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Forschendes Lernen in den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen der PädagogInnenbildung Neu

Johannes Reitinger, Herbert Altrichter & Christoph Weber

1. Theoretischer Hintergrund, Fragestellung und Zielsetzung

Die Theorie der Forschenden Lernarrangements (TILA; Reitinger 2013; Reitinger, Haberfellner, Keplinger 2016) definiert a) erfahrungsbasiertes Hypothetisieren, b) authentisches Explorieren, c) den kritischen Diskurs und d) den konklusionsbasierten Transfer als Merkmale/Kriterien forschenden Lernens. Hierbei handelt es sich um Konstrukte, die aus einem Theoriegeflecht (Selbstbestimmungstheorie, Bildungstheorie, Motivationspsychologie, Neurowissenschaften, …) ableitbar sind und mit empirischen Methoden, im Speziellen mit der Methode der Aktionsforschung (Altrichter, Posch & Spann, 2018), korrespondieren. Das Criteria of Inquiry Learning Inventory (CILI; Reitinger 2016) basiert auf dieser TILA und ermöglicht die post-aktionale Untersuchung der Entfaltung dieser Merkmale/Kriterien forschenden Lernens.

Im Zuge der Überlegungen zur Evaluierung der PädagogInnenbildung Neu im Raum Linz entstand die Idee, das Studium des Lehramts für Sekundarstufe dahingehend zu untersuchen, ob in den Bildungserfahrungen der Studierenden forschendes Lernen zu Entfaltung kommt, und wie sich diese Einschätzungen über das gesamte Studium hinweg entwickeln. Diese Überlegung ist insofern interessant, da sie den Blick nicht auf die Kompetenzentwicklung bei Studierenden wirft, sondern auf die Entwicklung von Studiendesigns bzw. der Lehre. Im Sinne der Evaluierung der Studie ist dies, neben der outputorientierten Entwicklung von Kompetenzen, aber ein wesentlicher Forschungskontext, der zur Berücksichtigung einlädt.

Ziel der hier beschriebenen Teilstudie ist demzufolge die Entwicklung eines spezifischen Inventars, ausgehend von der Theorie der Forschenden Lernarrangements (TILA) und dem bereits existierenden Criteria of Inquiry Learning Inventory (CILI) bzw. dem sich in Entwicklung befindenden CILI-D (deutschsprachiges Inventar; Reitinger, Schude, Cihlars & Bosse, i.Vorb.).

 

2. Vorgangsweise

Es soll eine Itembatterie (CILI-D2) zur Feststellung der Entfaltung forschenden Lernens im Rahmen randomisierter LV innerhalb eines Studienabschnitts (PädagogInnenbildung Neu) entstehen. Hierzu werden die Items des bereits existierenden CILI herangezogen. CILI basiert auf den vier forschungsbezogenen Handlungsdomänen (Kriterien forschenden Lernens) der Theorie der Forschenden Lernarrangements (TILA) und kann zur Untersuchung konkreter „Lernaktivitäten“ (wie beispielsweise Seminare, Workshops, Projekte, Kurse; Reitinger 2016, S. 56) verwendet werden. Die zu konzipierende Batterie soll in die laufende Längsschnittstudie zur Evaluierung der Sekundarstufenausbildung integriert werden. Von den Studierenden sollen hierzu aus den Bereichen BWG/PPS, Fach(didaktik) I und Fach(didaktik) II randomisierte konkrete Lehrveranstaltungen bewertet werden.

Um eine Zeitreihenuntersuchung ansetzen zu können, wird die Batterie in die laufenden Erhebungen zur Evaluierung der PädagogInnenbildung Neu an den Linzer Tertiären Institutionen regelmäßig eingebunden.

 

3. Literatur

  • Altrichter, H., Posch, P. & Spann, H. (2018). Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht. 5. Auflage. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
  • Reitinger, J. (2013). Forschendes Lernen. Theorie, Evaluation und Praxis. Immenhausen bei Kassel: Prolog.
  • Reitinger, J. (2016). On the Nature and Empirical Accessibility of Inquiry Learning: The Criteria of Inquiry Learning Inventory (CILI). In J. Reitinger, C. Haberfellner, E. Brewster, & M. Kramer (Eds.), Theory of Inquiry Learning Arrangements. Research, Reflection, and Implementation (pp. 39–59). Kassel: University Press.
  • Reitinger, J., Haberfellner, C., & Keplinger, G. (2016). An Overview of the Theory of Inquiry Learning Arrangements (TILA). In J. Reitinger, C. Haberfellner, E. Brewster, & M. Kramer (Eds.), Theory of Inquiry Learning Arrangements. Research, Reflection, and Implementation (pp. 1–11). Kassel: University Press.