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Straßenzeitungen für ein Umdenken in der Gesellschaft.

Anfang 2019 begann unsere Forschungsgruppe, sich im Rahmen der Lehrveranstaltung Projektmanagement intensiv mit dem Thema Straßenzeitung und damit zusammenhängenden Problemlagen - Obdachlosigkeit, Armut, das Leben am Rande der Gesellschaft -zu beschäftigen: Haben Straßenzeitungen die Macht, die Wahrnehmung der Gesellschaft auf Themen sozialer Problemlagen zu richten und ein „Umdenken der Gesellschaft“ zu bewirken? Und inwiefern unterscheiden sich die jeweiligen Straßenzeitungen untereinander?

Die Antworten auf diese Fragen erhielten wir im Laufe unseres Projektes, das in Zusammenarbeit mit zwei Straßenzeitungen, der Kupfermuckn aus Linz und dem Augustin aus Wien, durchgeführt wurde. Zum einen wurde eine Auswahl von LeserInnen und von ExpertInnen aus sozialen Institutionen qualitativ befragt. Zum anderen wurden die beiden Straßenzeitungen anhand eines Analyserasters (Inhaltsanalyse nach Mayring) verglichen und interpretiert.

Die Ergebnisse sprechen für sich. Laut Aussagen der Interviewten hat die engagierte Berichterstattung der Kupfermuckn in Linz, die aus einer Schreibwerkstatt des Vereins Arge für Obdachlose hervorgegangen ist, einen durchaus positiven Einfluss auf das Meinungsbild der Gesellschaft gegenüber Betroffenen von Armut und Obdachlosigkeit. Insbesondere das Auftreten der VerkäuferInnen als aktive Mitglieder der Gesellschaft inmitten von Linz hat der Befragung zufolge einen starken Einfluss auf die generelle Akzeptanz von sozial Benachteiligten.

Zwischen den Kupfermuckn und dem Augustin gibt es durchaus inhaltliche Parallelen: Beide Zeitungen haben sowohl einen sozialpolitischen wie auch einen lokalen Fokus, wobei die Themen beim Augustin etwas breiter gestreut sind. Insbesondere bei der Vermittlung dieser Inhalte verfolgen sie jedoch unterschiedliche Philosophien: Während der Augustin auf ein seriöses Erscheinungsbild und qualitativ hochwertige Artikel setzt, die auch Hintergrund­informationen liefern, verfolgt die Kupfermuckn primär das Ziel, die LeserInnen in Wort und Bild auf einer emotionalen Ebene abzuholen. Die mehrheitlich biografisch geprägten Artikel werden von den Betroffenen selbst verfasst und von den HerausgeberInnen kaum verändert, um ein authentisches Bild und eine Sensibilisierung für die Thematik zu ermöglichen. Erfahrungen von Armut und Ausgrenzung werden so für ein breites Publikum nachvollziehbar.

Es können somit folgende Funktionen von Straßenzeitungen im Allgemeinen sowie der Kupfermuckn im Besonderen identifiziert werden:

  • Sensibilisierung von LeserInnen bzgl. prekärer Lebenssituationen bzw. Verstärkung für bereits Sensibilisierte
  • Unterstützung von Beteiligten durch Arbeitsangebot, Verdienstmöglichkeiten und Schaffung eines sozialen Umfeldes
  • Gegenöffentlichkeit zu Mainstream-Medien durch Fokussierung auf ansonsten unterrepräsentierte Themen
  • Advocating: Parteinahme für sozial Benachteiligte und deren Anliegen

Abgeschlossen wurde unser Projekt mit einer so genannten „Gratwanderung“ durch Linz, die uns zu Einrichtungen führte, wo Armutsbetroffene und obdachlose Menschen Unterstützung erhalten.

 

Lehrforschungsprojekt „Straßenzeitungen und Gesellschaft“

 

LVA- und Projektleitung

Mag. Hansjörg Seckauer

 

Kooperationspartner

Arge für Obdachlose, Linz

 

Lehrveranstaltung

229.011 (S 2019)

Projektmanagement I

229.036 (W 2019/20)

Projektmanagement II

 

Laufzeit

S 2019 – W 2019/20

 

Anhang

Endbericht „Straßenzeitungen und Gesellschaft“

NEWS 10.02.2020