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Medizin Linzer Prägung.

Aufbau und Inhalt des Humanmedizinstudiums an der JKU Linz orientierten sich an internationalen Empfehlungen zur Weiter-entwicklung des Medizinstudiums.

Als Strategie für die Gestaltung der Studienpläne für das Bachelor- und Masterstudium Humanmedizin wurden aus diesen Empfehlungen unter Anleitung einer internationalen humanmedizinischen Gründungskommission Prinzipien abgeleitet, welche die Grundpfeiler für die Curriculumentwicklung bilden. Diese Prinzipien sind:

Kompetenzorientierung

Die Ausbildung zur Ärztin / zum Arzt beinhaltet die Vermittlung von grundlegendem medizinischen, psychosozialen und naturwissenschaftlichem Wissen. Neben diesem Fundament gilt es, eine ethische und ökonomische Grundhaltung auszubilden. Die Ausbildung an der Medizinischen Fakultät der JKU Linz orientiert sich daher an den konkreten ärztlichen Aufgaben und den dafür erforderlichen Kompetenzen, um der ganzheitliche Rolle von Medizinerinnen und Medizinern gerecht zu werden. Diese Kompetenzorientierung spiegelt sich besonders in der Prüfungsordnung wider. Als zentraler Baustein der Medizin Linzer Prägung wurde ein multidimensionales Prüfungssystem entwickelt, das neben wissensbasierten Prüfungen auch fallbasierte, fächerübergreifende und fertigkeitsorientierte Formate etabliert.

Organ- und Themenzentrierung

Traditionelle Studienpläne in der Humanmedizin gliedern sich nach medizinischen Fachrichtungen, wie sie in der Facharztausbildung zu finden sind. Eine Gliederung der Lehrinhalte in fächerübergreifenden, organ- und themenzentrierten Modulen, wie sie an der Medizinischen Fakultät der JKU Linz konsequent umgesetzt wurde, trägt der Komplexität von multikausaler Krankheitsentstehung und fächerübergreifender Diagnostik und Therapie Rechnung. Außerdem erlaubt es die fächerübergreifende Ausgestaltung dem ständigen Wissenszuwachs auch hinsichtlich neuer Methoden und Technologien gerecht zu werden. Die Fächer sind in einem adäquaten Umfang in die organ- und themenzentrierten Module integriert. Unnötige inhaltliche Redundanzen werden vermieden und es entsteht Raum für Anwendungs- und Wissenschaftsbezüge.

Horizontale und vertikale Integration

Die themen- und organzentrierte Modularisierung der Studieninhalte erfordert die konsequente Integration von medizinischen und theoretischen Fächern in jedem Modul. Vertikale Integration beschreibt die Einbindung von klinischen Lehrinhalten in die Grundlagenmedizin (Semester 1-4) sowie das Aufgreifen von Inhalten aus den Grundlagen in der klinischen Lehre. Mit der horizontalen Integration gilt es, die interdisziplinäre Wissensvermittlung sowie die Abstimmung der Lehrziele und die Vernetzung bei der Vermittlung der Lehrinhalte zwischen Modulen in der klinischen Lehre sicherzustellen. Neben der Modularisierung der Studieninhalte erfolgt eine longitudinale Vermittlung von modulübergreifenden Kenntnissen und medizinischen Fertigkeiten in Form von so genannten Tracks, die wiederum eng mit den Inhalten der zeitgleich stattfindenden Module abgestimmt sind.

Praxisorientierung und PatientInnenkontakt

PatientInnenkontakt und die Vermittlung von praktischen ärztlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten sind ein Grundpfeiler der humanmedizinischen Ausbildung in Linz. Ab dem ersten Semester bis zum klinisch-praktischen Jahr am Ende des Studiums finden Praktika in Kleingruppen statt, in denen von Beginn an ärztliche Gesprächsführung, Untersuchungs- und Interventionstechniken trainiert werden. In einer Simulationsumgebung, dem so genannten Clinical Skills Lab, werden Studierende in realitätsnaher Umgebung auf PatientInnenkontakte vorbereitet. Ab dem fünften Semester findet jede Woche ein klinisches Praktikum an Universitätskliniken und in Abteilungen des Kepler Universitätsklinikum oder anderen Kooperationskrankenhäusern statt. Dort wird von Beginn an ärztliches Verhalten, PatientInnenkontakt und professionelles Zusammenarbeiten geschult. Die Medizinische Fakultät der JKU Linz arbeitet bei der Konzeptionierung und Abhaltung von medizinischer Lehre eng mit regionalen Fachorganisationen und Verbänden für Allgemeinmedizin zusammen. Zahlreiche AllgemeinmedizinerInnen sind in der Lehre und bei den Prüfungen vertreten um der besonderen Bedeutung des Fachs Allgemeinmedizin ausreichend Rechnung zu tragen. Neben Kursen und Praktika im Rahmen der Pflichtveranstaltungen gibt es auch Spezialisierungsmöglichkeiten bei den Wahlfächern, bei Famulaturen und im klinisch-praktischen Jahr.

Versorgungswirksamkeit

Die Versorgungsforschung ist ein zentraler Schwerpunkt der Medizinischen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz. In der MedizinerInnenausbildung wird daher großer Wert auf die Ausgestaltung von Kompetenzen im Bereich der Folgenabschätzung gelegt. Medizinische Entscheidungen haben klinische, ökonomische, ethische, soziale und rechtliche Auswirkungen. Diese zu kennen und in der Entscheidungsfindung berücksichtigen zu können ist eine zentrale Anforderung an heutige Ärztinnen und Ärzte. Die konsequente Einbindung von Inhalten aus dem Fach Versorgungswirksamkeit in alle klinischen Module ab dem fünften Semester fördert das systematische und ganzheitliche Verständnis von ärztlichem Handeln und ist ein zentrales Prinzip der Linzer Prägung.

Problembasierte und evidenzbasierte Ausbildung

Auch bei der Vermittlung von theoretischem Wissen wird viel Wert auf die Praxisorientierung gelegt. So ist der Unterricht soweit zweckmäßig, problemorientiert und fallbasiert strukturiert. Als wichtiges Lehrelement gilt die interaktive Bearbeitung von Fallvignetten, wobei ausgehend von einem klinischen Problem unter Berücksichtigung der evidenzbasierten Medizin sowie empirischer Grundlagen die Falllösungskompetenz gefördert wird. Die Lehrinhalte orientieren sich an publizierten Daten aus der Klinik und der Primärversorgung sowie an Falldemonstrationen aus dem medizinischen Alltag. Unterschiedliche Lehrformate und Prüfungsformen tragen diesem Prinzip Rechnung.

Wissenschaftliche Kompetenzen

Die Vermittlung fundierter wissenschaftlicher Kenntnisse und Konzepte sowie Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten sind wichtige Elemente. Die Lehrinhalte und Unterrichtsmethoden sind weitgehend so gestaltet, dass Studierende Hypothesen, Konzepte und Methoden sowie ihre Bedeutung für die Medizin auf wissenschaftlicher Grundlage verstehen und kritisch diskutieren lernen und so eine Beurteilung und Anwendung neuer Forschungsergebnisse im ärztlichen Berufsleben ermöglichen. Die eigenständige Erarbeitung zweier Abschlussarbeiten - einer Bachelor- und einer Masterarbeit - ermöglichen den Studierenden die Anwendung und Vertiefung der im Studium vermittelten wissenschaftlichen Kompetenzen.

„Mich haben die persönliche Komponente und das neue Lehrkonzept begeistert. Das Modulsystem mit Studium in Linz und Graz finde ich toll und ist eine echte Bereicherung.“
Anna Brauner
Masterstudium Humanmedizin