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Organisation von Kreativität und Innovation

Im Angesicht eines allseits verbreiteten Innovations- und Kreativitätsimperativs wachsen die Bemühungen, kreative Prozesse durch aktives Organisieren zu fördern. Seither beschäftigen sich Forschung und Praxis mit der Frage, wie sich emergente, von Zufälligkeiten und Unvorhersehbarkeiten getriebene Prozesse intentional kontrollieren, koordinieren und aufrechterhalten lassen. Fest steht, dass Organisation Kreativität einerseits beschränkt, und sie andererseits dadurch aber auch ermöglicht. Organisieren geht dabei weit über die Auswahl von „Kreativen“ und deren Integration in Teams hinaus. Mindestens genauso wichtig sind formale und informale organisationsweite Strukturen – nicht nur der entsprechenden Organisationseinheiten wie z.B. Labore, Studios oder Werkstätten als vermeintliche Orte des Kreativen, sondern organisationsweite Normen wie eine hohe Fehlertoleranz oder Praktiken wie die spontane Bereitstellung zeitlicher und finanzieller Ressourcen für den Fall eines kreativen Einfalls. Manche sprechen sogar von „Kreativitätsroutinen“, die es manchen Organisationen erlauben, ständig neue Ideen hervorzubringen. Da kreatives Schaffen immer häufiger durch Einbeziehung externer Akteure wie Agenturen, Ingenieurdienstleister oder Freelancer erfolgt, kommt es darüber hinaus auch auf Praktiken an, mit denen organisationsübergreifende Strukturen wie Netzwerke, Cluster oder  Communities in kreative Prozesse eingebunden werden können. Aktuell untersuchen wir diese und ähnliche Fragestellungen im Kontext der DFG-ForscherInnengruppe „Organized Creativity“, in der  15 Forscherinnen und Forscher verschiedener Universitäten in Deutschland und Österreich am Beispiel der Musikindustrie und der Pharmaforschung die Organisation kreativer Prozesse mit Blick auf den Umgang mit Unsicherheiten studieren. Darüber hinaus blicken wir auf regionale Innovationsdynamiken im Projekt „Innovationsstadt Linz“.

Ausgewählte Publikationen:

Lange, B./Schüßler, E. (2018): Unpacking the middleground of creative cities: Sociospatial dynamics in the configuration of the Berlin design fieldRegional Studies.Vol. 52, Nr.11, Seiten: 1548-1558

Grabher G., Melchior A., Schiemer B., Sydow J., Schüßler E. (2018): From being there to being aware: Confronting geographical and sociological imaginations of copresence, in Environment & Planning A

Fortwengel, J./Schüßler, E./Sydow, J. (2017): Studying organizational creativity as process: Fluidity or duality? Creativity and Innovation Management, 26(1), 5-16.

Dobusch, L./Schüßler, E. (2014): Copyright reform and business model innovation: Regulatory propaganda at German music industry conferences. Technological Forecasting and Social Change, 83, 24-39. 

Mangematin, V./Sapsed, J./Schüßler, E. (2014): Disassembly and reassembly: An introduction to the Special Issue on digital technology and creative industries. Technological Forecasting and Social Change, 83: 1-9.

Lange, B./Bürkner, H.-J./Schüßler, E. (2013) (Hg.): Akustisches Kapital: Wertschöpfung in der Musikwirtschaft. Bielefeld: transcript.