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Bedeutungskonstruktionen von Kriegen in Museen: Ausstellungspraktiken im 21. Jahrhundert

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Vorsitz: Karlo Ružičić-Kessler

16.9.2015, 9.00–12.00

UC 6

Claudia Reichl-Ham

Die Rezeption der Türkenkriege in der europäischen Museumslandschaft

Daniel Groth

Der Erste Weltkrieg in österreichischen und deutschen Museen und Ausstellungen: Erinnerungs- und geschichtskulturelle Diskurse und Hegemonien

Christian Rapp

Aktuelle Darstellungs- und Inszenierungsformen von Krieg und Gewalt in Museen

Andrea Brait

Zur Vermittlung des Kriegsendes 1945 in nationalen Militärmuseen

 

In kaum einem Jahr zuvor wurde so intensiv über „Krieg“ als gesellschaftliches Phänomen1 (und den Ersten Weltkrieg im Speziellen) diskutiert und geforscht wie 2014; auch die Frage von aktuellen Gedächtniskonstruktionen2 und damit in Zusammenhang stehende politische Ansichten3 wurden debattiert. Die Geschichtswissenschaft ist sich nicht erst seit dem linguistic turn darüber im Klaren, dass kollektive Vorstellungen und Bewertungen durch diverse Formen von Erzählungen transportiert werden. Hinsichtlich der Weitergabe von solchen spielen nicht nur klassische wissenschaftliche Publikationsformen und populärwissenschaftliche, wie insbe-sondere das Fernsehen, eine große Rolle, sondern auch das Museum, findet sich doch in dieser Institution eine Verbindung von beiden Zugängen. Verstehen wir die Einrichtung als Bewahrer des kulturellen Gedächtnisses (J. Assmann), das in seinen Ausstellungen das Funktionsgedächtnis einer Gesellschaft (A. Assmann) zeigt, dann stellt sich die Frage, inwiefern in diesen aktu-elle Forschungstraditionen Eingang finden.

In den letzten Jahren wurde von vielen Seiten hinsichtlich der Beforschung und der Darstellung von Krieg insbesondere eine kulturgeschichtliche Perspektive eingefordert. Eine solche könne sich nicht in einer ausschließlichen Betrachtung des Krieges als Akt des „Tötens und Getötetwerdens“ erschöpfen, wie etwa Thomas Thiemeyer betont,4 da dies eine Verengung und weitestgehende Ausblendung sinnbildender Gedächtniskonstruktionen zur Folge habe. Vielmehr müsse sie daher eine Analyse der diskursiven Aushandlungen von Kriegen beinhalten, die Mechanismen der Sinnproduktion einschließt und Krieg als gesellschaftliches, diskursiv strukturiertes Konstrukt versteht.

Aus dieser Perspektive erscheint das Museum als Indikator, aber auch als Generator erinnerungs- und geschichtskultureller Deutungen.5 Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Spezifika des Mediums, insbesondere der museale Raum und die Exponate? Wie wird eine museale Narration geschaffen, wie entsteht eine Storyline und welche Bedeutung haben in die-sem Zusammenhang die Texte? Insbesondere die Objekte entwickeln, so Bernd Hüppauf, im Kriegsdiskurs einen „Kultwert“, da sie auf dem Schlachtfeld durch das Zusammenwirken von Material und Kampf den Krieg in sich aufnehmen6 und daher mit durch den Krieg hervorge-brachten Erfahrungen und Traumata verknüpft werden.

Zumal das Selbstbild der modernen westlichen Demokratien des 21. Jahrhundert durch eine Delegitimierung von Gewalt geprägt ist,7 stellt sich für Ausstellungen die Frage, wie mit diesem „Kulturwert“ umzugehen ist. Dabei ist die Einsicht entscheidend, dass die Bedeutung der Dinge sowie ihre Einbindung in museale Räume und Narrationen in immer neuen Aushandlungsprozessen neu definiert werden. Durch sich wandelnde Kriegsdiskurse sind die Dinge so in immer neue Bedeutungskonstruktionen eingebunden, was mit neuen Formen der Visualisierung von Krieg einhergeht. Doch wird den Besuchern und Besucherinnen eine Dekonstruktion der je-weils vorherrschenden Bedeutungszuschreibungen an einen Krieg ermöglicht und wenn ja, welche Vermittlungsformen wählen die Museen?

Die Vorträge des Panels „Bedeutungskonstruktionen von Kriegen in Museen“ beleuchten diese Fragestellungen anhand unterschiedlicher Beispiele und fragen nach übergeordneten Erzählmustern, die sich unabhängig von der Größe der Einrichtungen, der nationalen Verortung und des betrachteten Krieges finden.


1. Zur Definitionsfrage vgl. u.a. Dietrich Beyrau/Michael Hochgeschwender/Dieter Langewiesche (Hg.), Formen des Krieges. Von der Antike bis zur Gegenwart (Krieg in der Geschichte 37), Paderborn/München/Wien/Zürich 2007; Irene Etzersdorfer, Krieg. Eine Einführung in die Theorien bewaffneter Konflikte, Wien/Köln/Weimar 2007.
2. Vgl. hierzu u.a. eine Diskussionsrunde „Im Gedenkjahr nichts Neues“ im Deutschen Historischen Museum, on-line nachzusehen unter https://www.youtube.com/watch?v=bApFvk0g0rE (2. Februar 2015).
3. Vgl. hierzu insbesondere die Debatten zu den Thesen von Christopher Clark.
4. Vgl. Thomas Thiemeyer, Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die beiden Weltkriege im Museum (Krieg in der Geschichte, Bd. 62), Paderborn u.a. 2010.
5. Vgl. Katrin Pieper, Resonanzräume. Das Museum im Forschungsfeld Erinnerungskultur, in: Joachim Baur (Hg.), Museumsanalyse. Methoden und Konturen eines neuen Forschungsfeldes (Kultur- und Museumsmanagement), Bielefeld 2010, S. 187–212, hier insbesondere S. 199ff.
6. Vgl. Bernd Hüppauf, Was ist Krieg? Zur Grundlegung einer Kulturgeschichte des Kriegs (Histoire), Bielefeld 2013, S. 333.
7. Vgl.: Tagungsbericht „Krieg und Gewalt ausstellen“, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsbe-richte/id=2492&view=pdf (4. Februar 2015).