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Forschungsprojekte

(2021) The Politics of Data Science. Zum Verhältnis von Wissen, Macht und Technik in einem neuen Wissensfeld

 

Kurzbeschreibung

Das Projekt untersucht die sich gegenwärtig im deutschsprachigen Raum (D-A-CH) institutionalisierenden Data Science sowohl auf der strukturell-organisatorischen als auch auf der symbolisch-epistemologischen Ebene. Ziel ist es, die strukturell-symbolische Verfasstheit dieses aufstrebenden Wissensfeldes zu skizzieren und einer macht- und herrschaftskritischen Reflexion zuzuführen. Damit geht es darum, unter Fokussierung auf Data Science und ihre Etablierung im deutschsprachigen Raum in Form von neu eingerichteten Studiengängen, Professuren und Forschungszentren der Frage nachzugehen, wie sich im Kontext der zunehmenden Verbreitung datenbasierter algorithmischer Verfahren der Wissensproduktion die gesellschaftlich etablierten Strukturen und Modi der Wahrheitsfindung verschieben und wie diese Verschiebungen aus einer macht- und herrschaftskritischen Perspektive einzuschätzen sind.

Den Data Science wird in diesen Transformationsprozessen gesellschaftlicher Wissensregime eine Schlüsselrolle attestiert, insofern hier einerseits die Verfahren, Techniken und Methoden entwickelt werden, die für eine datenbasierte algorithmische Wissensproduktion grundlegend sind, und andererseits mit den Data Scientists die zukünftigen Expert*innen für diese Form der Wissensproduktion auch für andere gesellschaftliche Bereiche ausgebildet werden.

 

Veröffentlichungen aus dem Projektkontext

 

(2019-2021) Digitale Prozesssteuerung in der „Industrie 4.0". Zwischen Selbstorganisation und Kontrolle

 

Projektziel

Arbeit in der so genannten „Industrie 4.0“ wird durch digitale Prozesssteuerungstechnologien geprägt, die in Umfang und konkreter Ausprägung neu sind. Die zugrundeliegenden Steuerungsprinzipien sind es jedoch keineswegs. Denn sie beruhen auf der klassischen kybernetischen Steuerungstheorie. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, wie sich eine solche, auf vernetzten cyber-physischen Systemen basierende, digitale Prozesssteuerung auf organisationale Kontrolle und Mitbestimmung in Industrieunternehmen auswirkt.

 

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Produktionssteuerung mittels selbstorganisierenden cyber-physischen Systemen nimmt auf der technischen Ebene ein neues Ausmaß an. Das ihr zugrundeliegende Steuerungskonzept ist jedoch keineswegs so neu, wie dies die „vierte industrielle Revolution“ gerne reklamiert: Es ist das Steuerungskonzept der Kybernetik als „Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle“ (Wiener), die bereits Ende der 1940er Jahre mit dem Ziel antrat, auf der Basis von Feedbackkreisläufen selbstregulierende Systeme zu schaffen. Im Forschungsprojekt wird deshalb die Hypothese aufgestellt, dass die gegenwärtigen Visionen digitaler Prozesssteuerung zu großen Teilen von einer Revitalisierung kybernetischer Ideen geprägt sind, die in neuen (sozio)-technischen Infrastrukturen und Managementpraktiken wirksam werden. Vor diesem Hintergrund der Kybernetisierung lassen sich die ambivalenten Auswirkungen der digitalen Steuerungstechniken auf das Verhältnis von Mitbestimmung und Kontrolle in der „Industrie 4.0“ verstehen.

 

2. Fragestellung

Das Projekt geht der Frage nach, wie sich die Implementierung digitaler Prozesssteuerung auf Macht- und Mitbestimmungsverhältnisse in industriellen Organisationen auswirkt. Ziel ist es, durch die Beantwortung dieser Frage einerseits einen Analyserahmen und andererseits eine (auf diesem basierende) arbeitspolitische Handlungsgrundlage für den Umgang mit der digitalisierten Industrie auszuarbeiten. Dabei kann unter anderem durch den Blick in die Vergangenheit mittels einer Genealogie kybernetischer Steuerungsprinzipien der Blick für die Potentiale der Gegenwart geschärft werden. In dieser Hinsicht ist das Ziel, die politische Kontingenz der kybernetischen Steuerung aufzuzeigen.

 

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt wird sowohl empirisch als auch theoretisch vorgehen. Zunächst werden die Konzepte und Visionen kybernetischer Steuerung genealogisch rekonstruiert, um dann empirisch überprüfen zu können, inwiefern diese einerseits in der Rhetorik und den Visionen um „Industrie 4.0“ und andererseits in der betrieblichen Praxis zum Tragen kommen. Dafür werden einerseits Manager*innen und Ingenier*innen in verschiedenen produzierenden Unternehmen der „Industrie 4.0“ nach ihren Visionen digitaler Prozesssteuerung befragt. Andererseits werden mittels Interviews mit Arbeiter*innen und Betriebsrät*innen dieser Betriebe, sowie einer teilnehmenden Beobachtung die Umsetzung dieser Visionen in den Betrieben, sowie ihre Auswirkungen auf organisationale Kontrolle und Mitbestimmung erhoben.

 

Veröffentlichungen aus dem Projektkontext

  • Meier, F., & Meyer, U. (2020). Organisationen und heterogene Umwelten: Zum Umgang mit Fragen institutioneller Pluralität. In R. Hasse, & A. Krüger (Hrsg.), Neo-Institutionalismus: Kritik und Weiterentwicklung eines sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramms (S. 75-100). Bielefeld: transcript. DOI: 10.14361/9783839443026-005.
  • Rego K. (2020): Stabilität oder Wandel durch Digitalisierungsprozesse? Überlegungen zum Verhältnis von Personalmanagement und Mitbestimmung. In: Bader V. / Kaiser S. (Hrsg.): Arbeit in der Data Society: Zukunftsfähige Unternehmensführung in Forschung und Praxis. Wiesbaden: Springer Gabler, S. 71-85. DOI:10.1007/978-3-658-32276-2_5.
  • Meyer, U. (2019) The institutionalization of an envisioned future: Sensemaking and field formation in the case of “Industrie 4.0” in Germany. In A. Lösch, A. Grunwald, M. Meister, & I. Schulz-Schaeffer (Hrsg.), Socio-technical futures shaping the present: Empirical examples and analytical challenges (S. 111-138). Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-27155-8_6.
  • Meyer, U., Schaupp, S., & Seibt, D. (Hrsg.). (2019). Digitalization in industry: Between domination and emancipation. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

 

Lehrforschungsberichte

Online-Lehre auf dem Corona-Prüfstand: Wie JKU-Studierende den Umstieg auf Distance Learning im Sommersemester 2020 erlebt haben.
  Endbericht zum Lehrforschungspraktikum „Digitalen Wandel erforschen“ (Leitung: Bianca Prietl, 2020/2021)

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Lehrforschungsberichte des Arbeitsbereichs Globale Soziologie und Entwicklungsforschung

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