Quo vadis, Sozialpartnerschaft?

Ein wissenschaftlicher Blick auf einen im Wandel befindlichen Interessensausgleich.

Von manchen totgesagt, für andere als Stütze des Staates beschworen – die Sozialpartnerschaft ist in Österreich eine Institution, die die Geschichte der 2. Republik mitgeprägt hat. Steht sie auf dem Spiel? Ist sie noch zeitgemäß? Und welche Reformen wären notwendig? Forscher*innen der Johannes-Kepler- Universität Linz, der Forschungs- u. Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) in Wien und der Universität Roskilde in Dänemark haben sich mit diesen Fragen beschäftigt.

9 wissenschaftliche Arbeiten zu Gegenwart und Zukunft der Sozialpartnerschaft

Anfragen und Infos

christian.savoy@jku.at

Eine Kooperation der JKU mit FORBA Wien, Arbeiterkammer Wien und Roskilde University (Dänemark)

Sozialpartnerschaftliche Antworten auf digitale Plattformunternehmen im Personentransportsektor

Susanne Pernicka, Institut für Soziologie, JKU Linz

Neue Unternehmen wie Uber oder Bolt (vormals Taxify) stehen im Konkurrenzkampf zu traditionellen Taxiunternehmen. Der Beitrag zeigt, welchen Beitrag die Sozialpartnerschaft hier leisten könnte, um die Bedingungen für einen fairen Wettbewerb festzulegen.

Kontakt: susanne.pernicka@jku.at

Wandel des Machtverhältnisses zwischen Gewerkschaften und ihrem einflusspolitischen Gegenüber (Unternehmen, Arbeitgeberverbände, Politik)

Georg Adam, Forschungs- u. Beratungsstelle Arbeitswelt, FORBA Wien

Seit Beginn der 1990er Jahre kann in nahezu allen hochentwickelten Industrienationen empirisch eine Tendenz der Verschiebung der Machtbalance zwischen Gewerkschaften und Unternehmen beobachtet werden –zu Ungunsten der Arbeitnehmer*innenseite. Wie haben die Gewerkschaften darauf reagiert?

Kontakt: adam@forba.at

Zur Bedeutung der Sozialpartner bei der Gestaltung des Arbeitszeitrechts im Lichte der AZG-Novelle 2018

Elias Felten, Institut für Arbeitsrecht und Sozialrecht, JKU Linz

Die Frage, wie lange bzw. in welchem Ausmaß Arbeitnehmer*innen arbeiten sollen, und zu welchem Preis, hat Auswirkungen auf die Produktivität und Lebensqualität und ist damit von wirtschaftspolitischer Bedeutung. Wie haben sich die Änderungen im Arbeitszeitgesetz auf die Sozialpartnerschaft ausgewirkt?

Kontakt: elias.felten@jku.at

Kollektivvertragspolitik im österreichischen Metallsektor

Vera Glassner, Soziologin, Wien

Für die Lohnverhandlungen gelten in Österreich die Abschlüsse im Metallsektor als richtungsweisend. Das Erreichen eines brancheneinheitlichen Metaller-Lohnabschlusses wird für die Gewerkschaften allerdings immer mehr zum Kraftakt. Werden die Sozialpartner*innen zu Gestalter*innen des Wandels oder kommt es langfristig zur Marginalisierung der Arbeitnehmer*innenvertretungen?

Kontakt: vera.glassner@akwien.at

Sozialpartnerschaft und Migrationspolitik

Torben Krings, Institut für Soziologie, JKU Linz

Dieser Beitrag untersucht den Bedeutungswandel der sozialpartnerschaftlichen Interessenpolitik am Beispiel der österreichischen Migrationspolitik. Anhand von zwei Fallstudien zur Rot-Weiß-Rot-Karte und zur Asylmigration wird gezeigt, dass der sozialpartnerschaftliche Einfluss in diesem Politikfeld rückläufig ist – allerdings auf Seiten der Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen nicht auf die gleiche Weise.

Kontakt: torben.krings@jku.at

Digitalisierung in der Arbeitsmarktverwaltung – Der „AMS-Algorithmus“ als Bewährungsprobe für die Arbeitnehmer*innenvertretung

Eduard Müller, Institut für Soziologie, JKU Linz

Der Umgang mit Digitalisierung in der österreichischen Arbeitsmarktverwaltung, insbesondere der „AMS-Algorithmus“ wurde öffentlich stark diskutiert. Der Einsatz von KI steht, vor dem Hintergrund historisch hoher Arbeitslosenzahlen im Gefolge der COVID-19-Pandemie, auch auf diesem sensiblen Gebiet zur Disposition, nicht zuletzt aufgrund kritischer Einwände auf nationaler und internationaler Ebene.

Kontakt: eduard.mueller@jku.at

Sozialpartnerschaft und Arbeitgeber*innenverbände in Österreich

Thomas Paster, Roskilde University

Die WKÖ weist im internationalen Vergleich ein ausgeprägtes sozialpartnerschaftliches Rollenverständnis auf. Verminderte Rückendeckung der Regierungen für die Sozialpartnerschaft und eine veränderte Mitgliederstruktur machen heute aber andere Formen der politischen Einflussnahme für die Arbeitgeber*innen-Seite attraktiver.

Kontakt:  paster[at]ruc.dk

Rollenverständnis und Aufgabenprofil von Betriebsrät*innen: Schutzfunktion und/oder Gestaltungsfunktion (Co-Management)

Ursula Rami, Institut für Soziologie, JKU Linz

Obwohl das System der betrieblichen Mitbestimmung in Österreich wie auch in Deutschland eine recht breite Zustimmung erfährt, haben bereits vor gut zwei Jahrzehnten Arbeitssoziolog*innen „Risse im Fundament“ gesehen. Wissenschaftliche Interviews zeigen, wie Betriebsrät*innen und Vertreter*innen des Managements von Unternehmen den Stellenwert des Betriebsrats heute einordnen.

Kontakt: ursula.rami@jku.at

Transnationale betriebliche Mitbestimmung

Bettina Stadler, Forschungs- u. Beratungsstelle Arbeitswelt, FORBA Wien

Das österreichische System der betrieblichen und überbetrieblichen Mitbestimmung ist traditionell in vielen Strukturen verankert – in der Politik ebenso wie in der zunehmend transnationalisierten Wirtschaft. Welchen Stellenwert messen österreichische Unternehmen der Sozialpartnerschaft bei, wenn sie in transnationale Wertschöpfungsketten eingebunden sind oder Unternehmensbestandteile in das Ausland verlagern?

Kontakt: stadler@forba.at