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Martin Feiner: Die Renaissancesiegel der Erzbischöfe und Bischöfe der Salzburger Metropole. Aktuelle Untersuchungen zu einem weitestgehend unbeachteten Forschungsfeld

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Diese Präsentation hat die Renaissancesiegel der Erzbischöfe und Bischöfe der Salzburger Metropole zum Thema. Ausgangspunkt sind die beiden vom Austrian Science Fund (FWF) geförderten Forschungsprojekte1 der „Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole“. Diese verfolgen das Ziel, die Siegel der Salzburger Erzbischöfe wie auch der Bischöfe der salzburgischen Eigenbistümer Gurk, Chiemsee, Seckau und Lavant bis zur Gegenwart hinauf zu erforschen: Die Siegel sollen erfasst, abgebildet und in eine Datenbank aufgenommen werden, indem sie nach einem klar festgelegten Schema beschrieben werden.

Im Besonderen möchte die Präsentation jedoch für die Siegel der Renaissancezeit eine „Lanze brechen“. Mit dieser aus dem Mittelalter stammenden Redewendung soll für die Siegel der Renaissancezeit der Horizont erweitert werden, da die Erforschung der Siegel zumeist auf das Mittelalter beschränkt bleibt. Bei den Siegeln der Erzbischöfe und Bischöfe der Salzburger Metropole allerdings sind künstlerisch wertvolle Meisterwerke kleinplastischer Arbeit im Stil der Renaissance zu finden. Darüber hinaus sind sie als „Bedeutungsträger“, als individuelle Äußerung eines Bischofs in einer konkreten historischen Situation zu lesen.

Zwei Personen spielen hierbei eine tragende Rolle: In der Amtszeit von Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg als Erzbischof von Salzburg (1519-1540) wird der Übergang von der Gotik zur Renaissance am deutlichsten sichtbar, da er Siegeltypare beider Kunststile anfertigen ließ. Von ihm wird der Bogen zu Ernst von Bayern gespannt, Administrator und Erwählter Erzbischof von Salzburg von 1540 bis 1554. Eines seiner Siegel folgt als ein hervorragendes Zeugnis dem Zeitgeist und bleibt zusätzlich ein „Sonderfall“, da es sich mit seiner inhaltlichen Darstellung weder der Siegeltradition „unterwirft“, noch ein anderer Erzbischof sein Siegel als Muster aufgreift. Die Untersuchung der Siegel beider Salzburger Erzbischöfe wird eingebunden in das Umfeld der Siegel der Bischöfe der Salzburger Eigenbistümer in Form einer Gesamtanalyse.
 
Betrachtet man die verschiedenen Siegel im Hinblick auf den künstlerischen Eigenwert, so weisen sie in allen Details Stilmerkmale der Renaissance aus. Zentral steht für die Renaissance das Wiederaufleben antiker Traditionen in der Kunst, womit das profane Leben und der Mensch an Eigenwert erlangen. Demgemäß zeigt ein Siegel eine skulpturhafte Darstellung mit der Entdeckung des Körpers und der Natur.
Andere Siegel betonen den Aspekt der Architektur mit der Entdeckung des Raumes. Die auf eine menschlich begreifbare Maße reduzierte Weit- und Schönräumigkeit äußert sich in Form von ruhenden Rundbogen. Des Weiteren wird die Suggestion der Raumerweiterung und einer Tiefenerstreckung in den Siegeln ausgedrückt. Die Entdeckung des Raumes bzw. der (perspektivisch erfassbaren) Räumlichkeit, die untrennbar mit der Entdeckung des Körpers verbunden ist, Räumlichkeit und Körperlichkeit als zwei aufeinander bezogene Kennzeichen der Renaissancekunst.
 
Diese Renaissancesiegel tragen über den künstlerischen Eigenwert hinausgehend einen Wandel hinsichtlich ihrer Bildlichkeit in sich. Im Blick auf die Siegel in seinem zeitlichen, räumlichen und sozialen Entstehungskontext lassen sich neue Sichtweisen und Erkenntnisse erschließen beziehungsweise verdeutlichen. Neue Siegelbilder sind nämlich immer als individuelle Äußerung des Siegelführers zu lesen. Sie sind Träger einer Aussage, sie sind Botschafter des Siegelführers.

1 Projektnummer: P22135; Titel: Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole; Projektleiter: Ao. Univ.-Prof. Dr. Rudolf K. Höfer; Forschungsstätte: Institut für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte, Universität Graz; Beginn: 1.3.2010; Ende: 30.6.2013. Dieses erste Projekt setzte die zeitliche Grenze mit der josephinischen Diözesanregulierung 1786. Das Folgeprojekt hebt einerseits diese Zäsur auf und forscht weiter bis in die Gegenwart und möchte andererseits über die elektronische Archivierung hinausgehend, die Siegel hinsichtlich ihrer Bildlichkeit und Stilprägungen im Sinne einer historischen und kunsthistorischen Auseinandersetzung eingehender analysieren: Projektnummer: P27122; Titel: Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole; Projektleiter: Ao. Univ.-Prof. Dr. Rudolf K. Höfer; Forschungsstätte: Institut für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte, Universität Graz; Beginn: 15.10.2014.