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Tagungsort

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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Inhalt:

Andrea Brait: Zur Vermittlung des Kriegsendes 1945 in nationalen Militärmuseen

Das Gedenken an gefallene Soldaten und zivile Opfer von Kriegen ist in vielen Staaten ein „selbstverständlicher Bestandteil der nationalen Erinnerung und des jeweiligen politischen Selbstverständnisses.“1 Neben Denkmälern und Friedhöfen haben sich in diesem Zusammenhang Museen als eine wichtige Institution etabliert. Im Museum kann jedoch, wie Gorch Pieken zurecht betont, nicht der Krieg selbst ausgestellt werden, sondern nur die Zeugnisse des Krieges.2 Durch die Formung einer Storyline wird eine politische Botschaft formuliert. Lange Zeit dienten Militärmuseen als Beuteschauen und der Verherrlichung beziehungsweise der Legiti-mierung von Krieg. Waffen und andere Militaria dominierten damit die Darstellung des Krieges im Museum. Doch der Leitgedanke hat sich gewandelt: Immer mehr werden Kriegsmuseen zu Institutionen des Friedens und Opfergedenkens.3 Damit einhergeht der Trend, dass viele Kriegsausstellungen der Gegenwart versuchen, den Krieg nicht mehr nationalgeschichtlich zu interpretieren.

Der Vortrag nimmt drei Museen in den Blick, die jeweils die zentralen Militärmuseen der jeweilgen Staaten sind und auf eine lange Tradition zurückblicken können: Das Musée de l’Armée (Armeemuseum) in Paris, das Heeresgeschichtliche Museum in Wien und das Hadtörténeti Múzeum (Heeresgeschichtliche Museum) in Budapest.

Diese und viele andere Einrichtungen zeigen sehr deutlich, dass Kriege immer wiederkeh-rende Phänomene in der Geschichte sind. Die Kriege des 20. Jahrhunderts bedeuteten jedoch insofern einen entscheidenden Wandel, als diese „nicht mehr nur auf die militärische Ausei-nandersetzung unter Soldaten ausgerichtet [waren], sondern […] aufgrund der großen Zerstö-rungspotentiale Leid über die Zivilbevölkerung in bis dahin unbekannten Ausmaßen“4 brachten, wie Hans-Martin Hinz betont. Für die Museen bedeutet dies, dass sie in völlig anderer Form als für vergangene Jahrhunderte auf Kämpfende und Nicht-Kämpfende eingehen müssen. Obwohl auch der Erste Weltkrieg im Alltag der Zivilbevölkerung deutlich spürbar war (Karl Kraus meinte „die Front ist ins Hinterland hineingewachsen“), ist mit dem Zweiten Weltkrieg noch einmal ein Wandel eingetreten.

Ziel des Vortrages ist eine Analyse der Darstellungsformen des Endes des Zweiten Welt-krieges 1945. Dabei wird speziell auf die Verschmelzung von Front und Hinterland in dieser letzten Phase des Krieges fokussiert und die Frage in den Blick genommen, inwiefern die Mu-seen auf die Verbindung von Krieg und NS-Verbrechen eingehen. Damit einher geht die Frage, inwiefern die Ausstellungen die klassischen Themen der großen Militärpolitik und der Opera-tionsgeschichte und/oder – im Sinne einer kultur- und sozialgeschichtlichen Perspektive – den Alltag der Soldaten, das Töten und Getötetwerden, Kriegsverbrechen sowie (politische) Inter-pretationen und Gedenkkulturen nach dem Krieg darstellen. Außerdem wird analysiert, inwiefern Ansätze einer transnationalen Perspektive auf das Kriegsende 1945 ausgemacht werden und welche Rolle hierbei das Gedenken an die Opfer spielt. Betrachtet werden dabei nicht nur die ausgestellten Objekte und die Texte der Ausstellung; ein besonderes Augenmerk wird auf Inszenierungsformen gelegt, welche die Storyline der Ausstellungen prägen.


1. Manfred Hettling, Nationale Weichenstellungen und Individualisierung der Erinnerung. Politischer Totenkult im Vergleich, in: Hettling, Manfred/Echternkamp, Jörg (Hrsg.): Gefallenengedenken im globalen Vergleich. Na-tionale Tradition, politische Legitimation und Individualisierung der Erinnerung, München 2013, S. 11–42, hier S. 11.
2. Gorch Pieken, Raum und Inhalt – Neubau und Neubaukonzeption des Militärhistorischen Museums, in: Jehne, Martin/Müller, Winfried/Fäßler, Peter E.: Ungleichheiten. 47. Deutscher Historikertag in Dresden 2008, Berichts-band, Göttingen 2009, S. 136 f., hier S. 137.
3. Cf. Thiemeyer, Thomas: Waffen und Weltkriege im Museum. Wie sich die museale Darstellung der beiden Weltkriege und der Umgang mit Militaria gewandelt haben, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 1/69 (2010), p. 1–16, here p. 1 f.
4. Hans-Martin Hinz, Vorwort. Die Darstellbarkeit des Krieges im Museum, in: Hinz, Hans-Martin (Hrsg.): Der Krieg und seine Museen, Frankfurt/New York 1997, S. 9 f., hier S. 9.