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Lehrgang Mediation und Konfliktmanagement an der Universität in Linz

Mediation - ein erfolgreiches Konfliktlösungsverfahren

Mediatorische Konfliktlösung und die Entwicklung von zieldienlichen Konfliktmanagementsystemen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch im Europäischen Kulturraum große Verbreitung und wissenschaftliche Anerkennung gefunden. Mediation als herausragendes Element im größeren Ganzen der Konfliktregelungsverfahren, als außergerichtliches Verfahren der Konfliktbewältigung und Streitbeilegung hat sich im deutschen Sprachraum hinsichtlich Ausbildung und Anwendung etabliert und wurde in vielen Bereichen bereits institutionalisiert.

Sie findet bei Familien- und Partnerkonflikten, bei Scheidungen, bei Regelungsbedarf innerhalb sowie zwischen Betrieben und Organisationen, in Schule, Bildung und Erziehung, bei Konflikten im öffentlichen Bereich (Umweltmediation) sowie bei internationalen und interkulturellen Auseinandersetzungen Anwendung und stellt ein zukunftsweisendes Modell in der Konfliktkultur dar.
  
Der Mediator/die Mediatorin leitet das Verfahren und unterstützt die Konfliktparteien dabei, freiwillig und eigenverantwortlich eine zukunftsorientierte, tragfähige und für beide verbindliche Lösung ihrer Konfliktsituation zu finden. Die Verantwortung für eine kompetente Leitung dieses Prozesses obliegt der/dem MediatorIn. Im Zentrum steht dabei die Erarbeitung einer konstruktiven Regelung, nicht die Suche nach Schuld oder Unschuld, wobei der/die Mediatorin weder als SchiedsrichterIn agiert noch sich inhaltlich einbringt. Der Mediator/die Mediatorin schafft den Raum für ein konstruktives Gesprächsklima, in dem kreative, für alle Konfliktparteien nutzbringende Lösungen möglich sind, sodass diese ein hohes Interesse an der Umsetzung der vereinbarten Lösung haben.

Mediation und professionelles Konfliktmanagment sind eine große Chance beim Aufbau einer lösungsorientierten Konfliktkultur sowohl zwischen Privatpersonen als auch in Unternehmen, Organisationen und im größeren Ganzen einer globalisierten Gesellschaft.
 
Die Ausbildung Konfliktmanagement und Mediation eröffnet eine Vielzahl beruflicher und persönlicher Anwendungsmöglichkeiten, die neue Karrierefelder erschließt, z.B. als ergänzende soziale Schlüsselkompetenz zum Quellenberuf, als unverzichtbare Qualifikation für Ihre Aufgabe als Führungspersönlichkeit oder als Voraussetzung für eine haupt- oder nebenberufliche Betätigung als freieR oder angestellteR MediatorIn und KonfliktmanagerIn.

Das Qualifikationsprofil

Zahlreiche neue gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische aber auch private Spannungsfelder und ein verändertes Verständnis der Aufgaben der Justiz in der aufgeklärten Demokratie eröffnen immer mehr Praxisfelder für mediatorische Konfliktlösung- und Managementmodelle, verlangen aber ebenso nach einem qualitativ hochwertigen, den vielfältigen Anforderungen der MediatorInnenrolle auch auf der persönlichen Ebene angepassten sowie den fachlich-wissenschaftlichen Standards entsprechenden Ausbildungsmodell. Der Gesetzgeber hat auf diese Anforderungen grundsätzlich mit den Regelungen der ZivMediat-AV 2004 (BGBl II 47/2004) reagiert.

Das Aufbaustudium "Mediation und Konfliktmanagement" bietet neben den in dieser Verordnung geregelten Basiskompetenzen zur standardisierten praktischen Ausübung der Mediation die Möglichkeit, sich auf universitärem Niveau mit den theoretischen und praktischen interdisziplinären Inhalten von Mediation und Konfliktmanagement auseinanderzusetzen und diese auch weiter zu entwickeln sowie lehrgangsbegleitend die persönlichen Handlungskompetenzen intensiv und prozessorientiert zu fördern.

Das Aufbaustudium "Mediation und Konfliktmanagement" vermittelt theoretische Inhalte und praktische Methoden durch international erfahrenes Lehrpersonal auf universitärem Niveau professionell und praxisrelevant, bietet mit seinen berufspraktisch orientierten Zusatzqualifikationen auf wissenschaftlichem Niveau eine zukunftsrelevante Ergänzung für viele facheinschlägige Studienrichtungen und wendet sich vor allem an VertreterInnen verschiedener Berufsfelder mit psychosozialer Grundausbildung (Sozialarbeit, Training, Coaching, Beratung) und/oder beratenden Aufgaben im wirtschaftlichen Bereich (Unternehmensberatung, Personal- und Organisationsentwicklung); AbsolventInnen von Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien; Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik.

Ziel des Lehrgangs ist die qualifizierte theoretische und praktische Aus- und Fortbildung von Persönlichkeiten in tragenden Rollen des gesellschaftlichen Lebens (Führungskräfte, Selbständige, Berater, Anwälte). Das Lehrgangskonzept folgt dabei bewusst einem ganzheitlichen, systemischen Ansatz, der Funktion, Aufgabe und Handeln von MediatorInnen im engen Zusammenhang sieht mit der Persönlichkeit der/des MediatorsIn selbst.

Der Universitätslehrgang "Mediation und Konfliktmanagement" bietet vielen Berufsgruppen durch das berufsbegleitende Modulsystem und die durchgehende entwicklungs- und prozessorientierte Gruppenbetreuung eine interessante und zukunftsorientierte, fachlich und persönlich bereichernde Zusatzqualifikation und erfüllt nicht zuletzt die fachliche Qualifikation für die Eintragung in die MediatorInnenliste beim Bundesministerium für Justiz.

Lehrgangskonzept

Die Ausbildung ist interdisziplinär aufgebaut und spricht bewusst Personen aus unterschiedlichen Quellenberufen an. Gerade die Auseinandersetzung mit anderen Handlungs- und Denkstrukturen sowie das Kennenlernen verschiedenster beruflicher Umwelten vertieft die eigene soziale Kompetenz und ist damit wichtiger Teil der Ausbildung. Die Gesamtausbildung basiert auf einem einheitlichen Konzept mit durchgängiger Lehrgangsleitung sowie zusätzliche spezialisierte TrainerInnen und GastreferentInnen.

Lernziele:

- Konfliktsituation frühzeitig erkennen und analysieren
- Professioneller Umgang mit differenzierten Konfliktsituationen sowie deren Wandlung
- Grundlagen und Instrumente der Mediation verstehen und in der Praxis kompetent anwenden können
- Mediation und Konfliktmanagementsysteme in den unterschiedlichsten Anwendungsfeldern - auch international - kennen lernen
- und diese dann für die eigene beruflichen Anwendungsfelder nutzen
- Einübung von Grundhaltungen professionellen und effektiven Vorgehens und Verhaltens in komplexen Handlungsfeldern
- Mediatives Handeln sowohl beruflich als auch privat gewinnbringend einsetzen
- Stärkung der persönlichen Konfliktlösungs- und Steuerungskompetenz
- Umsetzung mediativer Techniken in Führungs- und Leitungsposition
- Erfolgreiches Management von Organisationen im Bereich Konfliktprävention
- Installation von Konfliktmanagementsystemen
- Aufbau und Steuerung von Konfliktmanagement und Mediationsverfahren

Inhaltliche und methodisch - didaktische Gestaltung

Mediation stellt hohe fachliche wie persönliche Anforderungen an jene, welche diese Tätigkeit professionell ausüben. Neben der fachlich-berufspraktischen und wissenschaftlichen Qualifikation wird deshalb in den einzelnen Lehrgangsgruppen auf persönlichkeitsbildende Aspekte besonderer Wert gelegt. Eine durchgehende supervisorische Begleitung des Gruppenprozesses soll ermöglichen, dass alle TeilnehmerInnen ein größtmögliches Entwicklungspotenzial der Gruppe für persönliche Lernfortschritte nutzen können.

Die Ausbildung orientiert sich eng an den einschlägigen Vorschriften der ZivMediat-AV 2004, welche zur Eintragung in die Liste der vom BMJ anerkannten MediatorInnen führt, sowie an den entsprechenden wissenschaftlichen und berufspraktischen Standards von Universitäts-Lehrgängen.

Inhaltlich sind neben den rechtlichen Grundlagen der Mediation vorwiegend wissenschaftliche und berufspraktische Themenschwerpunkte aus den Sozialwissenschaften im Vordergrund:

Kommunikations- und konflikttheoretische Modelle
Grundorientierungen menschlichen Verhaltens
Institutionelle und personale Lernfelder
Persönlichkeit und Interaktion
Gender-Themen
Lösungsorientierte Verhandlungstechniken
Systemtheoretische Annahmen und konstruktivistische Perspektiven zu Wahrnehmung und Wirklichkeit
Konflikte als Familiendynamiken
Gruppen- und organisationssoziologische Grundlagen
Insbesondere die Genderthematik wird als Querschnittsmaterie in vielen Modulen behandelt.

Die fachliche Kompetenz und Vielfalt der ReferentInnen wird durch gezielte Anwendung von Ausbildungsmethoden mit hohen, nachhaltigen Lernchancen und hohem Praxisbezug ergänzt.

Neben Präsentationen und Fachgesprächen kommen auch Arbeit in Kleingruppen, Simulation von Mediationsverfahren anhand von Praxisfällen mit umfassenden Analysen und der Möglichkeit zur Selbstreflexion durch qualifiziertes Feedback zum Einsatz. Supervision, Arbeit in peergroups und selbstständiges Textstudium ergänzen die Methodenvielfalt.