.

Bisher wurde meistens primär danach gefragt, wie Ausstellungen ihr Material organisieren, nach welchen Kriterien das Wissen einer Ausstellung zustandekommt, wie es mitgeteilt wird, und wie mit dem „Kultwert“ des Objekts umgegangen wird. Nunmehr stellt sich auch die Frage, welche Prozesse mit und zwischen Publikum und Objekten beziehungsweise Objektarrange-ments ablaufen, welche davon ausgelöst werden, beabsichtigt sind, oder überhaupt sich planen und steuern lassen. Nicht mehr die Anordnung und „Inszenierung“ ist allein relevant, sondern auch die möglichen Diskurskonstellation, die sie initieren.2 Museen und Ausstellungen leben, und auch das hat sich 2014 gezeigt, immer noch von der Darbietung des „echten“ Gegenstands, aber die Darstellungs- und Inszenierungsformen müssen sich danach bewerten lassen, welcher Qualität die Beziehung ist, die sie zwischen der Realpräsenz historischer Objekte und der Realpräsenz des Publikums zu etablieren vermögen. Daran schließen sich wieder neue Fragen an, etwa wieweit gegenwärtige Erfahrungshorizonte des Publikums einzuschließen sind in eine Darstellung historischer Kriege, wieweit partizipatorische Angebote zur Mitgestaltung bei der Aufarbeitung solcher Themen möglich und sinnvoll sind, wie neue Forschungserkenntnisse einfließen können und wie Narrative von Ausstellungen zu Kriegen aussehen können, die nur mehr partiell kuratorisch präformuliert werden.

1. Vgl. u.a.: Asmuss, Burkhard: Die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums: Vorgeschichte, Kri-tik und Gegenkritik, in: Kirsch, Jan-Holger/Zündorf, Irmgard (Hrsg.): Zeitgeschichte-online, Thema: Geschichts-bilder des Deutschen Historischen Museums. Die Dauerausstellung in der Diskussion, 2007, http://www.zeitge-schichte-online.de/portals/_rainbow/documents/pdf/dhm_asmuss.pdf.
2. Vgl. u.a.: Klein, Hans-Joachim/Wüsthoff-Schäfer, Barbara: Inszenierungen an Museen und ihre Wirkung auf Besucher (Materialien aus dem Institut für Museumskunde 32), Berlin 1990; Casey, Valerie: The museum effect. Gazing from object to performance in contemporary cultural-history museum, www.archimuse.com/publish-ing/ichim03/095C.pdf.