Maschinenbau für Allrounder

Im Interview: Der neu berufene erste „Maschinenbau“-Professor an der JKU, Bernhard Sonderegger, - ein Allrounder, der auch in Corona-Zeiten aus seinem Institut eine runde Sache machen wird.

Bernhard Sonderegger
Bernhard Sonderegger

Mit 1. November trat Univ.-Prof. Dr. Bernhard Sonderegger seine Professur am – derzeit noch in Gründung befindlichen – Institut für Konstruktionswerkstoffe – Metalle an. Er ist damit der erste Professor an der JKU, der das neu geschaffene Studium des Maschinenbaus maßgeblich mitprägen wird. Die Einbettung in die Mechatronik und ein starker Fokus auf Digitalisierung sind für ihn zentrale Punkt

Herr Prof. Sonderegger, Sie haben Ihre Professur an der JKU mitten in Corona-Zeiten und also unter nicht einfachen Rahmenbedingungen angetreten. Das hätten Sie sich wahrscheinlich anders gewünscht…

Sonderegger: Ja, das ist natürlich nicht ganz einfach, aber ich wurde von den Kolleginnen und Kollegen sehr herzlich aufgenommen und halte auch bereits seit Oktober eine Lehrveranstaltung, die nun natürlich wieder auf virtuell umgestellt wurde. Wobei mir auffällt: Die Studierenden stellen während der Vorlesung via zoom viel mehr Fragen, als wenn die Vorlesung im Hörsaal abgehalten wird. Das ist trotz allem auch ein gewisser Vorteil.

Ihr Institut ist ja noch gar nicht offiziell gegründet?

Sonderegger: Die offizielle Gründung wird voraussichtlich Mitte Dezember sein. Ich werde mit meinen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer Institutsreferentin vorläufig im Open Innovation Center sitzen, bis wir im Sommer 2021 in die Räumlichkeiten im Science Park 5 einziehen können. 

Ihr Institut beschäftigt sich mit dem Konstruktionswerkstoff Metall und ergänzt damit einen inhaltlichen Bereich, der für eine breite Ingenieursausbildung bisher an der JKU noch gefehlt hat. Was kann man sich unter Ihrem Forschungsbereich als Laie vorstellen?

Sonderegger: Wir beschäftigen uns mit den mechanischen Materialeigenschaften von Legierungen und möchten Materialien gezielt designen hinsichtlich der Eigenschaften, die sie haben sollten. Bisher wurde so etwas oft nach dem Prinzip trial and error gemacht, was natürlich ineffizient und kostspielig ist. Wir setzen dabei an, Modelle zu entwickeln, die dann, in einer Software verpackt, mechanische Eigenschaften praktisch vorhersagen kann. Die Frage ist dabei nicht nur: Wie verhält sich Material, sondern auch: Warum verhält es sich so?

Können Sie das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen?

Sonderegger: Nehmen wir zum Beispiel Turbinen: Das Material, aus dem Turbinen hergestellt sind, soll zehn Jahre lang halten. Um das garantieren zu können, müsste man also einen Test mit den gefragten Materialien zehn Jahre lang laufen lassen. Wir möchten nun am PC die Veränderungen der Materialeigenschaften simulieren. Dann können wir schon den Großteil der Materialien ausscheiden, und nur mehr mit wenigen, die in Frage kommen, in eine – deutlich kürzere, vielleicht dreijährige – Testphase gehen. Das heißt, wir simulieren Produktionsprozesse und Einsatz am Computer.

Das hört sich nach viel Programmieren an?

Sonderegger: Ja, oft müssen wir die entsprechende Software dafür selber programmieren. Maschinenbau muss in Zeiten der Digitalisierung und für die heutigen Herausforderungen breit gedacht werden: Es braucht ergänzend Physik, Chemie, Mechatronik und Informatik. Letztere, um das Wissen für alle abrufbar zu machen.

Das heißt, Sie sind auch selbst nicht nur sozusagen ein „Hardcore-Maschinenbauer“?

Sonderegger (lacht): Das könnte man so sagen. Ich habe schon in der Schule meine ersten PC-Programme geschrieben. Dann habe ich ein Studium der Technischen Physik absolviert, in das viel Mathematik und Informatik integriert war. Mein Doktorat habe ich im Maschinenbau gemacht und mich mit Materialtestung und dabei auch mit der Arbeit am Elektronenmikroskop beschäftigt. Die Habilitation war dann zu Werkstoffwissenschaften.

In meinen bisherigen Positionen – etwa an der TU Graz und an der University of Capetown – habe ich glücklicherweise immer das ganze Portfolio bedienen können.

Was war denn der Reiz für Sie, dem Ruf an die JKU zu folgen?

Sonderegger: Sehr spannend finde ich die Einbettung in die Mechatronik. Hier gibt es nämlich ein Puzzleteil, das mir in meinem Arbeitsfeld bisher noch gefehlt hat – die Messtechnik. Dazu gibt es hier bekanntlich ein tolles Angebot in der Informatik, und ich würde hoffen, dass ich dadurch auch “Zugriff“ auf Masterstudentinnen und -studenten für den Maschinenbau bekomme.

Herr Prof. Sonderegger, dann wünschen wir Ihnen einen guten Start an der JKU und viel Erfolg in Ihren Forschungsvorhaben und mit Ihren Studierenden!

Sonderegger: Vielen Dank!

NEWS 01.12.2020

Fachbereich Mechatronik