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Hinweise zur Diplomprüfung Erziehungswissenschaft & Psychologie

1. Überlick und aktuelle Informationen

Die 2. Diplomprüfung aus Erziehungswissenschaft und Psychologie setzt sich aus einer schriftlichen und einer mündlichen Fachprüfung zusammen.

Die Zulassung zur schriftlichen Prüfung setzt die positive Absolvierung aller Lehrveranstaltungen mit Prüfungscharakter sowie des Schulpraktikums II voraus. Die schriftliche Prüfung erfolgt in Form einer 5-stündigen Klausur (inkl. Pause) oder in Form einer Vertiefungsarbeit und einer zweieinviertel-stündigen Klausur (ohne Pause).

Die Zulassung zur mündlichen Prüfung setzt den positiven Abschluss der schriftlichen Diplomprüfung voraus. Die mündliche Prüfung erfolgt als Vertiefungsprüfung.

Die Prüfungstermine des aktuellen Semesters werden jeweils auf der Seite des Prüfungs- und Anerkennungsservice der JKU bekannt gegeben:

2. Schriftliche Diplomprüfung

2.1. Aufbau schriftliche Diplomprüfung

Die schriftliche Diplomprüfung aus Erziehungswissenschaft besteht aus den zwei Partialen Psychologie und Pädagogik.

Für jede Partiale stehen zwei Stunden und fünfzehn Minuten Zeit für die Bearbeitung der Fragen zur Verfügung. Zwischen den beiden Partialen ist eine Pause im Ausmaß von 30 Minuten vorgesehen.

Die psychologische Partiale besteht aus den Teilen A „Entwicklungspsychologie“ und B „Pädagogische Psychologie“.

In Teil A wie auch in Teil B werden drei Themenbereiche zur Auswahl gestellt. Davon müssen jeweils zwei (!) Bereiche, inklusive aller Unterfragestellungen, beantwortet werden.

Die pädagogische Partiale besteht aus C „Schulsystem und Schulentwicklung“ und D „Unterricht, Lehren und Lernen, Schulklasse“.

In Teil C wie auch in Teil D werden zwei Themenbereiche zur Auswahl gestellt. Davon muss jeweils ein (!) Bereich, inklusive aller Unterfragestellungen, beantwortet werden.

Es besteht die Möglichkeit, eine der beiden Partialen durch eine Vertiefungsarbeit zu ersetzen. Lesen Sie im Unterpunkt 2.2. mehr darüber.

Insgesamt können bei der schriftlichen Diplomprüfung (Partiale A und B) 240 Punkte erreicht werden (60 pro Prüfungs-Teil). Die Prüfung ist bestanden, wenn in jeder der beiden Partialen mindestens 60 Punkte (d. h. die Hälfte der Maximalpunktzahl) erreicht werden. Wenn eine Partiale nicht bestanden wurde, muss die gesamte schriftliche Diplomprüfung wiederholt werden. Wenn eine Vertiefungsarbeit verfasst wurde, müssen sowohl die Vertiefungsarbeit als auch Prüfungspartiale positiv bewertet werden, um eine positive Note zu erhalten.

2.2. Vertiefungsarbeit

Mit einer Vertiefungsarbeit können Sie eine Partiale der schriftlichen Diplomprüfung ersetzen – entweder die psychologische oder die pädagogische Partiale. Gut geeignet für eine Vertiefungsarbeit ist bspw. die Erarbeitung des aktuellen Standes der Forschung zu einer bestimmten Fragestellung. Eine Vertiefungsarbeit eignet sich auch gut zur Vorbereitung eines Diplomarbeitsthemas oder zur Vertiefung eines Ihnen bereits vertrauten Themas.

Das Thema der Vertiefungsarbeit ist vorab mit einem/r Betreuer/in abzusprechen; mit der Bearbeitung kann erst begonnen werden, wenn eine Betreuungszusage erteilt wurde. Die positive Absolvierung des Schulpraktikums II ist eine Voraussetzung für eine Betreuungszusage.

Mögliche Betreuer/innen sind Herbert Altrichter, Jakob Bergmann, Christoph Helm, Roman Langer, Smirna Malkoc und Julia Zuber. Da es zeitweise zu vielen Betreuungsanfragen kommt, kann es sein, dass keine Betreuungszusage erfolgt. Darüber hinaus werden Ansuchen abgelehnt, die noch nicht in ausreichender Qualität konzipiert sind und die thematisch unpassend sind. Die Wahrscheinlichkeit einer Betreuungszusage steigt grundsätzlich, wenn die Vertiefungsarbeit explizit als Vorbereitung der Diplomarbeit geplant ist. Die Vertiefungsarbeit wird (nach der Themenabsprache) nicht betreut. Sie kann jederzeit eingereicht werden und wird dann binnen zwei Wochen benotet.

Die Vertiefungsarbeit soll 30 Seiten (exklusive Literaturangaben) nicht überschreiten.

Wird eine Vertiefungsarbeit eingereicht, so muss sie mit einem Prüfungsantritt (also mit einem Termin zum Absolvieren der übrigen Partiale der schriftlichen Diplomprüfung) verknüpft werden. Es ist Ihnen freigestellt, zu welchem Prüfungstermin Sie sich anmelden. Die Anmeldung für die Diplomprüfung erfolgt dann auf demselben Weg, wie für Personen, die keine Vertiefungsarbeit verfasst haben. Personen die Vertiefungsarbeiten verfasst haben, erscheinen allerdings nur zu der Partiale der Diplomprüfung, die Sie noch zu schreiben haben. (Wenn die Prüfung beispielsweise von 08:30 bis 13:30 stattfindet, so wäre das um 08:30 für die Partiale I und um 11:15 für die Partiale II)

Die Vertiefungsarbeit wird nicht wie eine Klausurpartiale bepunktet, sondern mit Noten versehen. Wenn die Vertiefungsarbeit bestanden, die Klausurpartiale aber nicht bestanden ist, ist der betreffende Prüfungsantritt nicht bestanden. Die Vertiefungsarbeit samt Note bleibt für den nächsten Prüfungsantritt bestehen, nur die Partiale muss noch einmal neu geschrieben werden. Wenn die Vertiefungsarbeit nicht bestanden, die Klausurpartiale aber bestanden ist, ist der Prüfungsantritt nicht bestanden. Die Partiale bleibt mit Punktzahl und Note für den nächsten Prüfungsantritt bestehen, nur die Vertiefungsarbeit muss noch einmal geschrieben werden, und zwar zu einem neuen Thema.

2.3. Vorbereitungs- und Lernhinweise

1. Hinweise zur Vorbereitung

Die Prüfungsvorbereitung sollte nicht punktuell, sondern kontinuierlich im Laufe des zweiten Studienabschnittes erfolgen. Lesen Sie die Originaltexte der Prüfungsliteratur und keine kursierenden Zusammenfassungen, sonst gefährden Sie Ihre Chancen zu bestehen.

Konzentrieren Sie sich eher auf ausgewählte, zentrale Aussagen und darauf, die Bedeutung dieser Aussagen erläutern zu können. Lernen Sie nicht alle Details eines Textes auswendig. Halten Sie die wichtigsten Kernaussagen/-argumente fest und ermitteln Sie den logischen Aufbau der Argumentation (Welches Problem bzw. welche Frage wird behandelt? Welche Bedingungen verursachen das Problem? In welchen Schritten wird das Problem bearbeitet bzw. die Frage beantwortet? Wie lautet die endgültige Lösung/Antwort?).

Wenn möglich, diskutieren Sie die Texte mit Lernpartnern/innen! Durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Interpretationen des Textes verstehen Sie seine Aussagen genauer.

Versuchen Sie, die im Text geschilderten Methoden gedanklich auf andere, realistische pädagogische Situationen und Probleme anzuwenden als in den angegebenen Anwendungsbeispielen bzw. versuchen Sie, die im Text geschilderten Befunde als Analyseinstrument für pädagogische Situationen und Probleme anzuwenden. Denken Sie hier intensiv nach, auch mal „um die Ecke“ und geben Sie sich nicht mit den ersten spontanen Gedanken zufrieden. Argumentieren Sie differenziert und nicht in Pauschalaussagen.

  • Beispiel: „Standardisierung verhindert Individualisierung im Unterricht.“ Wirklich immer? Man könnte doch auch argumentieren, dass, wenn man alle Kinder auf denselben Mindeststandard bringen will, es dazu unbedingt nötig ist, stärker als bisher die Schüler/innen individuell bei ihren spezifischen Lernprozessen zu unterstützen! Also: Unter welchen Bedingungen gilt die These, unter welchen nicht? Und: Auf welche Weise unterstützt oder hemmt Standardisierung individualisierenden Unterricht?

Der Großteil der Fragen der Prüfung beinhaltet einen reproduktiven Teil, in dem Sie Ihr erlerntes Wissen wiedergeben können, sowie einen stärker konstruktiven Teil, in dem Sie das erworbene Wissen anwenden sollen – dies kann z. B. ein Praxisbeispiel sein, eine Verknüpfung von Theorie und Praxis, eine Zusammenführung verschiedener Themen, die von Ihnen sinnhaft miteinander verknüpft werden müssen, oder eine Begründung, etwa inwiefern sich ein pädagogischer Ansatz für eine bestimmte Problemsituation eignet oder nicht. Sinn ist, dass Sie Ihre wissenschaftlichen Kenntnisse für praktische Fragen zuspitzen und sie in der Praxis dann auch anwenden und nutzen können – darauf bereitet Sie diese Klausur vor. Die meisten Studierenden unterschätzen den konstruktiven Teil. Wenn Ihnen hier gute Argumentationen gelingen, können Sie Ihre Punktzahl erheblich steigern.

Finden Sie Zusammenhänge (Gemeinsamkeiten, Widersprüche, logische Folgen) zwischen den Inhalten der Prüfungstexte!

Prüfen Sie die Aussagen jedes Textes (a) auf logische Konsistenz, (b) auf empirische Stichhaltigkeit, (c) auf praktische Anwendbarkeit, (d) auf Bestätigung, Widerlegung oder Modifikation durch andere wissenschaftliche Erkenntnisse und Befunde, die Sie aus dem Studium kennen, und bilden Sie sich an Hand dieser Maßstäbe ein kritisches Urteil über die Aussagen des Textes!

Wie gut Sie vorbereitet sind, merken Sie daran, dass Sie zu jedem Prüfungstext

  • dessen wichtigste Aussagen im Kopf haben und diese „auf Knopfdruck“ mit Erläuterungen niederschreiben,
  • mit Aussagen anderer Texte vergleichen,
  • auf Fallbeispiele aus der Praxis anwenden und
  • kritisch beurteilen können.

 

2. Hinweise zur Beantwortung der Fragen in der Prüfungssituation

Lesen Sie die Aufgabenstellungen genau durch und fokussieren Sie Ihre Antwort auf die Frage (wenn Sie z. B. aufgefordert werden, ein bestimmtes Verhalten anhand einer psychologischen Theorie zu analysieren, ziehen Sie tatsächlich nur eine Theorie zurate, statt alle Theorien aufzuzählen, die Sie kennen, oder aus vielen verschiedenen Theorien je einen Teilaspekt zu verwenden).

Ordnen und gliedern Sie Ihren Text! Eine gute Strukturierung bedeutet, dass Ihre wesentlichen Antworten klar dargelegt bzw. hervorgehoben sind und man nicht „irgendwo im Text“ danach suchen muss. Schreiben Sie knappe, „dichte“, informative Texte, die aus ausformulierten Sätzen bestehen und logisch aufgebaut sind (und bitte keine stichwortartigen Aufzählungen ungeordneter und ungewichteter Punkte). Verwenden Sie für längere Textpassagen aussagekräftige Zwischenüberschriften (Prinzip: Die Überschrift fasst den Inhalt zusammen, der Inhalt erläutert die Überschrift).

In den konstruktiven Teilen der Fragen stellen Sie den Bezug auf Anwendungsfälle in expliziten Formulierungen her. Beziehen Sie sich dabei ausdrücklich auf psychologische und erziehungswissenschaftliche Theorien, Forschungsergebnisse und Methoden aus der Prüfungsliteratur, um Ihre Aussagen wissenschaftlich zu untermauern und somit klar von Alltagswissen bzw. Ihrer persönlichen Meinung abzugrenzen. Die Wiedergabe persönlicher Meinungen sollte immer klar gekennzeichnet sein und nur erfolgen, wenn Sie in der Aufgabenstellung explizit dazu aufgefordert werden. Verweisen Sie auf zusätzliche (d. h. in der Aufgabenstellung nicht genannte) Literatur, wenn es sich inhaltlich anbietet.

Begründen Sie Ihre Aussagen. Legen Sie Ihre Argumente logisch schlüssig, verständlich und plausibel dar, sodass man sie gut nachvollziehen kann. Wenn Sie Wirkungsbeziehungen darstellen („Dies bewirkt das“, „weil A, deshalb B“, „Wenn x, dann y“, „Dies führt zu jenem“) und wenn Sie Handlungsvorschläge unterbreiten, führen Sie immer auch konkret Beispiele an, wie und warum A zu B führt oder wie und warum Ihr Handlungsvorschlag welche Verbesserung erzeugt.

  • Beispiel: „Man muss den Selbstwert der Jugendlichen erhöhen“ ist als Handlungsvorschlag zu allgemein und damit nicht ausreichend. Geben Sie an, durch welche Handlungen, Maßnahmen, Verhaltensweisen, Methoden dies von wem (Lehrende, Eltern, Mitschüler/innen, Schulregeln, behördliche Weisungen …) erreicht werden kann. Geben Sie außerdem an, worin genau die Verbesserung besteht („gesteigertes Selbstwertgefühl ist für die Jugendlichen wichtig, denn damit können sie …“).

 

3. Beispielhafte Klausurfragen

Disclaimer: Die folgenden Fragenbeispiele sind unverbindlich und ohne Gewähr. Sie dienen zur Orientierung der Studierenden, aber die Abteilung und ihre Mitglieder verpflichten sich ausdrücklich nicht, den unten vorgestellten Fragetypen und -mustern ausnahmslos zu folgen.

 

Psychologische Partiale, Teil A (Entwicklungspsychologie)

Zum Kapitel Denken (30 Punkte)

(a) Kognitive Entwicklung nach Piaget

Nennen Sie die vier Stadien der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget sowie den jeweiligen Altersbereich der Stadien.

Erklären Sie die Begriffe Egozentrismus und Objektpermanenz und beschreiben Sie, ab wann bzw. bis wann diese Phänomene laut Piaget zu beobachten sind.

Erklären Sie die beiden Begriffe Akkommodation und Assimilation und erläutern Sie deren Zusammenspiel bei der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten an einem Beispiel.

(b) Passung zwischen individuellem Entwicklungsstand und Lernumwelt

Stellen Sie sich vor, Sie bereiten eine Unterrichtseinheit für Jugendliche im Alter zwischen 11 und 12 Jahren vor. Nach Piagets Theorie der geistigen Entwicklung gehen Sie davon aus, Schülerinnen und Schüler in zwei unterschiedlichen Entwicklungsstadien in der Klasse vorzufinden. Wodurch unterscheiden sich die Schülerinnen und Schüler in diesen beiden Stadien und wie können Sie das bei der Gestaltung der Unterrichtseinheit berücksichtigen, damit der Unterricht zum jeweiligen Entwicklungsstand der Jugendlichen passt?

Siegler (1994) rückte von der Vorstellung stadientypischer Kohärenz der kognitiven Entwicklung ab und fokussierte auf die kognitive Variabilität zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Entwicklung. Was ist mit Variabilität und Anpassung von Strategien gemeint? Beschreiben Sie Unterschiede bei der Gestaltung der Unterrichtseinheit für Jugendliche im Alter zwischen 11 und 12 Jahren (Aufgabe davor), die sich durch diese Sichtweise ergeben.

(3) Theory of Mind

Was versteht man in der Psychologie unter Theory of Mind und ab welchem Alter ist diese üblicher Weise vorhanden (vgl. Wimmer & Perner, 1983)?

Beschreiben Sie ein Experiment zur Überprüfung der Theory of Mind und erläutern Sie im Zuge dessen, was man unter False-Belief bzw. falscher Überzeugung versteht.

 

Psychologische Partiale, Teil B (Pädagogische Psychologie)

Aufgabe 1 (30 Punkte)

Herr Müller ist seit 5 Jahren Lehrer an einer NMS. In den letzten beiden Jahren hat die Leistung seiner Schüler/innen stark abgenommen. Vor allem Martha und Robert stehen in seinem Aufmerksamkeitsfokus. Beide haben von Beginn an schlechte Leistungen gezeigt und diese im Laufe der Jahre nie verbessert. Herr Müller erklärt sich dies so: „Martha und Robert sind beide nicht sehr begabt. Sie bringen nicht die Voraussetzungen mit, um gute Leistungen zu erzielen. Zusätzlich bemühen sie sich auch nicht, sie zeigen kaum Anstrengungen, um gute Noten zu erhalten.“ Herr Müller ist gegenüber den beiden Schülern eher negativ gestimmt. Er bezeichnet sie außerdem als frech und unaufmerksam.

Erklären Sie theoriegeleitet (z. B. nach Schotz, 2011), welche kognitiven Prozesse („Attribuierungen“) bei Herrn Müller passieren, um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen und warum diese passieren (Definitionen von Attribution, Attributionstendenzen, Gründe für Attribution, …) Erklären Sie außerdem, welche weiteren Attributionen möglich wären und wie Herr Müller im Falle anderer Attribuierungen seine Schüler/innen beschreiben würde. (Anmerkung: Bleiben Sie bei der Beschreibung nur auf der Ebene der Lehrkraft — des Herrn Müller –, Sie brauchen die Perspektive der Schüler/innen nicht darzustellen.)

Aufgabe 2 (30 Punkte)

Die 15-jährige Martina ist sehr schlecht in Mathematik. Von Anfang an hatte sie Schwierigkeiten mit Zahlen und hat am liebsten alles vermieden, was mit Zahlen zusammen hängt. In den anderen Fächern zeigt sie gute Leistungen, die machen ihr auch Spaß. Die Ankündigung der Mathematikschularbeit ruft bei ihr ein Gefühl des Unmuts hervor. Sie weiß, dass Üben nichts nützt, daher übt sie nur ganz wenig. Sie verlässt sich auf ihre beste Freundin, die neben ihr sitzt und gut in Mathematik ist. So hofft sie, ein „Nicht Genügend“ zu vermeiden. Die Schularbeit ist sehr schwer, sei findet keine Zugang zu den Aufgaben. Die Freundin lässt sie abschreiben so gut es geht. Martina erreicht ein Genügend bei der Schularbeit, sie ist zufrieden.

Erklären Sie auf Basis des Textes von Fritz, Hussy und Tobinski (2010) das Verhalten von Martina. Berücksichtigen Sie dabei in jedem Fall folgende Punkte:

  • Wie ist die Leistungsmotivation von Martina einzuschätzen?
  • Welche Rolle spielen Martinas kognitive Fähigkeiten bei der Vorbereitung auf die Schularbeit in Relation zur Motivation?
  • Wie ist das Zustandekommen des von Ihr selbst festgelegten Anspruchsniveaus zu erklären?
  • Wie wird sich Martina wahrscheinlich auf die Schularbeit vorbereitet haben? (Welche Aufgaben wird sie gewählt haben?)
  • Wie wird Martina den Ausgang der Schularbeit erklären?
  • Über welche Mechanismen könnte eine Lehrkraft das Verhalten von Martina steuern?
  • In welche Richtung sollte eine Lehrkraft das Verhalten von Martina lenken?

 

Pädagogische Partiale, Teil C (Schulsystem und Schulentwicklung)

Aufgabe 1 (30 Punkte)

(a) Stellen Sie auf Basis des Textes von Hartmut Ditton die aus Ihrer Sicht wichtigsten Faktoren dar, durch die Lehrkräfte und Schule Bildungsungleichheit (mit-)reproduzieren.

(b) Beschreiben Sie auf Basis des Textes von Altrichter, Heinrich und Soukup-Altrichter, inwiefern Schulprofilierungsprozesse die Bildungsungleichheit verschärfen.

(c) Beschreiben und begründen Sie – Bezug nehmend auf pädagogische Prüfungsliteratur Ihrer Wahl – zwei Ihrer Ansicht nach zentrale Strategien, die Schulen und Lehrkräfte ergreifen könnten, um Bildungsungleichheit abzubauen.

Aufgabe 2 (30 Punkte)

Inwiefern begünstigen oder erschweren folgende Reformen das Lehren selbstgesteuerten Lernens? Welche problematischen Folgen für die Lernprozesse von Schüler/innen können diese Reformen zeitigen?

(a) die Entwicklung eines internationalen Bildungsregimes (Parreira do Amaral)

(b) die Schulprofilierung (Altrichter/ Heinrich/ Soukup-Altrichter) und

(c) die dritte Phase der österreichischen Schulreformen (Altrichter/ Heinrich)

 

Pädagogische Partiale, Teil D (Unterricht, Lehren und Lernen, Schulklasse)

Die Prüfungsfragen in Teil D orientieren sich unverändert an unterschiedlichen kognitiven Taxonomiestufen. Hier finden Sie einige mögliche Beispiele. Festzuhalten ist, dass nicht in jeder Prüfung jede Stufe enthalten sein muss.

1. Reproduktion: Die 5 Fragenkomplexe der Didaktischen Analyse nennen.

2. Verstehen: Wie hänge die Qualitätsmerkmale guten Unterrichts „Klassenführung“, „kognitive Aktivierung“ und „soziale Unterstützung“ zusammen?

3. Anwenden: Planen Sie einen problemorientierten Unterrichtseinstieg nach Seel zu einem selbstgewählten Thema!

4. Analysieren: Vergleichen Sie die zentralen Theorieannahmen der beiden Didaktikmodelle „didaktischen Analyse nach Klafki“ und „problemorientierter Unterricht nach Seel“.

5. Synthese: Leiten Sie aus der Prüfungsliteratur sechs Indikatoren einer konstruktiven-unterstützenden Lernumgebung ab.

6. Beurteilen: Bildungsökonom Prof. Guido Schwerdt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München hat auf Basis von TIMSS-Daten Folgendes herausgefunden: „Wenn Lehrer 10 % mehr Zeit auf frontales Unterrichten verwenden, dann zeigen Schüler einen Leistungsvorsprung, der ungefähr dem Wissenszuwachs von ein bis zwei Monaten Schulbildung entspricht.“ Wie kann dieser doch unerwartete Befund erklärt werden? Nehmen Sie auf Basis der Prüfungsliteratur (und gerne auch plausiblen Argumenten, die über die Literatur hinausgehen) Stellung! Gehen Sie dabei auch auf die Frage ein, ob dem Befund nach schülerzentrierter Unterricht in der Unterrichtspraxis nun ineffizient ist.

2.4. Literatur zur schriftlichen Diplomprüfung

Die angegebene Literatur ist in der Bibliothek des Instituts für Pädagogik und Psychologie (Frau Roidinger, K 140 B, dort gibt es auch einen Ordner mit Kopiervorlagen) und in der Universitäts-Hauptbibliothek erhältlich.

Etwa vier Wochen vor jeder Diplomprüfung wird der Prüfungsstoff eingegrenzt. Informationen zur aktuellen Eingrenzung finden Sie hier:

3. Die mündliche Diplomprüfung

Der mündliche Teil der 2. Diplomprüfung erfolgt als Vertiefungsprüfung. Die mündliche Diplomprüfung findet ca. vier Wochen nach der schriftlichen Diplomprüfung statt. Der Antritt zu einem späteren mündlichen Prüfungstermin ist nur in begründeten Ausnahmefällen erlaubt. Voraussetzung für den Antritt bei der mündlichen Diplomprüfung ist der positive Abschluss der schriftlichen Diplomprüfung aus Erziehungswissenschaft. Prüfer bei der mündlichen Diplomprüfung ist o. Univ.-Prof. Dr. Herbert Altrichter. Als Prüfungsstoff ist je ein Werk aus den folgenden Bereichen zu wählen. Die angegebene Literatur ist in der Bibliothek des Instituts für Pädagogik und Psychologie (K 140 B) und in der Hauptbibliothek der JKU erhältlich.

Literatur Bereich 1: Unterricht gestalten und soziale Beziehungen fördern

Altrichter, H. & Posch, P. (2007). Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht. Unterrichtsentwicklung und Unterrichtsevaluation durch Aktionsforschung. 4. Auflage. Klinkhardt: Bad Heilbrunn

Eder, F. (1996). Schul- und Klassenklima. Innsbruck: StudienVerlag.

Helmke, A. (2015). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. 6. Auflage. Seelze: Klett-Kallmeyer.

Kounin, J.S. (2006). Techniken der Klassenführung. 2. Auflage. Münster: Waxmann.

Meyer, H. (2014). Was ist guter Unterricht? 10. Auflage. Berlin: Cornelsen Scriptor.

Meyer, H. (neueste Auflage). Unterrichtsmethoden, Band 1 + 2. Berlin: Cornelsen Scriptor.

 

Literatur Bereich 2: Theorie der Schule und Bildung, Schulentwicklung und aktuelle Probleme der Schulsysteme

Altrichter, H. & Helm, Ch. (Hrsg.) (2011). Akteure & Instrumente der Schulentwicklung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Altrichter, H. & Maag Merki, K. (Hrsg.) (2016). Handbuch Neue Steuerung im Schulsystem. 2. Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Fend, H. (2008). Neue Theorie der Schule. 2. Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Klafki, W. (2007). Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. 6. Auflage. Weinheim: Beltz.

Rolff, H.-G. (1995). Wandel durch Selbstorganisation. Weinheim: Juventa.

Specht, W. (Hrsg.) (2009). Nationaler Bildungsbericht. Österreich. Band 2: Fokussierte Analysen bildungspolitischer Schwerpunktthemen. Leykam: Graz 2009.