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Der Historikertag findet in den Repräsentationsräumen im Uni-Center der JKU statt. ...  mehr zu Tagungsort (Titel)


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Inhalt:

Simone Pittl: Der behinderte Körper in altorientalischen Omentexten

Die Autorin beschäftigt sich mit dem behinderten Körper in spezifischen altorientalischen Omentexten aus dem ersten Jahrtausend v.Chr. Diese Texte beschäftigen sich mit abnormalen Geburten (Šumma Izbu), abnormalen Menschen in einer Stadt (Šumma Alu) und mit Besonderheiten des menschlichen Körpers (morphoskopische Texte).

Die Methode, mit der die Texte untersucht werden, ist die der „Disability History“, welche Behinderung als das Abnormale par Excellence und zudem als sozial konstruiert betrachtet. Diese Konstruktion findet in verschiedenen Diskursen, wie z.B. im magischominösen
Omendiskurs, statt. Dieser Vorgang geht von einer sich selbst als „normal“ bezeichnenden Mehrheit aus, um sich von „abnormalen“ Menschen abzugrenzen. Die Disability History lenkt den Fokus auf die je nach Kultur- oder Zeitraum unterschiedliche Wahrnehmung des Abnormalen, welche sich in bestimmten psychischen oder physischen Differenzierungsmerkmalen äußert. Der Begriff „Behinderung“ ist deshalb nicht als ontologische Tatsache, sondern vielmehr als eine soziale Kategorie zu sehen. Behinderung dient demnach als analytische Kategorie, um gesellschaftliche Ordnungsprinzipien zu analysieren.

In den Omentexten sind kulturelle und intellektuelle Denkmuster und Vorstellungen eingebettet – es werden Überlegungen zu Normalität und Abnormität angestellt und gleichzeitig diejenigen Merkmale festgelegt, welche den normalen oder den abnormalen (=behinderten) Körper bezeichnen. Indem man nun die Merkmale des behinderten Körpers untersucht, werden die sozialen Grenzziehungen und Beschränkungen, die in den Texten festgelegt werden, klar. Hierfür ist eine eingehende philologische Analyse der akkadischen Termini, welche den abnormalen Körper in den spezifischen Omentexten beschreiben, von Nöten.

Ziel ist es, ein Körperkonzept aus den Omentexten zu erarbeiten, welches den abnormalen, behinderten Körper in diesem spezifischen Diskurs darstellt.

Referenzen
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Bösl, E. / Klein, A. / Waldschmidt, A. (Hrsg.): Disability History. Konstruktionen von Behinderung in der Geschichte. Eine Einführung, Bielefeld.
Dederich, M., 2007: Körper, Kultur und Behinderung. Eine Einführung in die Disability Studies, Bielefeld.
Freedman, S., 1998/2006: If a city is set on a height. The Akkadian omen series “Šumma Alu ina Mēlê Šakin” 1, Philadelphia.
Lambert, W.G. (Hrsg.), 2007: Babylonian oracle questions, Winona Lake Ind.
Leichty, E., 1970: The omen series Šumma Izbu, Locust Valley – New York.
Mitchell, D.T. / Snyder Sh.L. (Hrsg.), 1997: The body and the physical difference. Discourses of disability, Ann Arbor.
Lutz, P. / Macho, Th. / Staupe, G. / Zirden, H. (Hrsg.): Der (im-)perfekte Mensch. Metamorphosen von Normalität und Abweichung, Köln, 2003..
Waldschmidt, A. / Schneider, W. (eds.), 2007: Disability Studies, Kultursoziologie und Soziologie der Behinderung. Erkundungen in einem neuen Forschungsfeld, Bielefeld.
Weisser, J. / Renggli, C. (Hrsg.), 2004: Disability Studies. Ein Lesebuch, Biel.
de Zorzi, N., 2014: La Serie Teratomantica Šumma Izbu. Testo, Tradizione, Orizzonti Culturali, HANEM 15.