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Umsetzungsempfeh­lungen der SDGs für die Bundesregierung

Stiftungsinstitut IQD startet Entwicklungsprozess mit Stakeholdern

Vor dem Hintergrund eines weltweit rapide steigenden Ressourcenverbrauchs bei gleichzeitigem Erreichen planetarer Belastbarkeitsgrenzen – insbesondere in Bezug auf den Biodiversitätsverlust, die Veränderung des Klimas, die Reduktion der Waldflächen und das Eingreifen in die biochemischen Kreisläufe – ist ein auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Strukturwandel von Wirtschaft und Gesellschaft unumgänglich.

Im September 2015 wurde daher von der internationalen Staatengemeinschaft (UN) ein Aktionsplan zur „Transformation unserer Welt“ beschlossen – die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Darin verpflichten sich alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, die beschlossenen 17 Ziele zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) bis zum Jahr 2030 zu verfolgen. Auch in Österreich wurde mit dem Ministerratsbeschluss vom 12. Jänner 2016 die Umsetzung der „Agenda 2030“ in allen Bundesministerien beauftragt. Mit der am 7. Jänner 2020 neu angelobten türkis-grünen Bundesregierung erhält nun auch das Thema Umweltschutz und Nachhaltige Entwicklung ein stärkeres Gewicht als dies bisher der Fall war.

Das Projekt „UniNEtZ“

Mit dem Projekt „UniNEtZ“ (Universitäten und Nachhaltige Entwicklungsziele) wurde von der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen, welches das Ziel verfolgt, der österreichischen Bundesregierung bis Ende 2021 einen sog. Optionenbericht zur Umsetzung der Agenda 2030 in Österreich vorzulegen. Dieser Optionenbericht soll für alle 17 SDGs konkrete politische Handlungsoptionen (wie z. B. Förderungen, Steuern, Ge- und Verbote, Richtlinien etc.) enthalten. Universitäten werden dabei als Zentren für Innovation und Qualität sowie als Ausbildungsstätten künftiger Entscheidungsträger gesehen, welchen bei der Umsetzung der SDGs eine wesentliche Rolle zukommt.

Aktuell sind 18 Universitäten und Forschungseinrichtungen – darunter auch die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) mit dem von der Quality Austria (und dem Land Oberösterreich) finanzierten Stiftungsinstitut für Integrierte Qualitätsgestaltung (IQD) – am Projekt beteiligt und werden bis Ende 2021 durch eine intensive Kooperation und fachliche Auseinandersetzung mit den SDGs die Bundesregierung bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele unterstützen. Darüber hinaus wird eine interdisziplinäre Vernetzung zwischen den Universitäten und die Verankerung der SDGs in Forschung und Lehre angestrebt.

Als Schlüsselvoraussetzungen für die Entwicklung effektiver und erfolgreicher politischer Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der SDGs gelten ein kontinuierlicher und breiter Science-Society-Policy Dialog, umfassende systemische Ansätze sowie eine kollaborative internationale und nationale Zusammenarbeit.

Die Rolle des Stiftungsinstituts für Integrierte Qualitätsgestaltung (IQD) und der Quality Austria im Projekt UniNEtZ

Im Rahmen des UniNEtZ Projektes nehmen die JKU in Linz und das Institute for Integrated Quality Design (IQD) eine bedeutende Rolle ein. Von den 17 Nachhaltigkeitszielen koordiniert die JKU vier SDGs, bei sechs weiteren SDGs ist die JKU an der inhaltlichen Ausarbeitung beteiligt. Das IQD unter der Leitung von Prof. Dr. Erik G. Hansen zeichnet sich dabei für das SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) und das SDG 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion) verantwortlich. Neben Prof. Hansen hat Dr. Daniela Schrack die Projektleitung inne.

Die beiden SDGs 9 und 12 weisen dabei unter den 17 Nachhaltigkeitszielen eine besondere Bedeutung auf: Während SDG 12 den Kern einer nachhaltigkeitsorientierten Produktion und Konsumtion trifft und Themen wie Ressourceneffizienz, Nahrungsmittelverschwendung, Abfall- und Kreislaufwirtschaft, unternehmerische Nachhaltigkeitspraktiken und Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Rolle der öffentlichen Beschaffung sowie Bewusstseinsförderung und nachhaltige Lebensstile in der Bevölkerung aufgreift, befasst sich SDG 9 mit den Rahmenbedingungen, wie etwa der Transformation zu einer nachhaltigkeitsorientierten Infrastruktur und den entsprechenden Technologien, Innovationen und Forschungsförderungen, die eine entsprechende nachhaltige Entwicklung in der österreichischen Industrie ermöglichen sollen.

Im Zusammenhang mit den SDGs 9 und 12 wird darüber hinaus im Regierungsprogramm der neuen türkis-grünen Bundesregierung neben der Forderung zur Klimaneutralität bis 2040 ein Schwerpunkt auf die Themen Verkehr und Infrastruktur gesetzt (z. B. Öffi-Milliarde für Nahverkehr und Regionalverkehr, Forderung einer umweltfreundlichen Mobilität für alle, Vorreiterrolle der öffentlichen Hand im Bereich emissionsfrei betriebener Fahrzeuge, gerechte Kerosinbesteuerung). Weitere Aktivitäten, die im Regierungsprogramm geplant sind und SDG 9 oder 12 betreffen, sind beispielsweise Maßnahmen im Hinblick auf eine nachhaltige und innovationsfreundliche Beschaffung, eine Kreislaufwirtschaftsstrategie für die Industrie, eine Technologie- und Innovationsoffensive, die Sicherstellung von Versorgungs- und Netzsicherheit, die Verbesserung der Kennzeichnung von Lebensmitteln (verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Primärzutaten) sowie Reduktionsstrategien im Kampf gegen Plastik und Mikroplastik.

Um gemeinsam mit anderen Wissenschaftern und Mitwirkenden aus Industrie, Politik und Verbänden sinnvolle und praktikable Lösungsansätze zu entwickeln, werden in regelmäßigen Abständen Workshops zum Wissens- und Informationsaustausch abgehalten und darauf aufbauend Handlungsoptionen entwickelt und bewertet. Auch die Quality Austria ist Teil dieses Multi-Stakeholder-Prozesses und unterstützt mit ihrem fachlichen Know-How und den Erkenntnissen aus der betrieblichen Praxis den Prozess. So wurden bereits Fachexperten der Quality Austria in die Erarbeitung von politischen Handlungsoptionen für SDG 12.6 eingebunden, wo es unter anderem um den Einsatz von Umwelt- und Energiemanagementsystemen sowie um Nachhaltigkeitsberichterstattung geht, und gemeinsam mögliche Strategien für eine verbesserte Situation im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung erarbeiten zu können.

Wenn auch Sie Interesse haben, sich aktiv in diesen Entwicklungsprozess einzubringen und an Workshops teilzunehmen, können Sie sich gerne bei den unten angeführten Ansprechpartnern melden.

Weiterführende Links

NEWS 16.01.2020