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NeuroIS

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NeuroIS: Eine neue Forschungsrichtung in der Informationssystem-Forschung

Wirtschaftsinformatik ist die Wissenschaft von Informations- und Kommunikationssystemen (kurz: IS) in Wirtschaft, Verwaltung und Privatbereich. Solche sozio-technischen Systeme, bestehend aus den Elementen Mensch/Aufgabe/Technik, werden mit dem Ziel untersucht, ihre Struktur und ihr Verhalten (z. B. Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit) zu beschreiben, erklären, prognostizieren und gestalten.

Derzeit entsteht in der Wirtschaftsinformatik und ihrem angelsächsischen Pendant, der Information Systems Research, ein neues Forschungsfeld mit der Bezeichnung Neuro-Information-Systems, abgekürzt als NeuroIS.

Die Neurowissenschaften, die sich insbesondere mit der Erforschung des menschlichen Gehirns und der menschlichen Neurobiologie befassen, eröffnen ein erhebliches Erkenntnispotenzial für die IS-Forschung und nehmen damit auch maßgeblichen Einfluss auf Gestaltung von Informationssystemen.

Was ist NeuroIS?

Bei NeuroIS werden neurowissenschaftliche Theorien und Methoden eingesetzt, um das menschliche Erleben und Verhalten bei der Entwicklung und Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zu beschreiben und erklären. Zudem sollen neurowissenschaftliche Erkenntnisse bei der Systementwicklung berücksichtigt werden, was insbesondere im Rahmen der Gestaltungsfunktion der Wirtschaftsinformatik von Bedeutung ist. Schließlich ermöglichen neurowissenschaftliche Erkenntnisse Prognosen über das zukünftige Verhalten von IS.

NeuroIS wird nach Riedl et al. 2010 (S. 245) wie folgt definiert: “A subfield in the IS literature that relies on neuroscience and neurophysiological theories and tools to better understand the development, use, and impact of information technologies (IT). NeuroIS seeks to contribute to (i) the development of new theories that make possible accurate predictions of IT-related behaviors, and (ii) the design of IT artifacts that positively affect economic and non-economic variables (e.g., productivity, satisfaction, adoption, well being).”

Da neurowissenschaftliche Methoden direkt am Individuum angewendet werden, ist die Erforschung der Mensch-Computer-Interaktion sowie die Gestaltung von Benutzungsschnittstellen ein bedeutsames Forschungsgebiet der NeuroIS. Das Erleben und Verhalten beim Umgang mit IS wurde bislang vor allem mithilfe von Befragung, Beobachtung und Untersuchung des Klick- und Navigationsverhaltens erforscht. Der komplementäre Einsatz neurowissenschaftlicher Methoden erhöht die Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse — auch deshalb, weil insbesondere Befragungsdaten erheblichen Verzerrungen unterliegen können.

Forschungsschwerpunkt

Untersuchung der Neurobiologie von Vertrauen und Stress in der Mensch-Computer-Interaktion

Personen

Assoc. Univ.-Prof. Mag. Dr. René Riedl
Mag. Dr. Manuela Macedonia

Ausgewählte NeuroIS-Publikationen

Lehrveranstaltung: Informationssysteme und Neurowissenschaften

Durch die Einführung dieser neuen Lehrveranstaltung setzt die JKU Linz neue Maßstäbe in der forschungsgetriebenen Lehre und reagiert auf die international beobachtbare Entwicklung, dass neurowissenschaftliche Theorien und Methoden eine zunehmend bedeutsame Rolle bei der Erklärung und Gestaltung von Informationssystemen spielen.

Um das Interesse für die neue Disziplin NeuroIS auch bei den Studierenden zu wecken und somit ihre Entwicklung in Forschung und Lehre voranzutreiben, wurde im WS 2011/2012 eine neue Lehrveranstaltung mit dem Titel „Informationssysteme und Neurowissenschaften“ im Ausmaß von 6 ECTS (4 SWST) als Kurs (KS) eingeführt.

Diese Lehrveranstaltung kann von allen Studierenden der JKU als so genannte „Freie Studienleistung“ absolviert werden. Für Studierende der Wirtschaftsinformatik gibt es solche „Freien Studienleistungen“ im Bachelor- und Master-Studium (vgl. § 7 sowie § 10 im Curriculum).

Lehrziel ist es, Studierende mit NeuroIS vertraut zu machen und Grundlagen sowie Anwendungen des Faches darzulegen. Die Lehrveranstaltung wird gemeinsam von Assoc. Univ.-Prof. Mag. Dr. René Riedl sowie Mag. Dr. Manuela Macedonia abgehalten, LVA-Nr. 256.704.

Exemplarische Lehrveranstaltungsinhalte sind:
• Anatomie des Gehirns und Hirnfunktionen im Überblick
• Neurowissenschaftliche und neurophysiologische Verfahren der Kognitionsforschung
• Wahrnehmung und Verarbeitung von Information
• Funktionale Netzwerke im Gehirn
• Aufmerksamkeit und Bewusstsein
• Gedächtnis und Lernen
• Emotionen und Gefühle
• Kommunikation und Sprache
• Entstehung von NeuroIS
• Evolutionspsychologie und IS
• Affective Computing
• Neurobiologie von Entscheidungen
• Neurobiologie des Technologie-Akzeptanz-Modells
• Neurobiologie von Vertrauen/Misstrauen in der Mensch-Computer-Interaktion
• Neurobiologie von Technostress

Nutzen für Studierende:
Studierende bekommen einen neuen, neurobiologischen Zugang zu Aspekten der Kognition, die bei Erklärung und Gestaltung von Informationssystemen eine bedeutsame Rolle spielen. Wissen darüber, wie Information im menschlichen Gehirn verarbeitet, wie Verhalten entsteht und gesteuert wird, stellt die Grundlage einer modernen, auf den aktuellen Erkenntnissen der Neurowissenschaften aufbauenden Wirtschaftsinformatik dar. Die Lehrveranstaltung bietet Studierenden der JKU Linz einen einzigartigen Einstieg in die Thematik. Da die Neurowissenschaften in Technik-, Sozial- und Wirtschafts- sowie den Rechtswissenschaften zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind explizit alle Studierenden an der JKU Linz, und nicht nur jene der Wirtschaftsinformatik eingeladen, dieses einzigartige Angebot zu nutzen.