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Institut für Soziologie
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Projektbeschreibung

Problemaufriss und Fragestellung

Digitalisierung hat sich als Begriff längst von der ursprünglichen Bedeutung der Transformation analoger Daten in digitale Formate gelöst. Inzwischen beschreibt er die Veränderung nahezu aller gesellschaftlichen Teilbereiche durch deren zunehmenden Bezug auf digitale Technologien. Mit dieser Bedeutungsverschiebung geht ein Verlust an begrifflicher Klarheit einher. Betrachtet man beispielsweise alleine Digitalisierung im Kontext der Arbeitsorganisation von Unternehmen, kann Digitalisierung so unterschiedliche Dinge beschreiben wie Technisierung, Automatisierung, Virtualisierung, Datafizierung oder Agilisierung. Dieses Problem wird dadurch verschärft, dass die großen Versprechen und Ängste, Utopien und Dystopien, die in Technisierungs- und Digitalisierungsdebatten zum Ausdruck kommen, häufig wenig Bezug zur alltäglichen Praxis in Unternehmen aufweisen.

Die gegenwärtige Debatte um die Digitalisierung der Arbeit (“Arbeit 4.0”) ist historisch eingebettet. Sie bemüht Topoi aus dem Diskurs um die Technisierung der Arbeitswelt seit der (ersten) „Industriellen Revolution“ um 1800. Der zentrale Topos dieses Diskurses war der Ersatz des Menschen durch die Technik, den Akteure – je nach Interessenlage und Wertorientierung – positiv (z.B. Befreiung von schwerer Arbeit) oder negativ (z.B. Arbeitsplatzverlust) deuteten. Nach mehreren Auf- und Abschwungphasen gewann diese Debatte mit der Automation in der Arbeitswelt ab den krisenhaften 1970er Jahren wieder an Schwung, der bis heute anhält. Das vorgeschlagene Forschungsvorhaben begreift Digitalisierung daher als originär soziales und betriebswirtschaftliches, historisch eingebettetes Phänomen und zielt darauf ab,

  1. aktuelle Debatten und Narrative der Digitalisierung zu erheben, zu analysieren und zu systematisieren,
  2. die gegenwärtige Praxis der Digitalisierung in unterschiedlichen Arbeitskontexten in ihrem Einfluss auf die Arbeitsorganisation zu untersuchen und (3.) aus dem Spannungsverhältnis von Narrativen und organisationaler Praxis Handlungsoptionen und -strategien abzuleiten, die es erlauben, digitale Arbeit aktiv mitzugestalten.

Dabei wird Digitalisierung – einschließlich damit einhergehender Topoi wie “Industrie 4.0”, “Künstliche Intelligenz”, “Mensch-Maschine-Interaktion” oder “Plattformökonomie” – zum einen als diskursiv-politischer Begriff verstanden, mit dem Visionen neuer sozio-technischer Ordnungen verwirklicht werden sollen, zum anderen als gelebte Alltagspraxis, in der durch Technikeinsatz die Arbeitsorganisation und die damit einher gehenden Arbeitsbeziehungen verändert werden, sei es durch Cloud-Services und verstärktes Arbeiten im Homeoffice, die Technisierung bis dato zwischenmenschlicher Interaktion oder plattformbasierte und algorithmengesteuerte Arbeitsorganisation. In diesem Spannungsfeld ist die Zukunft digitaler Arbeit keineswegs durch Technik determiniert, sondern wird durch politische Diskurse, wirtschaftliche Entscheidungen und das Handeln aller Beteiligten geprägt.

Damit die Versprechen/Ängste, Utopien/Dystopien und Interessen verschiedener Akteursgruppen (insbesondere Politik, Technikhersteller, intermediäre Organisationen, Management und ArbeiterInnen), die die Narrative der Digitalisierung prägen, und der praktische Einfluss des Technikeinsatzes auf die Arbeitsorganisation erfasst werden können, stellen wir die folgenden Fragen in das Zentrum unserer Untersuchung:

  1. Welche Narrative über Veränderungen in der Arbeitsorganisation durch digitale Technologien werden in verschiedenen Kontexten durch verschiedene Akteure entwickelt und wie beeinflussen sie die Technologieentwicklung?
  2. Aus welchen historischen Debatten sind die gegenwärtigen Narrative entstanden und welche Vorstellungen des Wandels von Arbeit kommen darin zum Ausdruck?
  3. Inwiefern bilden sich die Narrative im konkreten Technikeinsatz in der Arbeitsorganisation ab bzw. inwiefern zeigen sich in der Praxis von Arbeitsorganisation und Technikeinsatz andere Aspekte der Veränderung von Arbeit?
  4. Was sind die gestalterischen Konsequenzen für Gleichstellung, Demokratisierung, Aufwertung von Arbeit? Unser Untersuchungsdesign erlaubt es, das Verhältnis von digitalen Technologien und Arbeitsorganisation in zukunftsrelevanten Bereichen zu beleuchten, es historisch zu rekonstruieren und Gestaltungsperspektiven von übergreifender Bedeutung herauszuarbeiten.

Forschungsdesign und Zielstellung

Das Projekt integriert betriebswirtschaftliche, historische und soziologische Perspektiven, um Narrative der Technisierung und Digitalisierung zu erforschen und verbindet dies mit einer Rekonstruktion der geschichtlichen Entwicklung von Arbeit und mit Fallstudien zum gegenwärtigen Technikeinsatz und der Organisation von Arbeit.

Ziel ist, wissenschaftlich fundiert das Verhältnis von digitalen Technologien und Arbeitsorganisation auszuloten, Spielräume für seine Ausgestaltung aufzuspüren und zu benennen und den entsprechenden Wissenstransfer in Gestalt einer Landkarte der Digitalisierung und eines Workshopkonzepts zu gewährleisten.

Unser Forschungsvorhaben ist in vier eigenständige empirische Teilprojekte gegliedert, wobei drei davon jeweils auf ein zukunftsrelevantes Arbeitsfeld fokussieren und eines davon “quer” zu diesen drei Projekten eine historische Perspektive einnimmt. Die drei empirischen Felder sollen eine für die AK relevante Bandbreite an Arbeitskontexten abdecken und folgen somit der Designlogik einer maximalen Varianz. Das historische Projekt befasst sich mit zentralen Stationen in der Geschichte von Arbeit und Technik.

Forschungsfelder und Teilprojekte

Teilprojekt 1: IT-Branche (Uli Meyer/Stefanie Raible)

Das erste Feld (Teilprojekt 1) ist die IT-Branche. Fallstudien werden in einem IT-Unternehmen durchgeführt, welches selbst digitale Technologien zur Arbeitsorganisation entwickelt und anwendet. IT-Angestellte sind eher gut bezahlte WissensarbeiterInnen. IT-Unternehmen bilden einen Nexus sowohl für Narrative der Digitalisierung als auch für die Praxis ihrer Verwendung. IT-Unternehmen entwickeln, produzieren und vermarkten einen Teil der Technologien, die die Grundlage der Digitalisierung bilden. Gleichzeitig müssen sie auch den Erwartungen zur Digitalisierung gerecht werden, die von verschiedenen Akteur*innen an sie herangetragen werden. IT-Unternehmen treiben Narrative der Digitalisierung selbst voran, z.B. wenn sie ihre Produkte bewerben, werden mit diesen aber auch konfrontiert, z.B. über Kund*innenanfragen oder Erwartungen ihrer Mitarbeiter*innen. Mitarbeiter*innen und auch Kund*innen erwarten häufig, dass Digitalisierungsprojekte entsprechend gerade geltender Vorstellungen von moderner Arbeitsorganisation umgesetzt werden. Gegenwärtig ist dies z.B. Agiles Projektmanagement. Solche Erwartungen sind geprägt von den Narrativen der Digitalisierung. Die Herausforderung für IT Unternehmen ist es, solche Vorstellungen in Einklang zu bringen mit technisch Machbarem und der existierenden, alltäglichen Praxis bei den KundInnen. Die alltägliche Praxis der Digitalisierung und mit ihr die konkreten Formen der Arbeitsorganisation werden wir sowohl im Unternehmen beobachten, als auch bei Implementierung der Technologien bei KundInnen hinsichtlich der Spannungsverhältnisse zwischen (gebotenen) Narrativen und (erwarteter) Praxis zeigen.

Teilprojekt 2: Altenbetreuung und -pflege (Brigitte Aulenbacher/Anna Pillinger)

Das zweite Feld (Teilprojekt 2) ist die Altenbetreuung und -pflege, in der die Digitalisierung die Arbeitsorganisation wie das Betreuungs- und Pflegehandeln verändern und sich Fragen der Arbeitsbewertung, Gleichstellung und Partizipation in den traditionell gering gratifizierten, feminisierten Betreuungs- und Pflegeberufen neu stellen. Die Digitalisierung der Altenbetreuung und -pflege ist im Kontext des demografischen Wandels zu einem bedeutenden, wenngleich nicht zuletzt auch unter berufs- und professionsethischen Erwartungen an “gute Sorge” und arbeitspolitischen Erwartungen an “gute Arbeit” umstrittenen Thema geworden. Das betrifft die Rationalisierung und Rationalisierbarkeit der Arbeit am Menschen einerseits, die versprochene Betreuungs- und Pflegequalität wie die Arbeits- und Lebenserleichterung andererseits. Das Projekt befasst sich mit den Narrativen und der Praxis der Digitalisierung in der Altenbetreuung und -pflege und nimmt zwei Techniklinien in den Blick, wobei jeweils die Technologieentwicklung und der Technikeinsatz untersucht werden: Organisationstechnologien, die darauf zielen, die Abläufe von der Betreuungs- und Pflegeplanung über die Arbeitsorganisation bis zur Dokumentation in den Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen/mobilen Diensten und/oder den Alltag der Betreuten zu unterstützen und vernetzte, intelligente Technologien in Gestalt der Robotik, die sich auf die Organisation, Durchführung, Überwachung von Betreuung und Pflege einschließlich der Mensch-Maschine-Interaktion beziehen.

Teilprojekt 3: Plattformarbeit (Elke Schüßler, Sara Maric)

Das dritte Feld (Teilprojekt 3) ist die Plattformarbeit, die zwar nicht in die Gruppe der betrieblich Beschäftigten fällt, aber eine Extremform der digitalisierten Arbeitsorganisation darstellt und als solche künftig womöglich auch für den betrieblichen Sektor relevant wird. Digitale Plattformen haben ein sehr eigenes Modell der Arbeitsorganisation entwickelt, in dem durch die digitale Infrastruktur Kontrolle über Arbeitsprozesse delegiert, Macht über kritische Entscheidungen wie Preise und Aufgabenverteilung aber zentralisiert wird. Das Feld der Plattformarbeit ist sehr heterogen und reicht von lukrativen Nebenjobs zu ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Durch eine Reihe von Streiks, Gerichtsverfahren und Policy-Initiativen konnten erste Verbesserungen für Plattformarbeitende durchgesetzt werden. Diese betreffen jedoch meist den Bereich der sogenannten ortsgebundenen “gig work” und nicht die ortsungebundene “Cloudwork”. Dieser Bereich ist unterbelichtet – nicht zuletzt, weil Cloud-Arbeitende deutlich schwerer für Forschungstätigkeiten zugänglich sind. Narrative bei der Cloud-Arbeit umfassen eine höhere Autonomie und Flexibilität für die ArbeiterInnen oder auch diskriminierungsfreie Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt. Unter dem Banner der “Sharing Economy” geben sich viele Plattformen darüber hinaus partizipativ. Diesen Narrativen stehen Beschreibungen von algorithmischer Kontrolle, algorithmenbasierter Diskriminierung und einem Mangel an Mitbestimmungsmöglichkeiten entgegen. Dieses Projekt will die Arbeitsrealitäten von Cloud-ArbeiterInnen in Wien und Umgebung genauer abbilden.

Teilprojekt 4: Historische Technikdiskurse (Ernst Langthaler, Wally Friedl)

Die Analyse historischer Technikdiskurse in der Arbeitswelt (Teilprojekt 4) bettet die übrigen drei Teilprojekten mit kurzfristiger Perspektive in mittel- und längerfristige Entwicklungen ein. Das Teilprojekt konzentriert sich auf die Frage, in welcher Weise gegenwärtige Digitalisierungsnarrative an vergangene Technikdiskurse und deren Legitimationsstrategien anknüpfen oder sich davon abgrenzen. Damit trägt es zur historischen Reflexion einer scheinbar ‘geschichtslosen’ Digitalisierungsdebatte bei. Technikdiskurse sind nicht nur ‘Texte’, sondern stets auch Aushandlungen zwischen verschiedenen Akteuren über das, was gesellschaftlich (un-)denkbar, (un-)machbar und (un-)erwünscht ist. Gegenwärtige Digitalisierungsnarrative bemühen Topoi – vor allem den Topos vom Ersatz des Menschen durch die Technik –, die zeitlich bis zur klassischen “Industriellen Revolution” ab etwa 1800 zurückreichen. Auch in der Vergangenheit suchten Akteure über Zukunftsentwürfe positiver (utopischer) oder negativer (dystopischer) Technologien zu (ent-)legitimieren. Solche wirkmächtigen Utopien und Dystopien entstanden vermehrt in Europa seit den 1970er Jahren – einer “Sattelzeit”, in der die vom (männlich zentrierten) “Normalarbeitsverhältnis” geprägten Erfahrungsräume im Wirtschaftsboom und die auf “flexible MitarbeiterInnen” bezogenen Erwartungshorizonte in der Wirtschaftskrise auseinander drifteten.

Methodisches Vorgehen

In jedem Feld (Teilprojekte 1 bis 4) werden in einem ersten Schritt Daten zu den (dystopischen, utopischen) Narrativen erhoben. Als Datenquelle für die Narrative werden pro Feld Branchenzeitschriften, Werbematerialien der Hersteller, Materialien aus Pilotprojekten sowie weitere wissenschaftliche und praxisnahe Publikationen herangezogen.

Darüber hinaus werden in der historischen Untersuchung (Teilprojekt 4) im zweiten Schritt die wichtigsten Stränge von arbeitsweltbezogenen Technikdiskursen in Österreich seit den 1970er Jahren rekonstruiert und im jeweiligen Kontext interpretiert. Der Fokus liegt dabei auf den Ambivalenzen der Auseinandersetzung um Automation in der Arbeitswelt (z.B. Flexibilisierung vs. Prekarisierung). Als Quellengrundlage dienen periodische Druckschriften wie Wirtschaftsmagazine, Branchenzeitschriften sowie Mitgliederzeitungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden. Neben dem Text- wird auch das reiche Bildmaterial (z.B. Karikaturen) dieser Quellen in die Analyse einbezogen. Weiters werden in jedem der drei Felder 5 ExpertInnengespräche mit TechnikentwicklerInnen geführt, um zu eruieren, welche Erwartungen an die digital gestützte Arbeitsorganisation sie aufnehmen und technologisch umsetzen.

Zur Erhebung der Arbeitsorganisation werden in den drei Forschungsfeldern (Teilprojekte 1-3) in einem zweiten Schritt auf Basis problemzentrierter Interviews und, soweit es die Rahmenbedingungen zulassen, (teilnehmender) Beobachtung Fallstudien durchgeführt.

Im IT-Unternehmen (Teilprojekt 1) sollen Interviews geführt werden mit Projektmitarbeitern, Projektmanagern und auch Führungskräften. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen: Wie werden digitale Technologien im Unternehmen selbst und bei Kunden eingeführt. Welche Narrative spielen dabei eine Rolle? Inwieweit sind Kundenerwartungen von solchen Narrativen geprägt? Welche Konflikte entstehen zwischen Erwartungen und den praktischen Formen des Einsatzes digitaler Technologien sowohl im Unternehmen selbst als auch in Projekten mit Kunden? Welche Gestaltungsmöglichkeiten lassen sich in diesen Kontexten erkennen bzw. ableiten?

In Einrichtungen der Altenbetreuung und -pflege (Teilprojekt 2) werden Interviews mit LeiterInnen, weiteren Führungskräfte, Betriebsrat und Betreuungs- und Pflegekräften dazu geführt, welche Erwartungen sie in Bezug auf den Technikeinsatz haben, wie die Technologien eingesetzt werden und wie dies die Arbeitsorganisation berührt sowie welche Erfahrungen sie mit der Digitalisierung der Abläufe und des Betreuungs- und Pflegehandelns haben. Erforscht wird, in welcher Weise der Technikeinsatz die Arbeitsorganisation und das Betreuungs- und Pflegehandeln und damit verbundene Erwartungen an “gute Sorge” und “gute Arbeit” berührt.

Im Plattformfeld (Teilprojekt 3) werden über den Mailverteiler des Kooperationspartners, der ÖH Wien, Interviews mit Cloud-ArbeiterInnen aus Wien und Umgebung geführt, um die Arbeitsrealitäten in diesem heterogenen Sektor genauer zu erfassen. In den Interviews soll u.a. abgefragt werden, wie die Arbeitsprozesse auf verschiedenen Plattformen konkret ablaufen, welche Rolle Algorithmen spielen, wie und ob Diskriminierung erlebt wird und wie sich Cloud-ArbeiterInnen selbst unter Nutzung digitaler Technologien organisieren.

Die in allen vier Teilprojekten erhobenen Daten werden in fünf Schritten ausgewertet. In einem ersten Schritt werden die historischen und gegenwartsnahen Narrative zu digitalen Technologien (im Kontext von IT Unternehmen, Technikentwickler für Pflegetechnologien, Plattformen) in einer qualitativen Inhaltsanalyse dahingehend ausgewertet, wie sie deren Leistungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeit in der Arbeitsorganisation beschreiben. In einem zweiten Schritt wird untersucht, wie die Technologien im jeweiligen Arbeitskontext zum Einsatz kommen und die Arbeitsorganisation beeinflussen. In einem dritten Schritt wird untersucht, welche Chancen und Risiken mit den jeweiligen Technologien bezüglich der Aufwertung der Arbeit (z.B Betreuungs- und Pflegetätigkeit), der Gleichstellung und der Partizipation der Arbeitenden einhergehen. In einem vierten Schritt werden die Erkenntnisse der ersten Analyseschritte gebündelt und entlang zweier zentraler Dimensionen über die Felder hinweg miteinander verglichen und integriert:

  • (a) Ein Vergleich gegenwärtiger Digitalisierungsnarrative mit den historischen Debatten zielt darauf, eine Landkarte über Altes und Neues, Utopisches und Dystopisches zu erstellen, anhand derer zentrale Handlungsfelder für die Betriebsratsarbeit identifiziert werden können.
  • (b) Ein Vergleich der Narrative mit der Praxis der Arbeitsorganisation im Kontext der Digitalisierung in verschiedenen Branchen dient dazu, Spannungsverhältnisse zu identifizieren und – für unterschiedliche Beschäftigtengruppen – Handlungsmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume (Wo kann es hingehen? Wo soll es hingehen? Was soll verhindert werden?) aufzuzeigen. In einem fünften Schritt werden die Ergebnisse in Arbeitspapieren sowie in Berichtsform zusammengefasst und Workshopmaterialien werden erstellt.

Wissenstransfer und Zielgruppen

Es werden verschiedene Produkte entwickelt, die z.B. Gewerkschaften und Betriebsräte dabei unterstützen, die gegenwärtige Situation in Unternehmen in Bezug auf Digitalisierung und Arbeitsorganisation zu analysieren und basierend auf dieser Analyse aktiv an ihrer zukünftigen Ausgestaltung mitzuwirken und zur Digitalisierungsberatung zu nutzen. Die erwartbaren Ergebnisse sind:

  •  eine Landkarte gegenwärtiger Digitalisierungsdebatten und deren Anknüpfungspunkte an historische Utopien und Dystopien,
  • eine Übersicht über die Praxis der Arbeitsorganisation im Kontext der Digitalisierung in verschiedenen Branchen und im Spannungsfeld mit üblichen Narrativen,
  • ein Workshopkonzept sowie Workshopmaterialien, in denen die historische Einbettung der Digitalisierung, die Versprechen und Ängste, Utopien und Dystopien der Narrative wie die Praxen von Technikeinsatz und Arbeitsorganisation daraufhin thematisiert werden, welche Gestaltungsspielräume sie erkennen lassen und welche Gestaltungsoptionen sie nahelegen.
  • Als Zielgruppen des Projektes können Betriebsrät*innen und Gewerkschaften die Projektergebnisse nutzen, um im historischen sowie aktuellen Kontext in unterschiedlichen Beschäftigungsfeldern Gestaltungsspielräume und -optionen für eine faire digitale Arbeitsorganisation, für die Aufwertung von Arbeit, für die Gleichstellung und Partizipation, die Interessensvertretung und Mitbestimmung zu identifizieren,
  • Beschäftigte/Arbeiter*innen die Projektergebnisse nutzen, um sich über die Geschichte der Digitalisierung und ihre Ausgestaltung in verschiedenen Beschäftigungs- und Arbeitsfeldern zu informieren.    

Aufruf zur Studienteilnahme

Interviewpartner*innen gesucht!
Arbeiten Sie über Plattformen wie Clickworker, Entscheiderclub, Content.de, Peopleperhour oder Testbirds?

Für unser vom Digitalisierungsfond der Arbeiterkammer Wien unterstütztes Forschungsprojekt „Digitalisierung und Arbeitsorganisation: Narrative, Praxis und Gestaltungsoptionen“ an der Johannes Kepler Universität Linz suchen wir Menschen, die in Österreich leben aktuell oder in der Vergangenheit internetbasierte Arbeit über Plattformen ortsunabhängig verrichtet haben (cloudwork) und mit uns ein Interview führen möchten.
Das Gespräch dauert ca. 30 Minuten und umfasst Themen wie Arbeitsbedingungen, Arbeitszeitgestaltung und Aufgaben.

Mit der Teilnahme an der Studie leisten Sie einen Beitrag zum besseren Verständnis von Cloudwork in Österreich und schaffen eine Basis zur Gestaltung von fairer Cloudwork.
Bei Interesse einfach eine E-Mail an folgende Adresse senden: sara.maric@jku.at, öffnet in einem neuen Fenster. Wir melden uns bei Ihnen.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie hier: https://www.jku.at/digitalisierung-arbeit, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster